Pharmaanlagenbau So bringen Sie eine Pharmanlage auf den neuesten Stand der Automatisierungstechnik

Autor / Redakteur: Sabine Mühlenkamp / Dipl.-Ing. (FH) Tobias Hüser

Was tun, wenn eine Anlage noch fit ist, die Steuerung aber kein Batchhandling besitzt? Auch im Pharmaanlagenbau stehen die Betreiber immer häufiger vor der Herausforderung, dass ihre Anlagen aus automatisierungstechnischer Sicht auf den neuesten Stand gebracht werden müssen. Wie das funktioniert, zeigt die Automatisierungs-Abteilung des Pharmaspezialisten Glatt.

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Je komplexer die Anwendungen, desto einfacher sollte die Bedienung sein.
Je komplexer die Anwendungen, desto einfacher sollte die Bedienung sein.
(Bild: Glatt)

Während zehn Jahre für eine verfahrenstechnische Anlage kein Alter ist, sieht das aus automatisierungstechnischer Sicht ganz anders aus. „In jüngster Zeit häufen sich die Anfragen hinsichtlich eines Upgrades der Steuerungen. Sei es, dass die alten S5-Steuerungen von Siemens auf S7 aufgerüstet werden müssen oder dass alte per elektro-pneumatisch gesteuerte Anlagen kein Batch- und Rezepthandling aufweisen und eine neue Steuerung benötigen“, erklärt Andreas Baumer, Bereichsleiter Automatisierung in Binzen.

Auch der Wechsel zu einer Steuerung, die 21 CFR Part-11-kompatibel ist, oder die Anbindung an ein Manufacturing Execution System (MES) gehört zu den Aufgaben und kann als Auslöser für ein solches Upgrade in Frage kommen. Die Anlagen, um die es geht, sind häufig 20 bis 30 Jahre alt, aus verfahrenstechnischer Sicht jedoch noch topfit. „Der Aufwand lohnt sich jedoch“, so Baumer, „üblicherweise laufen die Anlagen mindestens weitere zehn Jahre.“

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Entscheidend ist, dass ein Upgrade immer individuell ist. So ist nur ein Update der Software oder eine Modifizierung des bestehenden Equipments, wie Schaltschränke oder Bedien- und Visualisierungsysteme möglich, aber ebenso kann die gesamte Steuerung neu konzipiert werden. „Wir bieten dem Kunden an, vor Ort eine „as-built-Aufnahme“ zu machen, um dann die Möglichkeiten zur Realisierung zu diskutieren und die möglichen Steuerungsoptionen vorzustellen. Im Anschluss bekommt der Kunde dann sein individuell angepasstes Angebot“, erklärt Baumer die Vorgehensweise.

In den vergangenen fünf Jahren wurden auf diese Weise mehr als 100 Anlagen modernisiert, indem sie ein neues Steuerungssystem erhielten. Entscheidend sei, so Baumer, dass die Ausfallzeiten der Maschinen so niedrig wie möglich seien. Beispielsweise liegt die Stillstandszeit z.B. einer Wirbelschichtanlage üblicherweise bei zwei bis max. vier Wochen, inklusive Installation, Inbetriebnahme und Qualifizierungsphase (IQ/OQ). Wird das bestehende Scada-System durch ein neues ersetzt, werden die Angaben zur Rezeptursteuerung übernommen, sodass keine erneute Rezeptqualifizierung nötig ist.

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