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Wasserreinigung Sauberes Wasser in China durch die Kraft der Luft

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Tobias Hüser

Wasserreinigung durch die Kraft der Luft – was sich erstaunlich anhört, ist bei der Qwair Group Realität. Das deutsche Unternehmen aus Heilbronn kombiniert verunreinigtes Wasser mit Luftenergie und erhält so sauberes Wasser. Das Verfahren soll künftig in einem chinesischen Galvanikpark zum Einsatz kommen.

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Die Qwair Group und das Unternehmen Guangdong Guanya Environmental Protection Science and Technology unterzeichneten Ende Dezember ein „Memorandum of Understanding“.
Die Qwair Group und das Unternehmen Guangdong Guanya Environmental Protection Science and Technology unterzeichneten Ende Dezember ein „Memorandum of Understanding“.
(Bild: Zhong De Metal Group)

Stuttgart – „Unsere Entwicklung ist einzigartig. Filter, Membran, Chemikalien, biologische Stoffe – all dies sind bekannte Verfahren bei der Wasseraufbereitung. Wir nutzen die Kraft der Luft “, erklärt Qwair-Geschäftsführer Stefan Flinspach. „Durch die Kombination von Luft, einer rotierenden Oberfläche und thermischer Energie wird das Schmutzwasser gereinigt. Dieser Prozess kommt dem Prinzip der Verdunstung sehr nahe – es ist der gleiche Prozess wie beim Entstehen von Regen.“ Die Technik von Qwair arbeitet in einem Temperaturbereich zwischen 60 und 80 °C. Deshalb benötigt sie wesentlich weniger Energie als herkömmliche Reinigungsverfahren. Ob Gewinnung von Trinkwasser aus Meerwasser, Aufbereitung von Schmutzwasser oder Industrieabwässern – die Einsatzmöglichkeiten der Technik sind breit gefächert.

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Das Verfahren soll künftig im Galvanikpark der Metal Eco City (MEC) zum Einsatz kommen. Die Metal Eco City befindet sich im Norden der Millionenstadt Jieyang und erstreckt sich über eine Fläche von 25 km2. Hinter der MEC stehen 700 chinesische Metallunternehmen. Sie ist der erste Industriepark Chinas, der von Unternehmern initiiert wurde und von einem deutschen Management begleitet wird. Die Zhong De Metal Group wurde Anfang 2015 als deutsche Tochtergesellschaft gegründet. Für die Zusammenarbeit unterzeichneten die Qwair Group und das chinesische Unternehmen Guangdong Guanya Environmental Protection Science and Technology Ende Dezember ein entsprechendes „Memorandum of Understanding“.

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Reinigung von galvanischen Abwässern

In der Metal Eco City wird der Fokus auf der Reinigung von galvanischen Abwässern liegen. Jieyang gilt als Metall-Mekka Chinas – mehr als 7.000 Unternehmen mit 400.000 Mitarbeitern sind in der Branche tätig. Am Jieyanger Modell soll aufgezeigt werden, wie sich die Galvanikproduktion zu einem „grünen“ Industriezweig entwickeln kann.

Qwair ist ein junges Unternehmen, das 2013 gegründet wurde. Ohne Fördermittel haben die beiden Gründer Stefan Flinspach und Matthias Enzenhofer inzwischen einen einstelligen Millionenbetrag in ihre Entwicklung investiert. Bevor sie die Pilotanlage bauen ließen, beschäftigten sie sich zehn Jahre mit der Entwicklung des Verfahrens. Die mobile Pilotanlage war schon mehrere tausend Stunden im Einsatz – zuletzt in der Textilindustrie. Das Interesse an der neuen Technologie besteht weltweit. In Jieyang ist im ersten Quartal 2017 die erste Testphase geplant. Auf der Basis dieser Erkenntnisse werden die weiteren Weichen gestellt.

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