Von der Verunreinigung mit sogenannten Ewigkeitschemikalien sind nach aktuellem Kenntnisstand keine weiteren Gewässer in Dresden betroffen. Man gehe derzeit von einem örtlich sehr begrenztem Schadensbild im Norden der Stadt aus, sagte der Leiter des Umweltamts der Landeshauptstadt, René Herold, bei der Präsentation der Messergebnisse im Stadtforum. Schwerpunkt der Belastung mit den PFAS-Chemikalien ist demnach der Ziegeleiteich und der Ziegeleiteichgraben im Stadtteil Klotzsche. Dort wurden im Oberflächenwasser sowie im Sediment Konzentrationen von teils über einem Mikrogramm pro Liter nachgewiesen. Der seit gestern geltende Grenzwert für Trinkwasser wäre damit um das Zehnfache überschritten, allerdings wird aus dem Ziegeleiteich kein Trinkwasser entnommen.
Bei Fischen aus dem Ziegeleiteich wurden Höchstwerte für die PFAS-Konzentration in Lebensmitteln überschritten, sie dürfen daher nicht in Verkehr gebracht werden, Verkauf oder unentgeltliche Weitergabe sind also untersagt. Auch das Angeln im Ziegeleiteich ist verboten. Auch in umliegenden Brunnen wurden erhöhte Werte festgestellt. Die betroffenen Brunnenbesitzer wurden bereits im Juli informiert. Die Trinkwassernutzung sei zu diesem Zeitpunkt nicht untersagt worden, da der Grenzwert noch nicht gültig gewesen sei, sagte Angeline Ernst vom Amt für Gesundheit und Prävention. Die Stadt sprach demnach aber die Empfehlung aus, das Wasser aus den Brunnen nicht zum Trinken oder Kochen zu verwenden und mit einer Fachfirma zu klären, ob eine Dekontamination möglich ist.
Das Trinkwassernetz der Landeshauptstadt ist nicht betroffen, wie Ernst betonte. Es werde seit etwa zehn Jahren auf PFAS geprüft.
Weitaus geringere Konzentrationen von PFAS wurden in Gewässern im Stadtteil Weixdorf festgestellt. Betroffen ist auch das dortige Waldbad. Dem Badebetrieb in der kommenden Saison steht aber nichts entgegen. Selbst bei tagtäglichem Baden würde man noch weit unter den gültigen Grenzwerten liegen, erläuterte Ernst. Vulnerablen Gruppen wie Schwangeren, Kindern oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem werde jedoch zu anderen Badestellen geraten.
Bereits Mitte Dezember hatte die Landeshauptstadt über die Verunreinigung der Gewässer informiert. Wie die PFAS in das Wasser gerieten und ob es eine Verbindung zur im Dresdner Norden angesiedelten Industrie gibt, ist weiterhin offen. Die Suche nach der Ursache läuft den Angaben nach. Die gefundenen Verbindungen finden sich laut Herold beispielsweise in Löschschaum oder Enteisungsmitteln. Sie würden grundsätzlich aber überall in der Industrie und auch im Haushalt verwendet.
Frankfurt/Brüssel (dpa) *11:17 Uhr – Brief an von der Leyen: Chemie will Reform des CO2-Handels
In einem Brief an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dringen die deutsche Chemie-Industrie und die Branchengewerkschaft IG BCE auf eine schnelle Reform des Emissionshandels. Das bisherige System habe zwar zur deutlichen Senkung von Treibhausgasen geführt, sei aber nicht mehr zukunftstauglich, schreiben der Präsident des Chemieverbands VCI, Markus Steilemann, und IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis. «Die CO2-Bepreisung bleibt global asymmetrisch und verursacht dadurch erhebliche Wettbewerbsnachteile für europäische Produzenten.»
Klimaneutrale Produkte seien oft mit deutlich höheren Kosten verbunden, während der Markt diese Mehrkosten nicht zu tragen bereit ist, heißt es in dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Dazu komme, dass zentrale Voraussetzungen absehbar fehlten, besonders genug billiger Strom und Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen, ebenso die erforderlichen Netze und Infrastruktur.
Der Emissionshandel ist das zentrale Klimaschutzinstrument der EU. Dabei müssen Unternehmen Rechte zum Ausstoß von Treibhausgasen nachweisen. Nach Bedarf können sie damit untereinander handeln. So entsteht ein Preis für jede ausgestoßene Tonne CO2. Über die Jahre sinkt die Zahl der verfügbaren Zertifikate - dies soll auf möglichst effiziente Art zu mehr Klimaschutz führen.
IG BCE und VCI fordern unter anderem, die kostenlose Zuteilung von CO2-Zertifikaten auf dem Niveau von 2025 zu verstetigen und das Absinken bei der Zahl der Rechte bis 2050 abzuflachen. Allein die Verschärfung im System seit Jahresbeginn werde geschätzt Mehrkosten von über 200 Millionen Euro pro Jahr allein für die deutsche chemische Industrie verursachen.
Stand: 08.12.2025
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Steilemann und Vassiliadis plädieren dafür, die Verknappung von CO2-Rechten zu mindern und das Abschmelzen von kostenlosen Ausstoß-Rechten für bestimmte emissionsintensive Güter wie Eisen, Stahl, Aluminium und Düngemittel auszusetzen. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sollten in einem Schnellverfahren greifen, denn die Lage der Chemiebranche sei «dramatisch». Die durchschnittliche Auslastung in Deutschland liege bei nur 70 Prozent, was viele Anlagen unrentabel mache und zur Schließung von Anlagen sowie Personalabbau führe. Die kriselnde Chemie-Industrie, die viel Strom und Gas verbraucht, fordert schon länger Entlastung aus Brüssel. Erst im Oktober hatte der Chef des Essener Chemiekonzerns Evonik, Christian Kullmann, eine Abschaffung oder eine drastische Reform des EU-Emissionshandels gefordert.