Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.
Meschede/Berlin (dpa) - *13:41 Uhr – Rabattwelle und Brauereisterben - Bierbranche in der Krise
Die Brauwirtschaft gerät tiefer in die Krise: Der Bierkonsum in Deutschland geht 2026 weiter zurück. Das hat Auswirkungen auf das Sortiment im Handel und die Preise. Insolvenzen, Schließungen und Verkäufe von Brauereien werden an immer mehr Standorten ein Thema. «Tatsache ist, dass es die Branche weniger mit einer Absatzdelle als mit einer echten Zäsur zu tun hat», sagt Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes. Der deutsche Biermarkt schrumpfe nach minus 6 Prozent 2025 um gut 5 Prozent in den ersten fünf Monaten 2026.
«Seit Mai 2019, dem letzten Jahr ohne externe Einflüsse durch Corona-Pandemie oder den Krieg gegen die Ukraine, hat die Branche somit 550 Millionen Liter Bier verloren, das sind rund 18 Prozent des früheren Gesamtmarktes», verdeutlicht Eichele das Ausmaß des Abwärtstrends. Das hat gravierende Folgen, beispielsweise in Nordrhein-Westfalen: Der Braukonzern um Warsteiner gab einen Kapazitätsabbau um fast ein Drittel mit Kahlschlag bekannt. Die Brauerei in Herford wird geschlossen. Falls sich kein Käufer findet, wird auch die Brauerei in Paderborn dicht gemacht.
Die großen Anbieter besitzen Skaleneffekte, können also Bier günstiger produzieren, wie Veltins-Chef Volker Kuhl erklärt. Das Rückgrat der Branche, mittlere und kleinere Betriebe, gerieten am stärksten in die Zange. Die Traditionsmarken blieben aber oft erhalten, wenn Produktion abwandere. Auch im Handel finde eine Marktbereinigung statt. Die Regale seien lange mit Hellbieren «geflutet» worden. Inzwischen gewinne das alkoholfreie Segment an Vielfalt hinzu, sagt Veltins-Marketing-Manager Fabian Veltins. Alkoholfreie Getränke hätten im Handel den Umsatzanteil von 50 Prozent überschritten, während der von Bier auf unter 22 Prozent gesunken sei.
München (ots) - *08:01 Uhr – Abnehm-Tablette: YouGov-Umfrage zeigt Interesse
Die Einführung der ersten Abnehmtablette in Europa rückt näher: Nachdem ein entsprechendes Medikament Anfang 2026 in den USA auf den Markt gekommen ist, wird die EU-Zulassung ab Mitte August erwartet. Eine aktuelle, repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag der Gesundheitsplattform Golighter zeigt nun, dass das Interesse der Betroffenen an der neuen oralen Therapieform in Deutschland groß ist: Wenn eine Abnehmpille und eine Abnehmspritze ähnlich wirksam, medizinisch geeignet, gleich teuer und mit vergleichbaren Nebenwirkungen verbunden wären, würden 46,5 Prozent der Befragten die Tablette bevorzugen. Nur 8,7 Prozent würden sich für eine Spritze zur Selbstanwendung entscheiden. Weitere 25,3 Prozent würden beide Formen gleichermaßen in Betracht ziehen.
Besonders deutlich wird der mögliche Versorgungshebel bei Menschen mit Adipositas: Unter den Befragten mit einem BMI ab 30 bevorzugen 51,0 Prozent die Tablette, während nur 9,3 Prozent die Spritze wählen würden. Zugleich sagen 43,6 Prozent der Befragten mit Adipositas, die keine Abnehmspritze nutzen oder konkret planen, dass die Verfügbarkeit einer Abnehmpille ihre Bereitschaft erhöhen würde, eine medizinische Behandlung zur Gewichtsreduktion in Betracht zu ziehen.
09.07.2026
Berlin (dpa) - *18:11 Uhr – Neue Gaskraftwerke für Deutschland: Bundestag stimmt zu
Der Bundestag hat den Plan zum Bau zahlreicher neuer Gaskraftwerke in den nächsten fünf Jahren gebilligt. Die neuen Anlagen sollen den Kohleausstieg und den Ausbau von Ökostrom flankieren und befürchtete Lücken in der Stromversorgung vermeiden. Auf Verbraucher kommen damit ab 2031 zusätzliche Kosten für eine neue Umlage zu, mit der die Förderung in Milliardenhöhe für die Betreiber finanziert werden soll.
Noch in diesem Jahr sollen Ausschreibungen für insgesamt 11 Gigawatt neuer Kapazitäten beginnen, die spätestens Ende 2031 am Netz sein sollen. Die neuen Anlagen sollen zunächst Erdgas verbrennen, was mit dem Ausstoß schädlicher Klimagase verbunden ist. Spätestens 2045 sollen die Gaskraftwerke dann «klimaneutral» mit Wasserstoff laufen.
Das heißt, sie müssen jetzt schon so geplant werden, dass ein Umstieg möglich ist - der Fachbegriff heißt «H2-ready».
Kiew (dpa) - *15:16 Uhr – Ukraine zu Nord Stream: Staatliche Stellen nicht verwickelt
Stand: 08.12.2025
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Die Justiz in Kiew hat nach eigenen Angaben bislang keine Belege für eine Verwicklung staatlicher ukrainischer Stellen in die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee 2022 gefunden. Die Ermittlungen liefen aber weiter, und man arbeite dabei mit den zuständigen Stellen in Deutschland zusammen, teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit. «Die Ukraine ist bereit, zur Aufklärung aller tatsächlichen Umstände beizutragen», hieß es. In Deutschland wurde Anfang Juli bekannt, dass Anklage gegen den inhaftierten ukrainischen Ex-Soldaten Serhij K. erhoben worden ist. Die Bundesanwaltschaft hält ihn für den Organisator der Sprengungen, die im September 2022 am Boden der Ostsee die zwei Erdgasleitungen zwischen Russland und Deutschland außer Gefecht setzten. Die Eröffnung eines Prozesses steht noch aus.
Die in Hamburg erhobene Anklage bedeute keinen Schuldspruch, schrieb die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft. Ihre eigenen Ermittlungen in Sachen Nord Stream 1 und 2 begründete die Behörde nicht mit dem Verfahren in Deutschland, sondern mit Nachforschungen in allen Fällen, die möglicherweise ein russisches Kriegsverbrechen darstellen. Präsident Wolodymyr Selenskyj äußerte sich bei einem Besuch in Dublin auf Nachfrage nicht zu der Anklage. Die deutschen Behörden gehen davon aus, dass die Sabotage im Auftrag eines fremden Staates erfolgte. 2022 war Serhij K. noch aktiver Soldat. Der Bundesgerichtshof sieht ihn aber nicht als Kombattanten, der ein legitimes militärisches Ziel angegriffen habe und deshalb straffrei sei.
Ingelheim (dpa) - *04:01 Uhr – Boehringer-Deutschlandchef: Industrie wird de-priorisiert
Kurz vor den geplanten Abstimmungen in Bundestag und Bundesrat zur Reform der gesetzlichen Krankenkassen hat der Deutschlandchef von Boehringer Ingelheim vor negativen Folgen gewarnt. Es gebe eine Bewegung in eine Richtung, bei der die Industrie de-priorisiert werde, sagte Médard Schoenmaeckers der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Der Grundtenor sei nach Änderungen an dem Gesetzentwurf nach wie vor, dass Innovationen der Pharmabranche nicht anerkannt würden. «Wir fühlen uns nicht als Gewinner», sagte Schoenmaeckers. Es bleibe das Gefühl, dass die Industrie der einzige Kostenträger sei, der weiter zusätzlich belastet werde.
Am ursprünglichen Gesetzentwurf hatten Pharmaunternehmen etwa den vorgesehenen dynamisch anpassbaren Preis-Abschlag auf Medikamente kritisch gesehen. Moniert wurde, dass dies jegliche Planbarkeit zunichtemache. Dass nun doch kein dynamischer Abschlag kommen solle, begrüßte Schoenmaeckers. «Aber die Industrie sieht sich nun mit einem mehr als doppelt so hohen, konstanten Herstellerabschlag konfrontiert.»