Newsticker Juni: Aktuelles aus der Prozessindustrie Pharmakonzerne kürzen Investitionen – Bund verteidigt Kurs

Quelle: dpa 7 min Lesedauer

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Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.

(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

06.06.2026

Tübingen/Mainz (dpa/lsw) *04:01 Uhr – Curevac-Stellenabbau: Kaum Alternativen für Betroffene

Für hunderte Beschäftigte von Curevac zeichnen sich nach der angekündigten Schließung des Standorts tiefgreifende Einschnitte ab. Gleichzeitig laufen die Gespräche über die mögliche Abwicklung des Biotechunternehmens mit Hauptsitz in Tübingen auf Hochtouren.

Eine von der Landesregierung gebildete Taskforce will Infrastruktur und Know-how in der Universitätsstadt sichern und den Mitarbeitenden «eine Perspektive geben und zumindest einen Teil der Top-Talente am Standort halten», teilte ein Sprecher des Staatsministeriums in Stuttgart mit.

Die Taskforce besteht demnach aus dem Wissenschafts- und dem Wirtschaftsministerium, dem Staatsministerium, der Bundesagentur für Arbeit und der Landesagentur Biopro, die die Gesundheitsindustrie im Südwesten unterstützt. Auch die Stadt Tübingen sei eng in die Gespräche eingebunden.

Der Curevac-Betriebsrat spricht von einem straffen Zeitplan durch die Konzernführung von Biontech in Mainz. Rund zwei Drittel der Arbeitsplätze sollen demnach bereits bis Ende 2026 wegfallen. Ziel sei es, den operativen Betrieb von Curevac zum 31. Dezember einzustellen, sagte die stellvertretende Vorsitzende des Gemeinschaftsbetriebsrats von Curevac, Heike Wagenaar.

Im September würden die Mitarbeiter, die in diesem Jahr gehen sollen, ein Angebot erhalten, einen Aufhebungsvertrag abzuschließen. Dies erhöhe Entscheidungsdruck und Planungsunsicherheit. Ein kleinerer Teil der Belegschaft solle im Jahr 2027 etwa noch laufende Studien abschließen und Anlagen stilllegen. «Die Geschäftsführung ist bislang nicht wirklich kooperativ», sagt Wagenaar. Es gebe keine ernsthaften Verhandlungen etwa über eine bessere Ausstattung von Unterstützungsprogrammen für die Beschäftigten.

Biontech betont, man setze auf einen sozialverträglichen Personalabbau und entsprechende Unterstützungsprogramme. Laut einer Sprecherin gibt es unter anderem ein Betroffenenprogramm im Sinne eines sozialverträglichen Personalabbaus.

Trotz der angekündigten Stellenstreichungen verlassen bislang nur wenige Beschäftigte das Unternehmen. Dafür gibt es aus Sicht des Betriebsrats einen simplen Grund: In der Region fehlen vergleichbare Arbeitsplätze. «Es gibt hier nicht Pharma- und Biotechnologieunternehmen am laufenden Band, die großzügig Mitarbeiter mit diesen Qualifikationen einstellen», sagt Wagenaar.

Besonders betroffen seien hoch spezialisierte Fachkräfte, junge Familien und Auszubildende. Neben der Universität und dem Universitätsklinikum sei Curevac einer der wichtigsten Akteure vor Ort. «So viel Industrie gibt es in Tübingen nicht», sagt Wagenaar.

Biontech hatte Curevac im Januar vollständig übernommen. Damals hieß es, dass der Forschungs- und Entwicklungsstandort in Tübingen erhalten bleiben soll. Doch das Biontech-Management will mehrere Standorte schließen – darunter auch Einrichtungen von Curevac.

05.06.2026

Berlin (dpa) *14:10 Uhr – Pharmakonzerne kürzen Investitionen – Bund verteidigt Kurs

Die Bundesregierung hat sich zum Stopp von milliardenschweren Pharmainvestitionen in Deutschland geäußert. Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums sagte in Berlin, unternehmerische Entscheidungen gegen den Standort seien bedauerlich. Sie zeigten, dass die Herausforderungen besonders auch wegen der US-Pharmapolitik sehr ernst zu nehmen seien.

Der deutsche Markt bleibe aber trotz der diskutierten Maßnahmen mit dem Sparpaket für die gesetzliche Krankenversicherung attraktiv für die Pharmabranche. «Auch dieser Industriezweig hat ja als Arbeitgeber ein Interesse an stabilen Sozialbeiträgen.» Ziel der Bundesregierung sei, die Gesundheitswirtschaft zu stärken, sagte die Sprecherin und verwies auf die laufende Erarbeitung einer Pharmastrategie.

Der US-Pharmakonzern Eli Lilly hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass er wegen der Sparpläne der Bundesregierung im Gesundheitswesen eine geplante Investition von 2,5 Milliarden Euro in einen neuen Standort im rheinland-pfälzischen Alzey halbieren will. Es solle zunächst nur der «Mindestumfang» des Standortes fertiggestellt werden.

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Der rheinland-pfälzische Pharmakonzern Boehringer Ingelheim will zudem geplante Investitionen von 900 Millionen Euro in Deutschland stoppen. Als Gründe nannte er schwierige Bedingungen in Deutschland, die Sparvorgaben der Bundesregierung und Druck aus den USA. Boehringer Ingelheim hatte eine Art Abkommen mit der US-Regierung geschlossen, um im Gegenzug für Investitionen in Amerika von Pharmazöllen befreit zu werden.

Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will die Krankenkassen mit dem «Beitragssatzstabilisierungsgesetz» 2027 um 16,3 Milliarden Euro entlasten und so steigende Zusatzbeiträge verhindern. Geplant sind auch schärfere Sparvorgaben für die Pharmabranche. So sollen die Herstellerrabatte, die Arzneikonzerne Krankenkassen gewähren müssen, steigen - nach Prognose des Pharmaverbands VFA von aktuell 7 Prozent des Listenpreises auf rund 20 Prozent bis 2030.

Aus der Pharmabranche hatte es harsche Kritik an den Plänen gegeben. Sie schadeten dem Standort unterliefen das Ziel der Bundesregierung, die Pharmaindustrie als Schlüsselbranche zu stärken.

Alzey (dpa/lrs) *12:24 Uhr – Trotz Pharmakonzern-Entscheidung – Alzey hofft noch

Alzey hofft trotz der angekündigten Reduzierung der Investitionen des US-Pharmakonzerns Eli Lilly in einen neuen Standort in der Stadt noch auf eine Wende zum Guten. Vielleicht gebe es ja noch ein Umdenken, sagte Bürgermeister Steffen Jung (SPD) der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Er selbst habe am Mittwochvormittag von der Entscheidung des Unternehmens erfahren, seitdem stünden die Telefone nicht mehr still. Er stehe in Kontakt mit der Landesregierung und mit Abgeordneten in Berlin.

Eli Lilly baut derzeit in einem Gewerbegebiet in Alzey eine Produktionsstätte auf. In die sollten 2,5 Milliarden US-Dollar gesteckt werden. Am Mittwoch dann kündigte das Unternehmen an, angesichts des gesundheitspolitischen Kurses in Deutschland - konkret der Sparpläne in der Gesundheitspolitik - nur noch die Hälfte des Geldes in Alzey investieren zu wollen.

Ihm sei von Unternehmensseite signalisiert worden, dass es definitiv nicht an der Zusammenarbeit mit der kommunalen Ebene liege, sagte Jung. Dass sich Bundespolitik derart auswirke, Eli Lilly gar von einem Vertrauensbruch durch die Bundesregierung spreche, sei schon enttäuschend und mache sauer. Nun müsse abgewartet werden, wie es weitergehe. Positiv sei zumindest, dass das Werk nach wie vor 2027 in Betrieb genommen werden solle.

03.06.2026

Vilshofen (dpa/lby) *10:48 Uhr – Nach Säureunfall in Brauerei: Sperren aufgehoben

Nach dem Säureunfall in einer Brauerei in Niederbayern haben die Einsatzkräfte sämtliche Sperren wieder aufgehoben. Die Feuerwehr verdünnte den Gefahrstoff und leitete ihn in die örtliche Kläranlage, wie die Polizei mitteilte. Zwischenzeitlich sollten Anwohner Fenster und Türen geschlossen halten und die Unfallstelle in Vilshofen (Landkreis Passau) wurde im Radius von 100 Metern abgesperrt. Acht Menschen wurden verletzt, kamen aber nicht ins Krankenhaus.

Am Dienstagnachmittag hatte ein Mitarbeiter der Brauerei beim Rangieren mit einem Gabelstapler einen Behälter mit knapp 1.000 Liter Salpetersäure touchiert. Der Behälter riss laut Polizei auf und ein Großteil des Stoffes trat aus. Die Säure reagierte teilweise und es entstand giftiger Rauch. Außerdem lief der Stoff über einen Gully in die Kanalisation. Zwei Mitarbeiter der Brauerei, vier Einsatzkräfte der Feuerwehr sowie zwei unbeteiligte Frauen waren unter den Leichtverletzten.

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