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Automatisierungstechnik Paukenschlag in der Automatisierung – ABB schluckt B&R

| Autor / Redakteur: Gerd Kielburger / Wolfgang Ernhofer

Überraschungs-Coup in der Automatisierungswelt. Der Automatisierungskonzern ABB hat heute die Übernahme von B&R, dem nach eigenen Angaben größten unabhängigen Anbieter mit Fokus auf produkt- und softwarebasierte offene Lösungen für die Maschinen- und Fabrikautomation weltweit, angekündigt.

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Der Zusammenschluss von ABB und B&R schaffe ein weltweit einzigartiges Komplettangebot in der Industrieautomation, so die Unternehmen.
Der Zusammenschluss von ABB und B&R schaffe ein weltweit einzigartiges Komplettangebot in der Industrieautomation, so die Unternehmen.
(Bild: ABB/B&R)

Zürich/Schweiz; Eggelsberg/Österreich – Mit der Übernahme baut ABB seine führende Rolle in der Industrieautomation aus und sieht sich ideal positioniert, um die Wachstumschancen durch Digitalisierung und Industrie 4.0 zu nutzen. Man stärke damit sein Digitalangebot substanziell, heißt es aus der ABB-Konzernzentrale. Die Kombination bringt ABBs Portfolio an Digitallösungen, ABB Ability, mit B&Rs Anwendungs- und Softwareplattformen, seiner großen installierten Basis, dem erweiterten Kundenzugang und den maßgeschneiderten Automationslösungen zusammen.

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Für ABB ist diese Transaktion vor allem eine Ergänzung im Bereich der Fabrikautomatisierung und erweitert sein Angebot in der Industrieautomation um B&Rs Produkte und Softwarelösungen in den Bereichen SPS, Industrie-PCs und Servo-Antriebe. Mittelfristig soll das ABB-Portfolio von derzeit über 600 Millionen Euro Umsatz auf eine Milliarde Euro wachsen, wie ABB-Chef Ulrich Spiesshofer im Webcast formulierte.

Welche Auswirkungen der freundliche Zusammenschluß auf die Angebotspalette in der Prozessautomatisierung hat, wurde noch nicht kommuniziert. B&R steht mit seinem auf dem Betriebssystem Linux basierenden Prozessleitsystem Aprol auch mit ABB-Prozessleitsystemen wie Freelance oder Symphony im Wettbewerb. Aprol verfügt über unterschiedliche Modulbausteine wie etwa Advanced Process Control (APC), Plant Automation, Process Control, Energy Montoring, Condition Monitoring, Advanced Process Control (APC) oder auch Process Data Acquisition. Vor allem im Segment der Verpackungs-, sowie Nahrungs- und Getränkeindustrie oder auch Kunststoffverarbeitung konnte B&R eine sehr gute Kundenbasis aufbauen. Auch die Chemie- und Pharma- sowie Öl-/Gas-Industrie wurde zunehmend mit Aprol und weiteren Portfolio-Angeboten adressiert.

Komplementäre Stärken

B&R beschäftigt heute mehr als 3000 Mitarbeiter, darunter ungefähr 1000 Forschung & Entwicklungs- und Anwendungsingenieure. B&R ist in 70 Ländern aktiv und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von mehr als 600 Millionen Dollar (2015/16) im 20 Milliarden Dollar großen Marktsegment für Maschinen- und Fabrikautomation. Mit der Kombination soll eines der weltweit umfassendsten Angebote in der Industrieautomation entstehen: Die Transaktion bringt die innovativen Produkte, Lösungen und Software für moderne Maschinen- und Fabrikautomation von B&R mit ABBs führendem Angebot in der Robotik, Prozessautomation, Digitalisierung und Elektrifizierung zusammen.

B&R sei eine Perle in der Welt der Maschinen- und Fabrikautomation, äußerte sich ABB-CEO Ulrich Spiesshofer zu der für den Markt sehr überraschenden Übernahme. Die Kombination von B&R und ABB biete eine einmalige Chance für die beiden Unternehmen.

„Diese Transaktion ist ein wahrer Meilenstein für ABB, da B&R die historische Lücke in ABBs Automationsangebot schließt. Wir passen perfekt zusammen: Künftig werden wir das einzige Unternehmen sein, das seinen Industrieautomationskunden das gesamte Spektrum an Technologie- und Softwarelösungen rund um Mess- und Steuerungssysteme, Antriebe, Robotik, Digitalisierung sowie Elektrifizierung anbietet“, sagte Spiesshofer.

„Mit dieser Übernahme setzen wir unsere Next-Level-Strategie weiterhin konsequent um. Mit unserem dann einzigartigen Digitalangebot und unserer installierten Basis mit mehr als 70 Millionen verbundenen Geräten, 70.000 Steuerungssystemen und jetzt mehr als drei Millionen automatisierten Maschinen und 27.000 Fabrikinstallationen ermöglichen wir es unseren Kunden weltweit, die enormen Chancen der Vierten Industriellen Revolution zu ergreifen.“

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