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Bitkom kritisiert, Vodafone macht's vor

Noch viele Bedenken beim Homeoffice-Trend

| Autor/ Redakteur: Sarah Gandorfer / Matthias Back

Der Bitkom erwartet, dass künftig immer mehr Menschen von zuhause aus arbeiten. Schon jetzt geben vier von zehn Unternehmen ihren Mitarbeitern die Freiheit des Arbeitens außerhalb der Büromauern. Bei vielen Befürwortern ist Homeoffice allerdings eher die Ausnahme als die Regel, zumal es auch gesetzliche Hürden gibt.

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Heimarbeit erfordert klare Regeln.
Heimarbeit erfordert klare Regeln.
(Bild: © olezzo - stock.adobe.com)

Die heutige Technik erlaubt flexible Arbeitsorte. So ist es nicht verwunderlich, dass das Homeoffice immer beliebter wird – sowohl bei den Arbeitnehmern wie auch bei den Arbeitgebern. Laut Bitkom ermöglichen es fast 39 Prozent der Unternehmen, ihren Mitarbeitern abseits der klassischen Büroräume zu arbeiten. Insgesamt wurden für die Ergebnisse der Studie mehr als 800 Geschäftsführer und Personalverantwortliche befragt.

Schon 2016 erlaubte knapp jedes dritte Unternehmen (30 %) Homeoffice, 2014 erst jedes fünfte (20 %). Den Erwartungen zufolge wird sich dieser Trend fortsetzen. 46 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass der Anteil ihrer Mitarbeiter, die im Homeoffice arbeiten, in den kommenden fünf Jahren steigen wird. 50 Prozent erwarten einen konstant bleibenden Anteil.

Vertrauen vorausgesetzt

Die Arbeitszeit zuhause setzt Vertrauen von Seiten des Arbeitgebers und Selbstdisziplin von Seiten des Arbeitnehmers voraus. Bei vielen Unternehmen (61 %) gehört die Anwesenheit im Büro weiterhin zur Regel und Homeoffice mit einem Tag pro Woche eher zur Ausnahme. Zudem haben 74 Prozent der befragten Firmen, die Heimarbeit anbieten, bestimmte Tage festgelegt, an denen kein Homeoffice erlaubt ist, damit alle Mitarbeiter für gemeinsame Termine zur Verfügung stehen.

Knapp jedes zweite Unternehmen erwartet einen steigenden Home-Office-Anteil.
Knapp jedes zweite Unternehmen erwartet einen steigenden Home-Office-Anteil.
(Bild: Bitkom)

Auch führen die Unternehmen verschiedene Gründe gegen Homeoffice ins Feld. Mit 65 Prozent am häufigsten genannt wurde dabei, dass Homeoffice nicht für alle Mitarbeiter möglich sei und niemand ungleich behandelt werden dürfe. Mehr als die Hälfte (58 %) meint, dass ohne direkten Austausch mit Kollegen die Produktivität sinke. Und fast ebenso viele (55 %) sagen, dass Homeoffice generell nicht vorgesehen sei.

Jedes dritte Unternehmen lehnt die Heimarbeit ab, weil die Mitarbeiter nicht jederzeit ansprechbar seien. Zudem sagen 29 Prozent, dass die Arbeitszeit nicht zu kontrollieren sei. Für 27 Prozent der Unternehmen sprechen die gesetzlichen Regelungen zum Arbeitsschutz gegen Homeoffice. Weitere Gründe sind Sorgen um die Datensicherheit (22 %), eine zu teure technische Ausstattung (16 %) und die Furcht um eine abnehmende Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen (9 %).

Technisch möglich, gesetzlich in der Grauzone

Während die technologischen Möglichkeiten gerade mit Hinblick auf Cloud-Anwendnungen wie Office 365 oder Skype immer mehr gegeben sind, hinkt die deutsche Gesetzgebung hinterher. Entsprechend bemängelt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder: „Der selbstbestimmten Arbeitszeitgestaltung stehen gesetzliche Hürden wie der starre Acht-Stunden-Arbeitstag und die elfstündige Mindestruhezeit entgegen. Wer spätabends noch mal die Dienstmails checkt und am nächsten Morgen wieder am Arbeitsplatz ist, verstößt gegen die Gesetze.“

Trotz all dieser Unkenrufe gegen das Arbeiten von zuhause hat sich Vodafone in der Düsseldorfer Zentrale dafür entschieden. So können die Mitarbeiter bis zu 50 Prozent ihrer Arbeitszeit zuhause oder an einem anderen Ort verbringen. Nach eigenen Angaben machen dies auch 80 Prozent der Angestellten. „Homeoffice ist bald Standard und bedeutet weit mehr als im heimischen Wohnzimmer den Laptop aufzuklappen”, ist Bettina Karsch Geschäftsführerin Human Resources bei Vodafone, überzeugt.

Natürlich gelten auch bei Vodafone Regeln für diese Flexibilität: Die Abstimmung mit dem Vorgesetzten ist selbstverständlich. Und wenn der Mitarbeiter für ein Projekt vor Ort gebraucht wird, dann ist die Fahrt ins Büro unerlässlich.

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