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Antriebstechnik

Neue Service-Strategie für die gesamte Antriebstechnik

| Autor/ Redakteur: Uwe Stadtmüller / Dr. Jörg Kempf

Sei es bei Lüftern, Pumpen und Rührwerken, in Zellradschleusen oder in Förderanlagen – Antriebe sind an allen Ecken und Enden in der Prozessindustrie zu finden. Der oft jahrzehntelange, tägliche Einsatz erfordert aber auch einen stetigen Wartungsaufwand. Die neue Instandhaltungsstrategie der SEW-Eurodrive erleichtert den Betreibern nicht nur die Arbeit, sondern schafft Sicherheit und spart Kosten.

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Service rund um die Uhr: Das CDM-Instandhaltungsmanagement macht’s möglich. (Bild: SEW-Eurodrive) Bild: SEW
Service rund um die Uhr: Das CDM-Instandhaltungsmanagement macht’s möglich. (Bild: SEW-Eurodrive) Bild: SEW
( Bild: SEW-Eurodrive )

Ein Anruf aus dem Betrieb am Sonntagnachmittag: Der Schichtleiter meldet den Ausfall eines Elektromotors. Die Anlage steht und wird noch länger ausfallen, wenn es für den defekten Antrieb keinen Ersatz gibt. Ein solches Szenario lässt sich mit einer intelligenten Instandhaltungs-Strategie und umfassendem Service-Konzept im Vorfeld verhindern, und wenn es doch mal passiert, dreht sich ein neuer Antrieb in der eingeplanten Zeit wieder.

Prinzipiell haben sich die Anforderungen in der Instandhaltung gewandelt. Konzepte wie LCC (Life Cycle Costing), TCO (Total Cost of Ownership) und TPM (Total Productive Maintenance) sorgen dafür, dass die Anlagen und ihre Komponenten intensiver genutzt werden als noch vor einigen Jahren. Um die Verfügbarkeit der kostspieligen Maschinen und Anlagen sicher zu stellen, bietet der Antriebstechnik-Systemanbieter SEW-Eurodrive mit dem CDS – Complete Drive Service ein umfassendes Paket individueller Leistungen für die Instandhaltung.

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Hoher Transparenz und Detailgenauigkeit

Zentrales Element dieses Dienstleistungs-Baukastens bildet das Tool CDM – Complete Drive Management, das mit hoher Transparenz und Detailgenauigkeit auf alle komplexen Anforderungen und Wünsche des Anlagenbetreibers eingeht. Zunächst startet ein erfahrenes SEW-Eurodrive-Service-Team mit einer Bestandsaufnahme der gesamten Antriebstechnik. Die gewonnenen Erkenntnisse werden in einer webbasierenden Online-Datenbank dem Betreiber zur Verfügung gestellt. Diese Informationen bilden die Arbeitsgrundlagen für die von SEW-Eurodrive unterstützte Instandhaltungsstrategie des Anlagenbetreibers.

Bei der Bestandsaufnahme wird eine optische Zustandsklassifizierung durch qualifizierte Techniker und Ingenieure durchgeführt und für die weitere Verwendung aufgearbeitet. Dabei erfolgt auch Integration der vorhandene Ersatz- und Lagerantriebe ins Servicekonzept. Der Lagerbestand wird durch Vewendung im Bedarfsfall abgebaut, und überflüssige Antriebe werden kostengünstig entsorgt. Für die installierte Antriebstechnik werden in der Datenbank alle technischen Eigenschaften, Einbausituation, erforderliche Genehmigungen, Arbeitsanweisungen, Hinweise auf benötigtes Spezialwerkzeug, Schutzkleidung, logistische Vermerke, Ersatzlieferzeit und weitere Informationen, die aus Betreibersicht notwendig sind, hinterlegt.

Um schnell Ersatz liefern zu können, wird für im Einsatz befindliche Antriebe SEW-Antriebstechnik im Vorfeld definiert. Dank des breitgefächerten Produktspektrums – vom Getriebemotor, Industriegetriebe über Feldgeräte bis zum modularen Frequenzumrichter – lassen sich für fast alle verbauten Produkte Äquivalente definieren. Durch SEW-Eurodrive wird sichergestellt, dass eigene Produkte über Generationen anschlusskompatibel sind und so immer ohne große Anpassungen die neueste Technik angeboten werden kann.

Augenmerk auf Sorgenkinder

Nach der ersten Wartung durch den SEW-Eurodrive-Service erhält jede Komponente eine nach Aufwand exakt definierte Wartungsplanung mit Historiengedächnis. Äußerst hilfreich sind solche Daten beim Auffinden und Beurteilen von Unit-Schwachstellen. Störungsauffälligen Sorgenkindern unter den Antrieben wird indes besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Applikationen können neu berechnet und die Befunde berücksichtigt werden. Dieses mündet in einem Lösungsvorschlag, welcher auf Wunsch sofort oder beim nächsten Stillstand von SEW-Eurodrive umgesetzt wird. An dieser Stelle können auch geplante Modernisierungen effizient vorgeplant und beim nächsten Stillstand durchgeführt werden.

Ähnlich gehen die Techniker bei anderen Instandhaltungs-Arbeiten heran. Mechanische Adaptionsarbeiten, z.B. Anpassung des Stahlbaus, lasergestützte Antriebsausrichtung, aber auch – falls erforderlich – eine Optimierung oder Erneuerung des vorhandenen Schaltschrank-Equipments sind inbegriffen. Im Rahmen von CDM können auch Online-Condition-Monitoring wie Schwingungs-, Verschleißmessungs- und Ölalterungsüberwachungen projektiert, geliefert, installiert und aufgeschaltet werden. Erforderliche Aktivitäten, z.B. Wartungen und Reparaturen, werden dann aktiv dem Verantwortlichen durch die CDM-Datenbank per Ampel angezeigt und über geeignete Schnittstellen (Email, SMS) kommuniziert.

SEW-Eurodrive schafft eine hohe Transparenz aller Antriebe und Frequenzumrichter (nach Typ, Stückzahl, Zustand, Verfügbarkeit) und bietet umfangreiche Recherche- und Filtermöglichkeiten. Gleichzeitig berücksichtigt das System sich stetig ändernde Regelwerke bei Betriebs- und Wartungsanleitungen ebenso wie den schnellen, exakten und vollständigen Zugriff auf z.B. Konformitätsbescheinigungen, Angebote, Ersatzantriebe, Maßzeichnungen, Wartungsplanungen und Historienanzeigen. So lässt sich, je nach Verfügbarkeitsanforderung, für jeden Antrieb ein individuelles Instandhaltungs- und Reaktionsszenario generieren.

Verzicht auf Ersatzbevorratung

CDM verfolgt gemeinsam mit dem Anwender konsequent und zielgerichtet die Eliminierung des gesamten Lagerbestandes. Am Ende steht fast immer ein gänzlicher Verzicht auf Ersatzbevorratung. Die zentrale Erfassung aller Daten bietet die optimale Voraussetzung für eine zielgerichtete Einschätzung und Einplanung notwendiger Instandhaltungsmaßnahmen. Im Servicefall erhält der Betreiber schnellste Hilfe. Innerhalb eines Zeitfensters, das im Vorfeld in der CDM-Datenbank festgelegt ist, kommt der SEW-Eurodrive-Service mit dem passenden Ersatzaggregat und baut dieses ein. Je nach Baugröße und Komplexität und je nach der vom Betreiber festgelegten Priorität können die Reaktionszeiten, also die Zeitspanne zwischen Anruf und Anlieferung, im einstelligen Stundenbereich liegen.

Fazit

Besonders interessant für den Betreiber dürften neben der Sicherheit auch die Aufwände für dieses Konzept sein. Neben geringen Aufnahmekosten fallen nur im Einsatzfall Aufwendungen an. Je länger und intensiver das CDM-Konzept genutzt wird, desto nachhaltiger ist die Wirkung und kann so erheblich zur Steigerung der Anlagenverfügbarkeit beitragen. Das Konzept offeriert die individuelle Beratung zur Optimierung oder Neugestaltung der Instandhaltung für die gesamte vorhandene Antriebstechnik und unterstützt auch bei derzeit aktuell diskutieren Themen wie Energiesparen und Lageroptimierung. Dadurch ist zwar immer noch nicht auszuschließen, dass ein Antrieb ausgerechnet am Sonntagnachmittag ausfällt. Mit CDM weiß man aber exakt, wann es wieder weiter geht.

Interview zum Thema: Die Instandhaltung muss die Wertschöpfung stetig steigern

Karel Klikoš, Manager Instandhaltungsservices bei der BASF in Ludwigshafen: „SEW-Eurodrive hat uns durch das umfangreiche Produktionsprogramm und ein breites Dienstleistungsspektrum überzeugt.“ (Archiv: Vogel Business Media)

Allein am BASF-Standort Ludwigshafen befinden sich in über 200 Anlagen etwa 150 000 Antriebe, die im Durchschnitt einmal pro Monat gewartet werden müssen. Seit Mitte Oktober vergangenen Jahres wird ein Teil der Antriebe durch das SEW-Eurodrive Complete Drive Management (CDM) betreut. Wie das Konzept in der Praxis funktioniert, berichtet Karel Klikoš, Manager Instandhaltungsservices bei der BASF in Ludwigshafen.

PROCESS: Herr Klikoš, warum haben Sie sich entschieden, die Instandhaltung von Antrieben in die Hände von SEW zu legen?

Klikoš: Die Instandhaltung trägt eine zentrale Verantwortung für den technischen und wirtschaftlichen Erfolg unseres Unternehmens. Daher ist der Leitsatz der Instandhaltungsservices LU der BASF ‚Instandhaltung auf Weltklasse-Niveau‘. Von ihr wird erwartet, dass sie durch ihren Beitrag die Wertschöpfung stetig steigert. Hierzu verfügt die BASF über interne Serviceeinheiten, die Instandhaltungsleistungen mit eigenem Personal erbringen. Bei Bedarf greifen wir auf externe Partner zu, die uns nachhaltig bei unseren umfangreichen Instandhaltungstätigkeiten professionell unterstützen können. SEW-Eurodrive hat uns durch das umfangreiche Produktionsprogramm und ein breites Dienstleistungsspektrum überzeugt. Diese Kombination bietet beste Chancen in unseren Anlagen neben der Instandsetzung systematisch Schwachstellen zu beseitigen sowie veraltete Antriebe durch moderne energieeffizientere Technologie zu ersetzen und damit mit steigernder Anlagenverfügbarkeit Produktions- und Instandhaltungskosten sukzessive zu minimieren. Besonders attraktiv ist für uns das SEW-Complete Drive Management (CDM), in dem die komplette Dienstleistungsorganisation alle Möglichkeiten eines modernen Instandhalters mit After Sales Service widerspiegelt, und der 24-Stunden-Service. Dieser garantiert zeitnahe Störungsbehebung vor Ort sowie kurze Lieferzeiten von lagerhaltigen Komponenten und leistet somit einen positiven Beitrag zum Betriebsergebnis durch entfallene Ersatzteilinvestitionen.

PROCESS: Welche Dienstleistungen/Aufgaben umfasst der SEW-Eurodrive-Service?

Klikoš: In einem Produktionsbetrieb übernimmt SEW die Instandsetzung der kompletten Antriebstechnik. Dazu gehören etwa 850 Komponenten, also Motoren, Getriebe und Frequenzumrichter. Dies schließt einen 24-Stunden-Service mit ein. Darin enthalten ist auch eine Ersatzlieferung mit Demontage/Montage vor Ort, gestaffelt nach Prioritäten. So umfasst z.B. die Priorität 0 den Beginn mit der Instandsetzung nach Eingang der Störmeldung bei der SEW-Hotline innerhalb von acht Stunden. Weiter sind dies Reparaturtätigkeiten, die Pflege der CDM-Daten, die Unterstützung bei Problemlösungen und Optimierung der Produktionsprozesse durch alternative Antriebstechnik sowie der Ersatz von Antrieben mit niedriger Verfügbarkeit und nicht gesicherten Standardersatzteilen.

PROCESS: Wie lautet die Bilanz?

Klikoš: Unmittelbar nach dem Projektbeginn hat SEW seine Leistungsstärke durch diverse Störungseinsätze bewiesen, reaktionsschnell und ohne Beanstandung. Außerdem hat SEW das ehrgeizige Ziel, während einer Anlagenabstellung Ende 2007 alle Revisionsarbeiten an allen anstehenden Antrieben in einem knappen Zeitplan von einer Woche abzuwickeln, dank intensiver Vorplanung, kompetenter Mannschaft und vor allem mit Complete Drive Management erreicht – teilweise mit Umbau wegen Austausch eines Fremdantriebes. Antriebe, die aufgrund laufender Produktion im Vorfeld nicht inspiziert werden konnten, wurden bei Bedarf ad hoc durch Nachtarbeit im Stammwerk während der Abstellung repariert, so dass die Anlage komplett auf „Vordermann“ gebracht wurde. Eine Maßnahme, die zusätzlich zur Steigerung der Effizienz und hohen Anlagenverfügbarkeit beitrug.

Der Autor ist verantwortlicher Key Account Manager Prozessindustrie der SEW-Eurodrive, Bruchsal.

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