Copyright Neue Sammellizenz schützt vor Copyright-Verletzungen

Autor / Redakteur: Jörg Weizendörfer / Wolfgang Ernhofer

In der täglichen Arbeit verstoßen Mitarbeiter häufig unbewusst gegen Urheberrecht. Besonders bei forschenden Chemie- und Pharmaunternehmen, wo Ergebnisse und Daten weltweit ausgetauscht werden, spielt deswegen die neue VG Wort Digital-Copyright-Lizenz eine wichtige Rolle.

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Forschungsergebnisse notieren und danach mit einem Artikel einer Fachzeitschrift an Kollegen verschicken, ist mit der richtigen Sammellizenz kein Problem.
Forschungsergebnisse notieren und danach mit einem Artikel einer Fachzeitschrift an Kollegen verschicken, ist mit der richtigen Sammellizenz kein Problem.
(Bild: Rights Direct)

Anne-Marie Schuster kopiert eine Passage aus dem abonnierten E-Paper in ihre interne Power-Point-Präsentation. Martin Mair leitet eine herunter geladene PDF-Datei an einen Kollegen in Paris via E-Mail weiter und speichert fremde Forschungsergebnisse in der firmeneigenen Datenbank.

Drei Fälle aus dem Leben, wie sie in der Industrie täglich vorkommen. Und in allen drei Fällen haben die Mitarbeiter – ohne, dass es ihnen bewusst gewesen wäre – sehr wahrscheinlich gegen Urheberrecht verstoßen: Das Abonnement einer Publikation z.B. berechtigt noch nicht automatisch dazu, auch nur Teile daraus im Firmennetz oder in Präsentationen zu verbreiten. Dies gilt zudem auch für Dokumente, die aufgrund gesetzlicher Vorschriften bei Behörden einzureichen sind – z.B. um den Nachweispflichten bei Arzneimitteln nachzukommen.

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So entstand die VG WORT Digital Copyright Lizenz

Die VG Wort Digital Copyright Lizenz entstand auf Initiative mehrerer Industrieverbände. Vor ungefähr sechs Jahren haben sich die zwei führenden deutschen Pharmaverbände (BAH und BPI) an die VG Wort gewandt. Ihr Wunsch war eine praktische Lizenzlösung für digitale Inhalte, die es ihren Mitgliedern erlaubt, unternehmensweit urheberrechtskonform zu handeln, sich also vor Verletzungen von Urheberrechten wirksam zu schützen – nicht nur in Deutschland, sondern zugleich in allen anderen Ländern, in denen internationale Unternehmungen aktiv sind.

Unabhängig davon hat sich der Verband der Chemischen Industrie (VCI), der laut Wikipedia mit rund 1700 Mitgliedsunternehmen mehr als 90 Prozent des Umsatzes der deutschen Chemie-Hersteller vertritt, im März 2011 mit einem Positionspapier an das Bundesministerium der Justiz gewandt. Das Papier enthält ähnliche Forderungen.

Da die VG Wort seinerzeit nicht über eine entsprechende Sammellizenz verfügte, wandten sich die Pharmaverbände BAH und BPI an die US amerikanische Verwertungsgesellschaft CCC, die seit Jahrzehnten umfangreiche Erfahrungen mit der Entwicklung von Sammellizenzen hat und über ein Repertoire globaler Rechte verfügt. Durch die Zusammenarbeit der VG Wort mit CCC war es erstmals möglich, auch die deutschen Urheberrechte einzubinden.

Zielkonflikte

Theoretisch müssten alle drei Mitarbeiter eigens die Nutzungsrechte für ihre Aktionen erwerben. Dies wäre schon deswegen zeitraubend und schwierig, weil dafür zentrale Anlaufstellen fehlen. Erst müsste geklärt werden, wer überhaupt der Rechteinhaber ist. Dieser wäre dann zu kontaktieren und er müsste erst noch reagieren, um mit ihm verhandeln zu können. Bei international tätigen Firmen kommt noch erschwerend hinzu, dass sich die Rechtslage von Land zu Land mehr oder weniger stark unterscheidet. Der eigene Workflow wäre also jedes Mal zu unterbrechen, wichtige Informationen könnten erst mit deutlicher Verzögerung weitergegeben werden. Nicht zuletzt wäre dieser Weg auch noch recht teuer.

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