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Tablettiertechnik Neue Konzeption für Ausläufe an Tablettenpressen

| Autor / Redakteur: Harald Römer, Ines Andersen / Anke Geipel-Kern

Um eine Kontamination zu vermeiden, ist die Reinigung des Pressraumes von Hochleistungs-Rundläufer-Tablettenpressen unabdingbar und mit dementsprechend hohem Zeitaufwand verbunden. Ein neuer Tablettenauslauf verkürzt nun die Reinigungszeit erheblich.

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Tablettenauslauf an einer 3090i Hochleistungs-Doppelrundläuferpresse. Gut zu erkennen sind die jeweils spiegelsymmetrisch angeordneten Weichen: Oben ist der Musterzug, unten sind Schlechtproduktion und manueller Musterzug angeordnet.
Tablettenauslauf an einer 3090i Hochleistungs-Doppelrundläuferpresse. Gut zu erkennen sind die jeweils spiegelsymmetrisch angeordneten Weichen: Oben ist der Musterzug, unten sind Schlechtproduktion und manueller Musterzug angeordnet.
( Bild: Fette )

Was nicht mit dem Produkt in Berührung gekommen ist, muss auch nicht gereinigt werden. Mit diesem Credo im Hinterkopf haben die Ingenieure von Fette einen völlig neuen Tablettenauslauf ausgetüftelt, der die Reinigung von Tablettenpressen deutlich einfacher und sicherer macht. Schon vorherige Entwicklungen im Sinne eines aufgeräumten Pressraumes haben die Entwicklung in diese Richtung vorangetrieben. Die hundertprozentige Reinigung zwischen den verschiedenen Chargen und Produkten ist eine absolute Notwendigkeit, um die extrem hohen Reinheitsanforderungen der pharmazeutischen Produktion einzuhalten. Die Null-Toleranz-Grenze gilt hier als Standard. Die zeitintensive Folge für die Anwender von Tablettenpressen: In der Regel ist eine komplette Demontage aller Teile im Pressraum und die manuelle Reinigung einiger Teile erforderlich. Herkömmlich sind Tablettenausläufe innerhalb des Pressraumes direkt hinter der Aussortierung angeordnet. Die Ausläufe dienen aber nicht nur zur Abführung der gepressten Tabletten aus dem Pressraum, sondern beinhalten auch noch die Funktionen Stauwarnung, Musterzug und Abführung der Schlechtproduktion beim Anfahren. Dazu sind elektronische und mechanische Einrichtungen, Kabel und Steckerverbindungen notwendig, die ebenfalls demontiert und gereinigt werden müssen.

Perfekte Einheit

Die Lösung ist einfach, im Detail jedoch raffiniert: Nur noch Einrichtungen, die unmittelbar mit der Granulatzuführung und dem Pressen zu tun haben, bleiben im Pressraum, zumindest bei den Pressen, die über keine WIP (washing-in-place)-Einrichtungen verfügen. Der neue Tablettenablauf ist also außerhalb des Pressraumes an der Maschine angesiedelt. Die vorhandenen Abführungsrohre vom Rotor wurden verlängert und stecken in entsprechenden Abdichtungen im Tablettenablauf. Alle produktberührenden Teile sind aus Plexiglas gefertigt. Der Bediener erkennt das Ergebnis der laufenden Produktion und sieht die Funktionen des Musterzuges und der Aussortierung.

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Der gesamte Ablauf ist dadurch leichter als die herkömmliche Metallkonstruktion. Die Oberflächeneigenschaften des Acrylglases sind optimal und pharmagerecht, da sie extrem glatt und sehr leicht zu reinigen sind. Der eigentliche Clou ist, dass die Ablaufrinnen in einer Einheit zusammenfasst sind, die, mit Dichtungen und einem Deckel mit zwei Rändelschrauben versehen, vollkommen geschlossen ist, und somit keine Stäube austreten können.

Alles im Blick

Der Tablettenauslauf besteht aus Deckel und Auslauf, der komplett aus Plexiglas gefertigt wurde. Lediglich die Achsen der Weichenfahnen für die Sortierweichen sind aus Edelstahl. Alle Teile sind manuell und ohne Werkzeug de- und montierbar, extrem leicht und funktionell gehalten. Die gesamte Abführung wird auf eine Platte aus Edelmetall gesteckt und kann verschraubt werden. In und unter dieser Metallplatte ist die Steuerungsmechanik und -elektronik untergebracht. Direkt am Einlauf ist ein Näherungsschalter eingesetzt, der als Staumelder fungiert. Dieser misst durch die Plexiglasplatte. Mit Elektromagneten lassen sich die Weichenfahnen kontaktlos bewegen. Positionsmelder erfassen die jeweilige Stellung. Mit den Weichenfahnen werden die Tabletten in die richtigen Rinnen gelenkt. Die Gut-Produktion fließt vorbei, der automatische Musterzug für die In-Prozess-Kontrolle wird über die erste Weiche abgeführt, die zweite dient zur Abführung der Schlechtproduktion beim Anfahren oder für den manuellen Musterzug.

Alle Sensoren und Auslöser für die Mess- und Steuerimpulse stecken in Einfräsungen in der Plexiglas-Grundplatte. Die Signale gehen durch die Platte hindurch. Es gibt also keinerlei Verbindung zwischen dem Innenraum der Tablettenabführung und der Atmosphäre im Produktionsraum, in dem die Presse steht. Für die Doppelrundläuferpressen sind je zwei dieser Weichen nach dem gleichen Prinzip gespiegelt angeordnet. So ist eine Zuordnung des Musterzuges zu den Pressstationen gewahrt. Angepasste Einsteckteile machen den neuen Tablettenauslauf extrem Format flexibel. In zahlreichen Tests, auch im Einsatz bei Kunden, gab es bisher keine Tablettenform oder -größe, die Durchlaufprobleme bereitete.

Überlegte Modulbauweise

Die Verbindung wird über eine multifunktionale Steckverbindung hergestellt, über die alle Versorgungen und Steuerungen in einer Anschlussbuchse gebündelt eingesteckt werden. Diese Buchse wird mit einer Rohrschelle fixiert. Dann müssen nur noch das (Einfachrundläufer) oder die zwei (Doppelrundläufer) Auslaufrohre aus der Presse am oberen Ende in den Tablettenauslauf eingesteckt werden. Die untere Auslaufsituation lässt sich anwendungsspezifisch auf Fassbeschickung oder andere Weiterverarbeitung (Verpackungsstraße) ausrichten.

Es gibt eine Reihe von unterschiedlichen Versionen dieses neuen Tablettenablaufs, mit denen die hochproduktiven Einfachrundläufer für Monotabletten und die Doppelrundläufer für Zweischichtprodukte oder doppelte Ausbringungsmenge abgedeckt werden. Darüber hinaus gibt es den Auslauf mit allen Funktionen und Eigenschaften auch als Retrofitkit für die vorhergehende Pressengeneration P1200, PT 2090, P 2200 und PT 3090 sowie P 3200.

Wirtschaftliche Details

Da der Trend in der Tablettenproduktion zu kleineren Batches und häufigeren Produktwechseln geht, nimmt die Zahl der Pressenreinigungen deutlich zu. Jede Vereinfachung der Reinigung ist daher ein Gewinn. Die Konstruktionsweise des neuen Tablettenablaufes ist auf schnelle, manuelle, werkzeuglose De- und Montage ausgerichtet, alle Teile lassen sich maschinell reinigen. Da eine Einwirkung von Produkt nur auf der Innenseite erfolgt, lässt sich die Presse kürzer und damit schneller reinigen. Teile, die nicht gereinigt werden müssen (Gehäuse der Mess- und Steuerimpulsgeber), müssen daher auch nicht in die Waschmaschine. Zudem werden Teile, etwa die Steckerbuchse mit der Platte für die Mess- und Steuerimpulsgeber, die nicht demontiert werden müssen, weniger belastet.

H. Römer ist Leiter der Entwicklung, I. Andersen ist Leiterin Marketing und Produktmanagement bei der Fette GmbH, Schwarzenbek.

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