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Entsorgungs- und Recyclingprozesse

Neue IT-Systeme für das Abfallmanagement von Currenta

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Tobias Hüser

In der Entsorgungsbranche können bestehende Entsorgungs- und Recyclingprozesse sowie viele Prozessschritte zur Abfalldatensammlung durch Digitalisierung optimiert werden. Currenta hat sich bereits vor einigen Jahren auf diesen Weg gemacht. Von der Abfallannahme über die Behandlung von Sonderabfällen bis hin zur Datenspeicherung wurden neue IT-Systeme und Softwarelösungen installiert. Zudem wurden Forschungs- und Technikumsprojekte erfolgreich aufgesetzt. Was sich im Einzelnen hinter diesen Entwicklungen verbirgt, lesen Sie hier.

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Der Chemielogistiker Chemion hat am Chemparkstandort Dormagen das Containerlager für flüssige Sonderabfälle errichtet.
Der Chemielogistiker Chemion hat am Chemparkstandort Dormagen das Containerlager für flüssige Sonderabfälle errichtet.
(Bild: Currenta)

Leverkusen – Digitalisierung und Industrie 4.0 sind Synonyme für eine Entwicklung, die sich auch in der Entsorgungsbranche vollzieht. Currenta strebt seit einigen Jahren für die Steuerung der Entsorgungsprozesse von Sonderabfällen der drei Chempark-Standorte eine zentrale, digitalisierte Lösung an. Von der Abfallerzeugung über Transport, Abfallannahme und Entsorgung in den Drehrohröfen und Deponien bis zur Dokumentation und Rechnungserstellung wird zukünftig eine umfassende IT-Umgebung die Prozesse erfassen, steuern und compliancegerecht dokumentieren.

Die Software Elias wird den Prozess unterstützen. An kameraüberwachten Annahmestationen können die LKW-Fahrer ihre abfallrechtlichen Begleitpapiere auf Wunsch selber signieren und ausdrucken während gleichzeitig die Container- und abfallspezifischen Containernummern von Kameras erfasst und ebenfalls ins System eingepflegt werden. Eine Sichtkontrolle der zu entsorgenden Abfälle ist ebenso möglich. Nach der Freigabe durch eine zentrale Abfallrechtswarte kann der Transport der Abfälle zur Entsorgungsanlage beginnen. Das System erfasst anschließend die erfolgte Entsorgung, dokumentiert diese gesetzeskonform und erstellt eine Rechnung für den Kunden. Das neue System ermöglicht für die drei Chempark-Standorte eine zentrale Abfallübergabestelle, die den Kunden rund um die Uhr zur Verfügung steht, und durch die weiteren, softwareoptimierten Prozessschritte eine schnellere und reibungsfreiere Entsorgung und Abrechnung.

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Die Software Gate hat die durchschnittliche Verweilzeit von LKW an den Toren der drei Chempark-Standorte um rund 60 Minuten reduziert, Prozessabläufe optimiert, die Abfertigungskapazitäten erweitert und die Transparenz erhöht durch Echtzeit-Dokumentation. Mit der Software wird das Fahrzeug bei der Einfahrt in die Gate-Spur anhand von RFID-Tags identifiziert, die an zahlreichen Fahrzeugkomponenten montiert sind. Zusätzlich identifiziert sich der Fahrer mit einer Flow-Card und biometrisch mittels Fingerabdruck. Die Folge: In Sekundenschnelle gelingt die sichere Zuordnung von Fahrzeug und Fahrer zu den entsprechenden Versandaufträgen. Druckfrisch erhält der Fahrer seine Begleitformulare für den vorgesehenen Ladeauftrag im Chempark. Zudem werden die Fahrzeuge während des Registrierungsprozesses auf den Gate-Spuren gewogen – ein zusätzlicher Zeitgewinn. Parken, Aussteigen und Schalterabfertigung entfallen. Elektronisch kontrolliert der Werkschutz bei der Einfahrt an den Toren, ob alle Daten und logistischen Schritte ordnungsgemäß erledigt worden sind. Durch die Digitalisierung dieses Prozesses können 480.000 Transporte und über 1 Million Versandaufträge pro Jahr noch effizienter bearbeitet werden.

Mehr Entsorgungsleistung dank Logistik

Die Bedeutung der Logistik für die Entsorgung von Sonderabfällen zeigt ein Blick auf das Bunkergebäude, die Tanklager oder die Übernahmestationen für Container an den Entsorgungsanlagen. Neben dem Antransport der Abfälle ermöglicht die sichere Zwischenlagerung von Feststoffen oder Flüssigkeiten den Disponenten die Anlagen optimal zu nutzen. Am Chemparkstandort Dormagen hat der Chemielogistiker Chemion ein neues Containerterminal errichtet. Dort können bis zu 200 der 20 m3 Container gelagert werden. Damit kann der Chemparkmanager und –betreiber Currenta die Entsorgung von Sonderabfällen logistisch von der Produktion entkoppeln. Bis zu 4.000 m3 flüssige Sonderabfälle können bei Revisionen oder Stillständen der SAV zwischengepuffert werden. Für die Produzenten im Chempark bedeutet dieses Zwischenlager eine erhöhte Entsorgungssicherheit. Und für Currenta ist es eine Möglichkeit, die eigenen SAVen gleichmäßiger und stärker auszulasten.

Forschung für höhere Reinigungsleistung

Im Bereich Forschung und Entwicklung haben die Kooperationen der Currenta mit Hochschulen und Forschungsinstituten zu grundsätzlichen Lösungsansätzen im Bereich der industriellen Abwasserreinigung geführt. So konnten in einer Technikums-Anlage, die das Currenta-Gemeinschaftsklärwerk Leverkusen im Maßstab 1:45.000 abbildet, die Bedingungen für das Auftreten von Schaum und fadenförmigen Organismen bei unterschiedlichen Temperaturniveaus ermittelt werden. Das Ergebnis der Versuche war eine Kombinationslösung aus Fällung von Fettsäuren durch Eisenchlorid-Salze und einer anschließenden Flockung durch Zugabe von Polymeren. Der Bau einer Anlage entsprechender Größe am Auslass des Gemeinschaftsklärwerkes wird zur Zeit vorangetrieben. Desweiteren konnte mit Hilfe der Kleinkläranlage die maximale Salzkonzentration im Abwasser ermittelt werden, bei noch eine stabile Nitrifikation stattfindet. Da die Chempark-Standorte produktionsbedingt hohe Salzfrachten haben, hat dieser Test eine besondere Bedeutung für eine effiziente Reinigung industrieller Abwässer.

Für die Kläranlage eines anderen Chemieparks testeten die Currenta-Forscher einzelne Abwasserströme auf mögliche Geruchsbildung. Die Abwasserströme wurden mit Fentons Reagenz oxidativ vorbehandelt und anschließend der Kleinkläranlage zugeführt. Die entstehende Gasphase wurde beprobt und einer externen olfaktorischen Prüfung unterzogen. Durch diese Versuche konnte der geruchsfördernde Abwasserstrom identifiziert werden.

Seit 2017 ist auch am Standort Dormagen eine Technikumsanlage in Betrieb. Mit über drei Meter hohen Plexiglaszylindern wird die bestehende Biologie des Industrieklärwerkes der Currenta im Maßstab 1:10.000 nachgebaut. Die wesentlichen Parameter wie beispielsweise pH-Wert, Sauerstoffsättigung, TOC-Gehalt oder Schlammalter können eingestellt werden. Die Auswirkungen der Abwässer einzelner Kunden auf die Biologie zeigen sich in dem Modell deutlich schneller als im Original und können leicht beobachtet und analysiert werden.

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