Worldwide China Indien

Druckanlagen

Neue BetrSichV erlaubt Ersatzprüfungen mithilfe zerstörungsfreier Verfahren

| Redakteur: Tobias Hüser

Fachleute bei der Schallemissionsprüfung am Lagerbehälter
Fachleute bei der Schallemissionsprüfung am Lagerbehälter (Bild: Tüv Nord)

Seit Inkrafttreten der novellierten Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) ist es Betreibern von überwachungsbedürftigen Anlagen im Rahmen der wiederkehrenden Prüfungen von Druckanlagen erlaubt, auf alternative Prüfverfahren zurückzugreifen. Somit sind nun auch zerstörungsfreie Prüfverfahren (ZfP-Verfahren) gestattet.

Voraussetzung für diese Art der Prüfung ist ein von einer Zugelassenen Überwachungsstelle (ZÜS) bestätigtes Prüfkonzept, das gleichwertige Aussagen liefert wie die klassischen Prüfungen. Auf Grundlage eines derartigen Prüfkonzepts können Anlagenteile geprüft werden, ohne dass sie dafür außer Betrieb genommen werden müssen. Das bedeutet, dass große Gaskugeln, erdgedeckte Flüssiggasbehälter, Druckbehälter für Wasserstoff oder Stickstoff und Tankanlagen nicht mehr zu entleeren, zu säubern und mit einem Druckmedium zu füllen sind.

„Die teilweise schädigenden Einflüsse von Luftsauerstoff oder Wasser auf die Druckbehälterwerkstoffe werden somit von vornherein ausgeschlossen“, sagt Horst-Lorenz Halliger, Geschäftsführer Tüv Nord MPA. „Die damit verbundenen Kosteneinsparungen für den Betreiber sind hingegen enorm.“

Prüfkonzepte für den Einsatz von ZfP-Verfahren

Tüv Nord MPA hat jahrzehntelange Erfahrungen bei der Anwendung von zerstörungsfreien Prüfverfahren im Rahmen der Zustandsbewertung von Druckbehältern und Rohrleitungen in der chemischen und petrochemischen Industrie. Gemeinsam mit der Tüv Nord Systems, die als ZÜS akkreditiert ist, wurden bereits Prüfkonzepte für den Einsatz von ZfP-Verfahren im Rahmen der wiederkehrenden Prüfung von Druckgeräten anstelle der klassischen Prüfungen erstellt und erfolgreich umgesetzt. So wird bei Wasserstoffspeicherbehältern die innere Prüfung durch eine Ultraschallprüfung der Schweißnähte bei 100 % des zulässigen Betriebsdrucks sowie durch eine Wanddickenmessung ersetzt.

Die Festigkeitsprüfung wird als Gasdruckprüfung mit dem Behälterinhalt H2 bei 10 % oberhalb des zulässigen Betriebsdrucks von einer Schallemissionsanalyse begleitet. Der Behälter muss dabei nicht geöffnet, entleert und gesäubert werden. Betreiber setzen lediglich einen Wasserstofftrailer ein, der den erforderlichen Druckaufbau während der Druckprüfung erzeugt. Um derartige Ersatzprüfungen zu realisieren, empfiehlt Halliger zwei Prüfverfahren:

Schallemissionsanalyse oder Acoustic Emission

Schallemission entsteht in einem Bauteil immer dann, wenn Energie in Form von transienten, elastischen Spannungswellen freigesetzt wird. Dieses Freisetzen, das mit Versetzungsbewegungen, Rissbildung, Delaminationen, plastischen Verformungen oder Rissuferreibungen einhergeht, ist die Folge von mechanischen, chemischen oder thermischen Belastungen oder Überbelastungen des Bauteilwerkstoffs.

Mithilfe von piezoelektrischen Wandlern oder Sensoren werden diese mechanischen Wellen in elektrische Signale umgewandelt und in einer Rechnereinheit zur Analyse verarbeitet. Die SE-Sensoren werden gleichmäßig über Länge und Breite am Bauteil angebracht. So können sie in Echtzeit die Signale erfassen. Über ein Ortungsprogramm werden gleichzeitig die Quellen dieser Signale im Bauteil ermittelt. Die Schallemissionsanalyse, die bei Behältern im Rahmen einer Druckprüfung erfolgt, ist ein integrales Verfahren, bei dem in einem Arbeitsgang das gesamte Bauteilvolumen bewertet werden kann.

P-scan System

Das P-scan System ist ein automatisiertes System, mit dem schwer zugänglicher Objekte mittels Ultraschall geprüft und bewertet werden. Hauptbestandteil des Systems ist eine ferngesteuerte Scannereinheit, die mit mehreren Ultraschallsensoren bestückt ist und über Magneträder angetrieben wird.

Mittels exakter Weg- und Zeitmessung ist eine millimetergenaue Zuordnung von Messwerten zu konkreten Ortskoordinaten des zu prüfenden Bauteils gegeben. Entscheidender Vorteil dieses Verfahrens ist die teilweise oder sogar vollkommene Einsparung von Rüstungen an den zu prüfenden Komponenten, wie diese für die Anwendung einer manuellen Ultraschall-Prüfung noch immer erforderlich sind.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 43570026 / Sicherheitstechnik)