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Plan bis 2022 Nachhaltigkeitsinitiative Chemie hoch 3 setzt sich neue Ziele

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Tobias Hüser

Im Jahr 2013 starteten BAVC, IG BCE und VCI die Nachhaltigkeitsinitiative Chemie3. Was zunächst auf vier Jahre angelegt war, wird jetzt bis zum Jahr 2022 verlängert. Nachdem das Bündnis zwölf „Leitlinien zur Nachhaltigkeit für die chemische Industrie in Deutschland“ erarbeitet hat, setzen sich die Partner jetzt vier neue strategische Ziele.

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Die Nachhaltigkeitsinitiative Chemie hoch 3 versucht nachhaltiges Denken und Handeln in der DNA der chemisch-pharmazeutischen Industrie zu verankern.
Die Nachhaltigkeitsinitiative Chemie hoch 3 versucht nachhaltiges Denken und Handeln in der DNA der chemisch-pharmazeutischen Industrie zu verankern.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Frankfurt am Main – Bis zum Jahr 2022 wollen die Initiatoren die Nachhaltigkeitsinitiative als strategische Allianz weiterführen. Die zukünftigen Ziele von Chemie3 lauten:

  • Ziel 1: Die Unternehmen haben wesentliche, sichtbare Fortschritte im Sinne der Leitlinien erzielt.
  • Ziel 2: Das Bewusstsein für die Bedeutung der sozialen, ökonomischen und ökologischen Dimension der Nachhaltigkeit bei den Beschäftigten der Branche ist gestärkt. Chemie³ unterstützt das betriebliche Engagement durch konkrete Angebote.
  • Ziel 3: Die gleichrangige Berücksichtigung der ökonomischen, sozialen und ökologischen Dimension der Nachhaltigkeit in der politischen und gesellschaftlichen Meinungsbildung ist gestärkt.
  • Ziel 4: : Chemie3 ist bei den externen Stakeholdern bekannt, als glaubwürdiger Dialogpartner anerkannt und auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene mit anderen Nachhaltigkeitsaktivitäten vernetzt.

Gegenüber der Vorgängerstrategie bleiben die Unternehmen als zentrale Akteure der Branche im Fokus: Nur wenn sich die Unternehmen verändern, verändert sich die Branche. Doch auch nach außen will Chemie3 weiter wirken: Immer noch dominiert in Politik und Gesellschaft ein einseitig „grünes” Nachhaltigkeitsverständnis. Dabei ist Nachhaltigkeit genau der Versuch, die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen, Volkswirtschaften und Gesellschaften im Zusammenhang von ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen zu denken. Chemie³ muss vor allem mit den vielfältigen Stakeholdern der chemisch-pharmazeutischen Industrie im Gespräch bleiben, um mit dieser Botschaft auch bei der Politik durchzudringen.

Neu im Fokus: Beschäftigte und Regionen

Einen deutlichen Aufmerksamkeitssprung gegenüber den Chemie3-Anfangsjahren erfahren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Branche sowie die regionale Ebene: Dass sich das Kollektiv „Unternehmen” aus vielen Individuen - den Beschäftigten - zusammensetzt, ist eigentlich jedem klar. Dennoch wurde diese Binsenweisheit bislang zu wenig beherzigt. Künftig will die Initiative hier den Hebel ansetzen: zum Beispiel über entsprechende „Promotoren“-Programme, die Beschäftigte zu Nachhaltigkeitsbotschaftern machen. Außerdem sollen die Vorteile des Föderalismus stärker genutzt werden: Sowohl Deutschland als auch die Verbändewelt sind föderal organisiert. Es bietet sich an, Botschaften an Politik und Öffentlichkeit auf verschiedenen Ebenen zu transportieren: nicht nur europäisch und national, sondern auch regional.

Meilensteine der Initiative

Diese Weiterentwicklung folgt dem bewährten Doppelprinzip, das Chemie3 von Anfang an zugrunde lag: Verändere dich in dem Maße, wie sich das Umfeld der chemisch-pharmazeutischen Industrie wandelt. Und verändere dich so, dass Unternehmen und Beschäftigten ein Mehrwert daraus entsteht. Konkret: Zeitgleich mit der Verabschiedung der Leitlinien 2013 hat Chemie3 einen ersten „Branchenbericht” vorgelegt - eine Antwort auf die wachsenden Transparenzanforderungen seitens der Stakeholder. 2014 wurde der „Nachhaltigkeits-Check” entwickelt, ein KMU-spezifisches Instrument zur Selbsteinschätzung und Maßnahmenentwicklung in Sachen Nachhaltigkeit - eine Antwort auf die Notwendigkeit, Nachhaltigkeit im eigenen Unternehmen greifbar und planbar zu machen.

Im Jahr 2015 folgten der Leitfaden zur Nachhaltigkeits-Berichterstattung und der erste Chemie3-„Fortschrittsbericht” - Antworten auf schon vorhandene oder in Planung begriffene politische Initiativen (Umsetzung europäische CSR-Richtlinie, Nationaler Aktionsplan Menschenrechte usw.). Der bisherige Höhepunkt dieser Entwicklung wurde 2016 mit der Verabschiedung von 40 Nachhaltigkeitsindikatoren für die Branche erreicht - eine Antwort auf die zentrale Glaubwürdigkeitsfrage für jede Nachhaltigkeitsinitiative: Welche Wirkung haben die Leitlinien, Veranstaltungen und Instrumente auf die Nachhaltigkeits-Performance der Branche?

Selbstbestimmung statt Fremdbestimmung

Chemie3 versteht sich als Frühwarnsystem und Veränderungsmotor für die Branche beim Thema Nachhaltigkeit. Beispiel Lieferketten: Immer stärker wird der Druck aus der Politik auf die Unternehmen, hier für Transparenz zu sorgen. Die Initiative hat dies erkannt und entwickelt zurzeit einen Leitfaden für ein Lieferketten-Management. Die Nachhaltigkeitsinitiative ist also ein lernendes System, das auf der Höhe der Zeit sein will und entsprechende Angebote entwickelt. Bei aller Veränderung bleibt sich Chemie3 damit treu: Statt von außen reguliert zu werden, machen wir unsere Hausaufgaben lieber selbst.

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