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Krebs-Urteil Monsanto-Übernahme wird für Bayer zum Risiko

| Redakteur: Alexander Stark

Mit dem Urteil vom 10. August, könnte die Übernahmen von Monsanto Bayer teuer zu stehen kommen – und das nicht alleine aufgrund der ca. 254 Millionen Euro Schmerzensgeld, die Monsanto dem ehemaligen Schulhofgärtner für seine Krebserkrankung zahlen soll.

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Nach Verkündung des Urteils in Kalifornien, gab die Bayer-Aktie zwischenzeitlich um 12 % nach.
Nach Verkündung des Urteils in Kalifornien, gab die Bayer-Aktie zwischenzeitlich um 12 % nach.
(Bild: Bayer)

Leverkusen; St. Louis/USA – Inzwischen könnte man von einer Reihe betrüblicher Ereignisse für die Crop-Science-Branche sprechen: Nachdem die Europäische Kommission den Einsatz von einigen Neonikotinoiden ab 2019 verbieten wird und 2018 eine Verlängerung der Zulassung von Glyphosat in der EU nur knapp zustande kam, folgt mit der erfolgreichen Schadenersatzklage gegen Monsanto ein weiterer Dämpfer aus den USA. Das Urteil des kalifornischen Geschworenengerichts, dass Glyphosat schuld an der Krebserkrankung von Dewayne Johnson sei, könnte die Monsanto-Übernahmen für Bayer zu einer bitteren Pille machen.

Sollte die angekündigte Berufung von Monsanto gegen das Urteil scheitern, könnte dies Signalwirkung für weitere Klagen gegen das Unternehmen haben. Insgesamt sollen es 5.000 Klagen sein, die gegen das Unternehmen geführt werden. Die Börse reagierte bereits empfindlich auf diese Aussichten. So verlor die Bayer-Aktie zwischenzeitlich 12 % und sank auf den niedrigsten Wert der letzten beiden Jahre.

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Doch Bayer bleibt weiterhin optimistisch, dass sich die Transaktion auszahlen wird. Trotz des Urteils erwartet das Unternehmen aus der Übernahme schon ab dem Jahr 2019 einen positiven Beitrag zum bereinigten Ergebnis je Aktie, der von 2021 an im zweistelligen Prozentbereich liegen soll. Von 2022 an sind jährliche Beiträge zum Ebitda vor Sondereinflüssen aus Synergien in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar geplant.

Bayer hat Rechtsmittel gegen Jury-Urteil angekündigt

Dass sich Monsanto für Bayer so schnell als Klotz am Bein erweisen würde, hat in der Leverkusener Zentrale sich keiner erwartet. War man doch der Auffassung, dass Einschätzungen und Gutachten Glyphosat attestierten, zumindest bei der richtigen Anwendungsweise sicher zu sein. Die Entscheidung der Jury stünde im Widerspruch zu bestehenden wissenschaftlichen Erkenntnissen, jahrzehntelangen praktischen Erfahrungen und den Einschätzungen von Regulierungsbehörden weltweit, verlautbarte das Chemieunternehmen nach dem Urteil. Alle diese Erkenntnisse, Erfahrungen und Einschätzungen bestätigten, dass Glyphosat sicher sei und nicht das Non-Hodgkin-Lymphom verursacht. Erst kürzlich hättet das National Institutes of Health (NIH) in den USA erneut bestätigt, dass Glyphosat nicht krebserregend sei. Zu einer anderen Einschätzung kommt jedoch die Internationale Krebsforschungsagentur der WHO, die Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ einstufte.

Wie von Monsanto bekannt gegeben, werden gegen das Urteil Rechtsmittel eingelegt. Bayer ist davon überzeugt, dass die Gerichte im weiteren Verfahrensverlauf zu dem Ergebnis kommen würden, dass Monsanto und Glyphosat für die Erkrankung von Johnson nicht verantwortlich seien. Die Auswirkungen des Schuldspruchs in erster Instanz hat durch den Kurssturz und die negative Berichterstattung allerdings schon weitreichenden Schaden für Bayer verursacht. Ob sich die avisierten Wachstumsziele des Unternehmens noch erfüllen lassen und das negative Image von Monsanto mit dem Namen verschwinden wird, hängt maßgeblich davon ab, ob die Klage auch in nächster Instanz erfolgreich sein wird.

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