Suchen

Umweltschutz

Mobile Löschwasser-Behandlungsanlage entfernt PFC aus Wasser

| Redakteur: Hans-Jürgen Bittermann

Mit PFC (Perfluor-Kohlenwasserstoffe) verunreinigte Feuerlöschwässer stellen ein Problem dar. Ein spezielles Verfahren ermöglicht die Reinigung direkt am Ort des Brandgeschehens.

Firmen zum Thema

Die in einen Übersee-Container untergebrachte „Mobile Löschwasser-Behandlungsanlage“ ist in der Lage, mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) belastete Löschwässer zu reinigen.
Die in einen Übersee-Container untergebrachte „Mobile Löschwasser-Behandlungsanlage“ ist in der Lage, mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) belastete Löschwässer zu reinigen.
(Bild: EWG / Cornelsen)

Diese Katastrophe im Jahr 1986 ist in unserem kollektiven Gedächtnis fest verankert: Beim Großbrand eines Lagerhauses des Chemiekonzerns Sandoz (heute Novartis) am 1. November gehen Hunderte Tonnen Chemikalien in Flammen auf. Das Löschwasser schwemmt Reste der Chemikalien, darunter Pestizide und Quecksilber, in den Rhein und färbt ihn rot. Die Giftwelle tötet rheinabwärts massenhaft Fische. Die Trinkwasserentnahme wird für drei Wochen bis in die Niederlande eingestellt. Dieser größte Chemieunfall im Dreiländereck von Schweiz, Frankreich und Deutschland erschüttert nachhaltig das Vertrauen der Bevölkerung in die Chemieindustrie.

Wären zumindest die Folgen des Einschwemmens von Löschwasser in den Rhein heute zu verhindern, zumindest zu mindern?

Das der „Mobilen Löschwasser-Behandlungsanlage“ (MLB) der Cornelsen Umwelttechnologie zugrundeliegende Prinzip wäre damals vermutlich hilfreich gewesen (natürlich mit einer entsprechenden Skalierung nach oben …). Die in einem Übersee-Container untergebrachte Behandlungsanlage ist in der Lage, mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) belastete Löschwässer mithilfe eines speziellen Verfahrens, der so genannten Perfluor-Ad-Technologie, zu reinigen. Seit Frühjahr 2019 ist die vom Land Nordrhein-Westfalen geförderte Anlage einsatzbereit.

Hintergrund: Durch Zugabe von PFC entsteht aus Wasser ein Löschschaum, bei dem das Volumen und die wirksame Oberfläche des Löschmittels um ein Vielfaches erhöht sind. Mit Löschschaum können auch Brände von Flüssigkeiten und Materialien, die durch Hitzeeinwirkung verflüssigt werden, wirksam gelöscht und abgedeckt werden, sodass eine Rückzündung verhindert wird.

Fällen und filtrieren

Herzstück des Behandlungsverfahrens ist das Dosieren des Flüssigwirkstoffs Perfluor-Ad, der eine Fällungsreaktion der PFC-Verbindungen bewirkt. Die dabei entstehenden Mikroflocken werden mechanisch durch Sedimentation und Partikelfiltration aus dem Löschwasser abgetrennt. Auf diesem Wege werden mehr als 90 Prozent des im Wasser gelösten PFC entfernt. In einer nachfolgenden zweistufigen Aktivkohlefiltration wird der größte Teil des verbleibenden PFC entfernt.

Seit 2006 entwickelte das mittelständische Unternehmen bekannte Verfahrensansätze weiter, forschte in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut Umsicht aus Oberhausen und führte Neuentwicklungen von Verfahren zur Reinigung von mit PFC belasteten Wässern durch. Aus der Forschungskooperation und der mehr als zwölfjährigen intensiven Auseinandersetzung mit der Vermeidung und Entfernung von PFC aus der Umwelt sind zwei Verfahrensentwicklungen und mehrere Patente hervorgegangen.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46096029)