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Kreislaufwirtschaft Mit Digitalisierung gegen Kunststoffmüll

| Redakteur: MA Alexander Stark

Polymere Werkstoffe finden sich in den unterschiedlichsten Anwendungen, seien es Haushaltswaren, der Fahrzeug- und Flugzeugbau, in der Elektronik, in der Medizin oder im Bausektor. Unstrittig ist aber auch, dass Kunststoffmüll ein weltweites Problem ist. Im Zusammenhang mit dem Aufbau von Kreislaufsystemen spielt nach Auffassung von Motan die Digitalisierung und damit die Vernetzung von Produktionsprozessen eine wichtige Rolle.

Daten- und Materialfluss in der Kunststoffindustrie
Daten- und Materialfluss in der Kunststoffindustrie
(Bild: Montan Group)

Bochum – Die Kreislaufwirtschaft ist ein Modell der Produktion und des Verbrauchs, bei dem bestehende Materialien und Produkte so lange wie möglich geteilt, geleast, wiederverwendet, repariert, aufgearbeitet und recycelt werden. Auf diese Weise wird der Lebenszyklus der Produkte verlängert. In der Praxis bedeutet dies, dass Abfälle auf ein Minimum reduziert werden. Nachdem ein Produkt das Ende seiner Lebensdauer erreicht hat, bleiben die Ressourcen und Materialien so weit wie möglich in der Wirtschaft. Sie können erneut produktiv genutzt werden, um weiterhin Wertschöpfung zu generieren.

Als Hersteller von Produkten und Systemen für das Material Handling von Schüttgütern (Granulat, Mahlgut, Flakes und unterschiedlichste Pulver) ist Motan in drei Kunststoffteilbereichen aktiv: Herstellung von Neuware und Rezyklaten sowie Kunststoffverarbeitung. Bereits heute stehen die Daten aus Trocknern, Dosier- und Mischsystemen oder aus der Kristallisation zur Verfügung und werden innerhalb der Prozesse genutzt, berichtet das Unternehmen. In Zukunft werden weitere Daten hinzukommen, etwa Informationen über die Zusammensetzung der Materialien, deren Feuchte, Rezepturen, Materialkennwerte sowie Produktionsdaten der Verarbeitungsmaschinen.

Für die Qualitätssicherung wird es nach Auffassung des Unternehmens mehr als bisher erforderlich sein, auch Daten aus dem Verarbeitungsprozess zu erhalten und sie mit den bereits vorhandenen Informationen zu vernetzen. Insofern gewinnt eine erweiterte Sensorik in der Verarbeitung, sowohl in den Verarbeitungsmaschinen als auch in den Werkzeugen, an Bedeutung. Die digitale Vernetzung aller Systeme ist in diesem Zusammenhang aktuell eine der wichtigsten Aufgaben, an der Motan mitarbeitet. Das Unternehmen entwickelt Lösungen, den Informationsfluss parallel zum Materialfluss beim Materials Handling zu automatisieren und so eine durchgängig digitalisierte Informationskette vom Wareneingang bis zum Fertigprodukt zu erhalten.

Ist Rezyklat sortenrein oder sehr gut sortiert und aufbereitet, unterscheidet es sich von Neuware nur wenig. Wie wichtig Transparenz hinsichtlich der Herkunft und Zusammensetzung von Materialien sein kann, sei kurz an einem Beispiel erläutert: Muss etwa ein Material aus einer Mischfraktion getrocknet werden, kann es zu unkontrollierten Ausdünstungen kommen, die schlimmstenfalls das Trockenmittel zerstören können. Ist die Materialzusammensetzung zuvor bekannt, ist eine geeignete Trocknerauslegung möglich. Unverzichtbar sind daher eine entsprechende Dokumentation und Qualitätssicherung seitens der Recycling-Wirtschaft und des Verarbeiters.

Um eine funktionierende Kreislaufwirtschaft zu etablieren, sind schlussendlich alle als Verbraucher gefordert. Das betrifft sowohl das Verhalten hinsichtlich Müllvermeidung und Mülltrennung, als auch die Akzeptanz von Produkten aus Rezyklaten. Hier ist noch viel Aufklärungsarbeit erforderlich.

Wichtig ist schließlich, den Rahmen des Möglichen realistisch einzuschätzen. Soweit sich beispielsweise vermischte und verschmutzte Abfälle nicht gut recyceln lassen, sollten derartige Restabfallströme einer rohstofflichen (chemischen) Verwertung zugeführt werden. Hierzu gibt es bereits erste, vielversprechende Projekte. Erst ganz am Ende der Kreislaufwirtschaft steht dann die energetische Verwertung, vorzugsweise mit einer effizienten Energierückgewinnung.

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