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Berstscheibe

Mehr Sicherheit durch die richtige Montage und Wartung von Berstscheiben

| Autor / Redakteur: Manja Wühr* / Manja Wühr

Damit beim Einbau von Berstscheiben nichts schief läuft, braucht es Profis. Schulungen in Theorie und Praxis bringen Sicherheit.
Damit beim Einbau von Berstscheiben nichts schief läuft, braucht es Profis. Schulungen in Theorie und Praxis bringen Sicherheit. (Bild: Rembe)

Damit Berstscheiben verfahrenstechnische Anlagen sicher schützen, müssen diese zu aller erst korrekt ausgelegt werden. Doch die beste Druckentlastungslösung schützt nicht, wenn sie falsch installiert oder gewartet wird. Auf der Rembe-Fachtagung diskutierten Sicherheitsexperten u.a. wie man das Montage-Know-how ins Feld bekommt.

„Die Berstscheibe war höchstwahrscheinlich in der falschen Richtung eingebaut.“ So erklärt sich Anton Wellenhofer, Linde-Fachmann für Prozess- und Umweltsicherheit, das fehlerhafte Ansprechen während des Betriebs eines neuen Pumpenprüfstands. „Nach dem Austausch traten auch keine weiteren Probleme auf“, so Wellenhofer weiter. Eine kleine Anekdote, die bei den Teilnehmern der diesjährigen Rembe-Fachtagung zur Druck­entlastung eine rege Diskussion angestoßen hat. Auch sie haben immer wieder mit Fehlern bei der Montage und Wartung der wichtigen Sicherheitseinrichtung zu kämpfen. Und es zeigt sich einmal mehr: Ist die Berstscheibe erst einmal richtig ausgelegt und bestellt, ist die Arbeit noch lange nicht getan. Betreiber stehen vor der Herausforderung sicherzustellen, dass die Berstscheibe fachgerecht installiert und gewartet wird.

Der Berstscheiben-Spezialist Rembe bezieht hierzu in seinen Betriebsanleitungen, die jeder einzelnen Berstscheibe beiliegen, deutlich Stellung: So heißt es in der Betriebsanleitung für die KUB:

  • Alle Arbeiten in allen Betriebs­phasen nur von ausgebildetem und befugtem technischem Fachpersonal durchführen lassen.
  • Sicherstelllen, dass mit Tätigkeiten am Produkt beauftragtes Personal vor Arbeitsbeginn diese Anleitung und alle mitgeltenden Dokumente gelesen und verstanden hat, insbesondere die Sicherheits-, Wartungs- und Indstandsetzungsinformationen.
  • Verantwortungen, Zuständigkeiten und Überwachungen des Personals regeln.

Lebenszyklus einer Berstscheibe?

Was knapp und ebenso klar formuliert ist, lässt sich im täglichen Betrieb nicht immer so leicht umsetzen. Hier helfen standardisierte Abläufe. In Brilon haben die Teilnehmer der Rembe-Fachtagung zur Druckentlastung folgende Vorgehensweise diskutiert:

  • 1. Auslegung und Bestellung: Diese erfolgt in enger Abstimmung mit dem Production Engineering, dem Process Engineering, dem Design Engineering, dem Einkauf und dem Technical Support.
  • 2. Qualitätskontrolle: Nach der Anlieferung werden Berstscheiben einer Qualitätskontrolle unterzogen. Diese umfasst den Abgleich der Bestelldaten zu den Lieferdaten, den Zustand der Lieferung sowie das Vorhandensein der Betriebsanleitung in deutsch.
  • 3. Montage: Das Personal wird für den Ein- und Ausbau von Berstscheiben im Vorfeld benannt und geschult. Die benannte Person muss in regelmäßigen Abständen ein Training zum Thema „Handhabung von Berstscheiben“ absolvieren, um die Berstsicherungen tauschen zu dürfen. Zudem müssen Montagevorschrift, Durchflussrichtung, die vorgegebenen Einspannvorrichtungen sowie die dauerhafte und lesbare Kennzeichnung mit einem fest angebrachten Label beachtet werden.
  • 4. Abnahme vor Inbetriebnahme: Eine visuelle Inspektion zur Verifizierung von Hersteller, Model, Größe, Ansprechdruck, Einbaustelle sowie Flussrichtung. Zudem wird geprüft, ob der Rohrleitungsverlauf des Ein- und Austritts nach Vorgabe des Designers installiert wurde und auch ob der Austritt so ausgerichtet ist, dass keine Person durch das austretende Medium gefährdet wird. Des Weiteren prüft der Technical Support, ob die Austrittsleitungen zur Atmosphäre eine Entwässerungsbohrung am Tiefpunkt haben und gegen Witterungseinflüsse geschützt sind.
  • 5. Inspektion: Sie umfasst Zustand, Verschmutzungen, Korrosion/Verfärbungen, Defekte, Risse oder andere Beschädigungen an der Berstscheibe und dem Bertscheibenhalter, Zustand der Alarmierung sowie die Durchgängigkeit der Ein- und Austrittsleitung.
  • 6. Inspektionsintervalle: Die Bestimmung der Intervalle für Wiederholungsprüfungen erfolgt gemäß den werksinternen Vorgaben unter Berücksichtigung vorheriger Inspektionen. Das größtmögliche Intervall beträgt unabhängig vom Einsatzfall fünf Jahre. Eine Intervall­änderung bedarf der Zustimmung des Anlagenvertreters. Dabei sind die Erfahrungen und Hinweise des Technical Supports zu berücksichtigen. Rembe gibt ein Jahr als Intervall vor.

Dichtheit von Flanschverbindungen

Elementar verbunden mit der Montage von Berstscheiben ist die Frage nach der Dichtheit von Flanschverbindungen. Für Dr. Ingo Sander, Geschäftsführer von Tüv Nord Infrachem, ist die Umsetzung des VCI-Leitfadens zur Montage von Flanschverbindungen in verfahrenstechnischen Anlagen der Schlüssel zu einer zeitgemäßen Montagequalität. Neben der Gefährdungsbeurteilung nimmt der Leitfaden auch technische und organisatorische Maßnahmen sowie das Montagepersonal in den Fokus. Das größte Potenzial liegt für Dr. Sander in der Optimierung der Qualifizierung des Montagepersonals und der organisatorischen Prozesse. Dies umfasst u.a. Verfahrensanweisungen, Spezifikationen oder auch die Dokumentation. Für die Qualifikation des Montagepersonals haben Evonik und Tüv Nord etwa den Flanschenführerschein entwickelt. Dieses Konzept wird am Standort Marl seit fünf Jahren umgesetzt.

Auch Rembe führt hierzu regelmäßig Seminare in Theorie und Praxis durch. Wer sich an dem Ein- und Ausbau von Berstscheiben erproben will, für den hat Rembe eine Hands-on-Station auf der Achema vorbereitet.

Ergänzendes zum Thema
 
Wer kümmert sich um die Installation und Wartung?

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