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Biopharmazeutika wachsen weiter Marktanteil von Biopharmazeutika in Deutschland erreicht Spitzenwert

| Redakteur: MA Alexander Stark

Biopharmazeutika, also Medikamente aus gentechnischer Herstellung, setzten 2019 neue Bestmarken im deutschen Markt: mit einem Umsatz von 12,7 Milliarden Euro (2018: 11,2 Milliarden Euro) und einem Marktanteil von 29 % (2018: 27 %). Die Zahl der Beschäftigten in den biopharmazeutischen Unternehmen wuchs um 6 % auf 42.300 Mitarbeiter.

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Deutschland ist bei Gen-, Zell- und Gewebetherapien weit hinter USA und China - doch mit Aufholpotenzial.
Deutschland ist bei Gen-, Zell- und Gewebetherapien weit hinter USA und China - doch mit Aufholpotenzial.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Frankfurt am Main – Biopharmazeutika werden immer häufiger von Ärzten eingesetzt. An der Entwicklung dieser Medikamente hat der Standort Deutschland einen wichtigen Anteil. Laut Dr. Frank Mathias, Vorsitzender von VFA Bio und CEO von Rentschler Biopharma Deutschland kann Deutschland hier Stärken in Technologie und Qualifikation gegenüber Ländern mit niedrigerem Lohnniveau ausspielen. Wenn die Politik wolle, dass künftig wieder mehr Medikamente hierzulande produziert werden, sollten das deshalb gerade auch Hightech-Produkte wie Biopharmazeutika sein, so Mathias weiter.

2019 erzielten die Hersteller einen Umsatz von 12,7 Milliarden Euro mit Biopharmazeutika in Deutschland und erreichten damit einen Marktanteil von 29 %. Dies sind Ergebnisse des Branchenreports „Medizinische Biotechnologie in Deutschland 2020“. Er wurde von der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG) für VFA Bio erarbeitet.

Relevanter Marktfaktor Biosimilars

Der Umsatz mit Biosimilars, also Nachbildungen von Original-Biopharmazeutika nach deren Patentablauf, überschritt 2019 erstmals die Milliardengrenze (1,5 Milliarden Euro) – eine Steigerung von gut 60 % gegenüber dem Vorjahr. Im Wettbewerb mit ihren Referenz-Originalprodukten erreichen sie schon im ersten Jahr Marktanteile von bis zu 60 %. Das zeigt, dass Biosimilars aus eigener Kraft zum relevanten Marktfaktor geworden sind und keinen politischen Hilfsmaßnahmen bedürfen. Doch auch die Originalhersteller sind mit ihren Produkten weiterhin in der Versorgung vertreten, weil sie den Krankenkassen konkurrenzfähige Angebote machen.

ATMP: Neuartig und besonders

Vertieft geht der aktuelle Report auf das Gebiet der Gen-, Zell- und Gewebetherapeutika ein, zusammen Advanced Therapy Medicinal Products (ATMP) genannt. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass Patienten durch eine einmalige Behandlung oft eine langanhaltende Besserung ihrer Krankheit erleben - etwa, wenn ein angeborener Gendefekt korrigiert oder stark geschädigtes Gewebe regeneriert werden kann.

Noch ist dieses Produktsegment klein, mit derzeit zehn zugelassenen Medikamenten. Doch mittlerweile finden weltweit mehr als 1000 Studien für weitere ATMP statt.

Rund 47 % dieser Studien finden in den USA statt, China ist mit 39 % auf dem zweiten Platz. Hierzulande werden nur 4,4 % der ATMP-Studien durchgeführt. „Deutschland hinkt hier als Studienstandort deutlich hinterher. Das liegt zum Beispiel an der langsamen Translation neuer Therapieansätze aus der Forschung in die klinische Prüfung oder an fehlenden Produktionskapazitäten“, sagt Studienautor Dr. Jürgen Lücke, Senior Partner bei BCG. Deutschland müsse sich entscheiden, ob es eine tragende Rolle bei diesen zukunftsträchtigen Technologien spielen und Wertschöpfung hier am Standort generieren möchte, sagt Lücke weiter und forderte, diese Chance jetzt wahrzunehmen.

Laut Mathias gebe es einen harten Kern aus ATMP-Kompetenz und dezidierten Unternehmen sowie akademischen Forschungsgruppen dafür. Gebraucht werde aber ein großrahmiger Plan. Dafür haben BCG und VFA Bio Vorschläge erarbeitet. Sie empfehlen:

  • die Gründung eines "Deutschen Zentrums der Gesundheitsforschung" für ATMP, um Forschungsinfrastruktur und Vernetzung zu schaffen,
  • die Gründung einer ATMP-Taskforce, die die disparaten Anforderungen für ATMP-Studien und Logistik in den verschiedenen Bundesländern harmonisiert,
  • Personalaufstockung bei der zuständigen Arzneimittelbehörde, dem Paul-Ehrlich-Institut, für schnellere Beratung der Unternehmen und zügigere Freigaben von ATMP-Studienanträgen,
  • Ausbau und Automatisierung der ATMP-Produktion sowie Ausbildung entsprechenden Fachpersonals,
  • Schließen der Finanzierungslücke im Krankenhaus, um den frühzeitigen Einsatz zugelassener ATMP zu gewährleisten.

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