Brandschutz Löschmittel für Öl- und Gasindustrie

Redakteur: M.A. Manja Wühr

Da die Öl- und Gasindustrie mit entzündlichen und sogar explosiven Materialien arbeitet, hat sie einen hohen Bedarf an Brandschutzsystemen. Dieser Beitrag zeigt eine Alternative zu den konventionellen Mitteln.

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Als Brandschutzsysteme für Büros, Geräteräume und andere begrenzte Räume, die zu Öl- und Gasanlagen an Land und auf See gehören, waren Halon-Löschsysteme in der Vergangenheit eine bevorzugte Wahl.

Als Löschmittel ist Halon wirksam, sauber, hat eine relativ geringe Toxizität und war zumindest in seiner Blütezeit auch preiswert.

Es hat jedoch zwei entscheidende Schwächen – als bromierter Fluorkohlenwasserstoff schädigt es nachhaltig die Erdozonschicht. Darüber hinaus hat Halon in der Atmosphäre eine lange Lebensdauer und trägt so stark zur weltweiten Erderwärmung bei.

Dies hat dazu geführt, dass die Halon-Produktion Anfang der neunziger Jahre eingestellt wurde, und die meisten Hersteller haben gleichzeitig auch die Produktion von Halon-Feuerlöschsystemen eingestellt.

Deshalb wurde natürlich eine Alternative benötigt, und die am weitesten verbreiteten Verbindungen, die jetzt zum Einsatz kamen, waren die Fluorkohlenwasserstoffe (FKW).

Diese Stoffe haben zwar ein Ozonabbaupotenzial von Null, versagen dafür aber in einem anderen Bereich, denn ihr Erderwärmungspotenzial ist beträchtlich. Aus diesem Grund wird der weitere Einsatz von FKW’s in Frage gestellt.

Die Umwelt im Blick

Für die heutige umwelt- und kostenbewusste Öl- und Gasindustrie ergeben sich daher zwei Herausforderungen. Die erste Herausforderung besteht darin, für einen effektiven Brandschutz für Arbeiter und Grundbesitz zu sorgen, und die ökologische Verträglichkeit zu verbessern.

Die zweite Herausforderung besteht darin, die Gesamtkosten der Anlage über deren Lebenszyklus zu minimieren. Dies gelingt, indem man Konzeptionen vermeidet, die später umfassende Änderungs- oder Auswechselungsarbeiten erforderlich machen, um die zukünftigen gesetzlichen Vorschriften zu erfüllen. Um den Branchen eine Alternative zur Verfügung zu stellen, hat 3M das Löschmittel Novec 1230 entwickelt. Wie die FKW’s hat auch das neue Löschmittel ein Ozonabbaupotenzial von Null, das wichtigste Differenzierungsmerkmal ist jedoch das Erderwärmungspotenzial von eins. Das ist deutlich niedriger als das Erderwärmungspotenzial von 3.200 (IPCC Bewertung 2007) der meisten FKW’s. Darüber hinaus hat das neue Löschmittel eine atmosphärische Lebensdauer von nur fünf Tagen, im Gegensatz zur atmosphärischen Lebensdauer der FKWs, die bei etwa 30 Jahren liegt.

Angesichts dieser wünschenswerten Umwelteigenschaften ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Nutzung des Löschmittels eingeschränkt wird, äußerst gering. Für Planer, die besonders sicher gehen müssen, stützt der Hersteller seine Technik zusätzlich durch eine einmalige Blue Sky Garantie. Wird die Nutzung von Novec 1230 als Feuerlöschmittel aufgrund ihres Ozonabbau- oder Erderwärmungspotenzials verboten oder eingeschränkt, so erstattet 3M im Rahmen dieser Garantie den Kaufpreis des Produkts. Die Garantie ist auf 20 Jahre befristet.

Novec 1230 bietet einen sehr hohen Sicherheitsspielraum und kann daher auch in besiedelten Bereichen eingesetzt werden. Bei den meisten Einsätzen wird es in der Regel in einer Konzentration zwischen vier Prozent und sechs Prozent verwendet, der NOAEL (höchste Dosierung eines Stoffes, die auch bei andauernder Aufnahme keine erkennbaren und messbaren Schädigungen hinterlässt) liegt jedoch bei zehn Prozent. Daher liegt der Sicherheitsspielraum zwischen 67 Prozent und 150 Prozent – dies ist der größte Sicherheitsspielraum, der heute für einen brauchbaren chemischen Halon-Ersatz auf dem Markt erhältlich ist. Halon hat dagegen überhaupt keinen Sicherheitsspielraum. Einige andere FKW’s haben einen NOAEL, der unter der gewünschten Konzentration liegt, und selbst der Sicherheitsspielraum der am häufigsten eingesetzten FKWs liegt deutlich unter dem des Löschmittels.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Löschmitteln wird Novec 1230 nicht als Druckgas gelagert, sondern als Flüssigkeit, die sich bei der Freisetzung aus einem geeigneten System unverzüglich abbaut, und ein Gas bildet. Dank der Lagerung in flüssiger Form kann es problemlos in großen Mengen transportiert werden – sogar auf dem Luftweg. Außerdem ist die Wiederbefüllung eines Systems nach dem Einsatz deutlich sicherer und einfacher, als mit Druckgasen in großen Behältern zu arbeiten, und viel unkomplizierter, als die Zylinder zum Wiederbefüllen zu verschicken. Schließlich brauchen Zylinder, die Novec 1230 enthalten, deutlich weniger Platz als CO2-Zylinder oder Inertgassysteme. Alle hier aufgeführten Vorzüge sind besonders wichtig, wenn das Produkt in Anlagen eingesetzt wird, die sich auf See befinden.

Saubere Sache

Das Löschmittel wurde so entwickelt, dass es durch Kühlung löscht, so löscht es Brände schnell und verringert die Gefahr einer Ausbreitung. Es ist sowohl für Strömungs- als auch für Flutungssysteme geeignet und kann durch seine nicht korrosiven, nicht leitenden Eigenschaften auch eingesetzt werden, um sensible Geräte wie Telekommunikations- und PC-Systeme zu schützen.

Ein weiterer Vorteil des neuen Löschmittels: Es verdampft schnell und hinterlässt im Gegensatz zu Schaum- und Pulverlöschern keine Rückstände.

So werden zeitaufwändige Reinigungsaktionen überflüssig, was die Zeit bis zum möglichen Wiedereinsatz des Systems verkürzt – ein wichtiger Vorteil in der Öl- und Gasindustrie, wo die Ausfallkosten oft eine beträchtliche Höhe erreichen können.

Nachdem die Halon-Löschmittel vom Markt genommen wurden, haben die FKW’s eine hohe Beliebtheit in Öl- und Gasanlagen erreicht. Mit den zunehmenden Bemühungen um eine Verminderung der Treibhausgasemissionen werden die FKWs jedoch nun selbst zum Umweltproblem und könnten in naher Zukunft mit Einschränkungen oder sogar Verboten belegt werden.

Dank der besseren Umwelteigenschaften steht Anlagenbetreibern mit dem neuen Löschmittel eine Alternative für mehr Planungssicherheit zur Verfügung.

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