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Digital Base Camp

Lindes Digitalstrategie nimmt Fahrt auf

| Autor: Anke Geipel-Kern

Aus Daten Mehrwert schaffen – eines der Ziele des Digital Basecamps.
Aus Daten Mehrwert schaffen – eines der Ziele des Digital Basecamps. (Bild: Geipel-Kern)

Über die digitale Transformation reden viele Konzerne. Doch wie kommt man von der Theorie zur Praxis? Linde zeigt mit seinem Digital Base Camp, wie es funktionieren kann. Start up Feeling kombiniert mit dem Know-how des Kerngeschäfts. Die Gründermentalität bringt die Geschwindigkeit und die Experten aus den Geschäftsbereichen den Realitätscheck. PROCESS erhielt einen Einblick in die Arbeit und die ersten Projekte.

Lindes Digital Strategie nimmt langsam Kontur an. Ein knappes Jahr nach der Eröffnung des Digital Base Camp auf dem Lindegelände in Pullach gibt es jetzt die ersten Ergebnisse: Eine Virtual-Reality-Anwendung für das Training von Anlagenpersonal. Mit VR-Brille und einem Controller in der Hand kann der Anwender sich in das 3D-Modell einer Anlage hinein beamen, dort herumlaufen, Ventile und Kompressoren von allen Seiten im Detail studieren und deren Funktion erproben. Das zweite Projekt ist das Linde Plantserv Portal, eine Bestellplattform für Kunden von Linde Engineering, die das Zeug hat die Ersatzteilbestellung zu revolutionieren. Und weitere sind in der Pipeline.

Im Zentrum des Geschehens

40 Projekte haben das Digital Base Camp mittlerweile durchlaufen, erzählt Philipp Karmires, Leiter Digitalisierung bei Linde. Sechs davon sind in der Rollout-Phase, sieben haben Pilotcharakter. Der frühere Google Manager ist ein jungenhafter wirkender Typ, der schnell spricht und genauso schnell denkt. Seit August letzten Jahres ist er bei Linde Mr. Digital und soll den über 100 Jahre alten Gase- und Anlagenbaukonzern fit für die digitale Zukunft machen.

Den Standort des Base Camps inmitten des gewachsenen Werksgeländes in Pullach hat er bewusst ausgesucht: Ein eher schlichtes Gebäude mit Werkstattcharakter, ein bisschen Farbe in den Innenräumen, ein paar Stellwände und Sitzecken, mehr Renovierung habe es nicht gegeben, betont Karmires. Es sei nicht das schickste Gebäude auf dem Gelände, gibt er zu. Aber den Standort will er als Botschaft verstanden wissen: Das Team ist ein Teil des großen Ganzen und keine abgehobene Truppe, die abseits des Tagesgeschäftes vor sich hin werkelt. Auch deshalb gehören zum Digitalisierungsteam Mitarbeiter, deren daily Business vorher mehrere Jahre das klassische Linde-Geschäft war. Dazu gekommen sind Datenspezialisten, Softwareentwicklern und Experten aus der Digitalbranche zu Linde kamen.

Anregungen aus den Geschäftsbereichen aufnehmen

„In einem Großkonzern ist es wichtig, mit dem Business zusammen zu arbeiten“ erklärt er. Der Impact der Erfahrungsträger sei absolut nötig und für die Akzeptanz essentiell. Aus den Geschäftsbereichen kommen auch die Anregungen für die Projekte. Business Owner sei immer der Geschäftsbereich. Von hier kommt auch die Finanzierung und ganz wichtig: ein Teil des Teams. Alles, was angenommen wird, zieht das Projektteam in drei Monaten in einem typischen Acceleratorprozess durch. Nicht reden, machen – lautet die Devise dahinter. Jedes ausgewählte Projekt erhält eine Anschubfinanzierung. In maximal drei Monaten muss ein Prototyp stehen. Die begrenzte Zeit erzeuge einen gewissen Druck und damit auch Kreativität, sagt Karmirez. Man müsse das „Window-of-Opportunity“ nutzen. „Das tun die Digital Konzerne auch.“

Lese-Tipp der Redaktion Die Digitalisierungswelle hat uns in (fast) allen Lebensbereichen erreicht und verändert unsere Sichtweisen und Handlungsfelder. Damit in Zeiten dieser großen Dynamik und heftigen Wandels keine Unsicherheiten aufkommen, ist Kommunikation gefragter denn je. Vor diesen Hintergrund ordnet die Publikation „Vernetzte Welten“ anhand von Beispielen Entwicklungen und Innovationen in den unterschiedlichsten Branchen und Technologien ein. Hochkarätige Fachautoren und Fachjournalisten zeigen, welche Veränderungen auf uns zukommen und wie wir sie meistern können.

Doch wie kommt man nun vom Prototyp zum Projekt? Für Julien Brunel, Leiter Digitalisierung der Engineering Division von Linde, ist das Linde Plantserv Portal die perfekte Blaupause. In nur sieben Monaten hat das Projektteam das Portal zum Fliegen gebracht. Wichtig sei es, die Geschwindigkeit des Acceleratorprozesses beizubehalten. Deshalb nutzt das Base Camp Team agile Projektmethoden, was schon eine Veränderung für den an strukturierte Projektpläne gewöhnte Ingenieur sei, gibt Brunel zu. „Wir müssen bei Linde auch unsere Prozess anpassen,“ betont er. Das betrifft nicht nur die Projektabwicklung sondern auch die Einbindung externen Know-hows. Für die Entwicklung des Serviceportals beispielsweise wurden von Anfang an die Kunden mit einbezogen.

Mittlerweile ist das Base Camp auch ein Exportschlager: Seit diesem Herbst leitet Karmires ein Team in Singapur. Dort will Linde globale Produkte und Services entwickeln und erproben, die speziell davon profitieren sollen, dass Kunden im asiatischen Markt eine besondere Affinität zu technologischen Innovationen haben.

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