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Virtuelle Realität im Anlagenbau Linde stellt Virtual-Reality-Anwendung vor

| Redakteur: MA Alexander Stark

Die Engineering Division von Linde zeigte auf der Gastech 2017 in Tokio erstmals eine neue Virtual-Reality-Anwendung, die für die Schulung von Fachpersonal entwickelt wurde und in der Planungsphase Designänderungen visualisieren kann.

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The new virtual reality application in the field of plant engineering was developed for training operators
The new virtual reality application in the field of plant engineering was developed for training operators
(Source: The Linde Group)

Tokio/Japan; Pullach/Deutschland – Besucher der Fachmesse konnten eine industrielle Großanlage im Detail erleben, bevor sie fertiggestellt ist. Sie ermöglicht eine realitätsnahe Tour durch eine Anlage zur Extraktion von Ethan und Flüssiggaskomponenten sowie zur Abtrennung von Stickstoff, die das Unternehmen derzeit in der Amur-Region (Ost-Russland) baut. Die Einheit ist Teil einer der größten Gasaufbereitungsanlagen weltweit.

Virtual Reality (VR), also die computergenerierte Nachbildung einer realen Umgebung, ist bislang vor allem aus der Videospiel-Szene bekannt. Eine VR-Brille mit integriertem 3-D-Display gibt den Spielern das Gefühl, sich tatsächlich in der virtuellen Welt zu befinden.

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Linde hat diese Technologie nun für den Großanlagenbau adaptiert: Mit VR-Brille und einem Controller in der Hand kann der Anwender sämtliche Plattformen des Moduls begehen, Ventile und Kompressoren von allen Seiten im Detail studieren und sich sogar in Prozessteile wie Wärmetauscher oder Coldboxen hinein begeben — was in der Realität nicht möglich wäre.

Betrachtung der gesamten Anlage ist möglich

Neben der physischen Bewegung erlaubt ein Tastendruck auf den Controller kleine Schritte vorwärts oder auf Wunsch auch große Sprünge: So gelangt man innerhalb von Sekundenbruchteilen zum Beispiel auf die 75 Meter hohe Plattform der Coldbox. In einem Extra-Modus schrumpft die gesamte Anlage auf Menschengröße. Der Nutzer kann sie von außen betrachten, aber auch in sie hineinlaufen, sich bücken und in alle Etagen hineinschauen.

Das Fachpersonal, das nach ihrer Fertigstellung die reale Anlage betreiben wird, kann mit der VR-Anwendung die künftige Arbeit trainieren und die Prozesseinheit genau kennenlernen. „Die VR-Nachbildung beruht auf den CAD-Daten, die wir bei der Konstruktion des Moduls angelegt haben – deshalb ist sie extrem detailreich“, erklärt Julien Brunel, Leiter Digitalisierung der Engineering Division von Linde.

Das Unternehmen will Virtual Reality mobil verfügbar machen: Die notwendige Hardware — im wesentlichen VR-Brille und ein sehr leistungsfähiger Laptop — passt in einen speziell angepassten Hartschalenkoffer, den Linde-Spezialisten künftig zu Kunden mitnehmen können. Konstruktionsänderungen an der Anlage lassen sich damit sofort plastisch demonstrieren und prüfen.

Predictive Maintenance als mögliche Anwendung

Die neue Virtual-Reality-Anwendung entstand im „Digital Base Camp“ in Pullach, in dem Linde die Digitalisierung des Unternehmens vorantreibt. Die intelligente Nutzung von Daten steht im Mittelpunkt aller Aktivitäten der Abteilung. Damit will Linde unter anderem konzerninterne Prozesse weiter verbessern und neue Services für Kunden entwickeln. Ein Beispiel dafür ist Predictive Maintenance: Linde will künftig prognostizieren, wann eine Anlagenkomponente auszufallen droht. Dazu werten Algorithmen Daten aus, die Sensoren in Großanlagen seit Jahren erheben. Aus vergangenen Wartungsfällen lassen sich dann Wahrscheinlichkeiten für künftige Ereignisse errechnen. So könnten Techniker einzelne Bauteile schon vorab austauschen, um die Ausfallzeiten der gesamten Anlage zu minimieren.

„Die Digitalisierung wird das Geschäft und die Arbeitsweise im Anlagenbau nachhaltig verändern“, sagt Dr. Christian Bruch, Mitglied des Vorstands der Linde AG und verantwortlich für die Engineering Division sowie den Bereich Technology & Innovation des Konzerns. „Mit der Nutzung unserer Daten können wir unseren Kunden völlig neue Dienste und Möglichkeiten bieten.“.

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