Suchen

Power-to-Liquid Kompaktanlage erzeugt erstmals 200 l Kraftstoff aus Solarstrom und CO2

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Tobias Hüser

In dem Projekt Soletair haben hat das Unternehmen Ineratec mithilfe der Fischer-Tropsch-Synthese die ersten 200 l synthetischen Kraftstoff aus Sonnenenergie und dem Kohlenstoffdioxid der Luft hergestellt. Die kompakte Anlage ist für die dezentrale Produktion konzipiert, passt in einen Schiffcontainer und lässt sich modular erweitern.

Firmen zum Thema

Die kompakte Pilotanlage im Soletair Projekt ist für die dezentrale Produktion konzipiert, passt in einen Schiffcontainer und lässt sich modular erweitern.
Die kompakte Pilotanlage im Soletair Projekt ist für die dezentrale Produktion konzipiert, passt in einen Schiffcontainer und lässt sich modular erweitern.
(Bild: VTT)

Karlsruhe – Die Pilotanlage hat eine Produktionskapazität von bis zu 80 l Benzin am Tag. In der nun abgeschlossenen ersten Betriebskampagne wurden in mehreren Phasen rund 200 l Kraftstoff hergestellt, um verschiedene Fragestellungen rund um den optimalen Syntheseprozess, Wärmenutzungsmöglichkeiten und die Produkteigenschaften zu erforschen. Die mobile, dezentral einsetzbare chemische Pilotanlage produziert aus regenerativem Wasserstoff und Kohlenstoffdioxid Benzin, Diesel und Kerosin.

„Das Gelingen der Energiewende braucht Innovationen, die durch kontinuierliche Forschung von den Grundlagen bis zur Anwendung entstehen“, unterstreicht Professor Thomas Hirth, Vizepräsident für Innovation und Internationales am Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). „Der Erfolg von Soletair zeigt, wie wichtig internationale Forschungsnetze sind, die die globalen Herausforderungen angehen und anwendbare Lösungen erarbeiten.“ Ineratec ist eine Ausgründung des KIT und entwickelt, baut und vertreibt chemische Kompaktanlagen für verschiedene Gas-to-X und Power-to-X-Anwendungen.

Wissen ist Wettbewerbsvorteil Ob Branchennews, innovative Produkte, Bildergalerien oder auch exklusive Videointerviews. Sichern auch Sie sich diesen Informationsvorsprung und abonnieren Sie unseren redaktionellen Branchen-Newsletter „Forschung & Entwicklung in Chemie- und Verfahrenstechnik“.

Deutsch-Finnisches Partnerprojekt

Soletair startete im Jahr 2016. Im Sommer 2017 wurde ein dezentraler Anlagenverbund bestehend aus drei Komponenten aufgebaut. Die vom Technischen Forschungszentrum Finnland (VTT) entwickelte „Direct Air Capture“-Einheit filtert das Kohlenstoffdioxid aus der Luft heraus. Eine an der Lappeenranta University of Technology (LUT) entwickelte Elektrolyseeinheit erzeugt mittels Sonnenstrom den notwendigen Wasserstoff. Kohlenstoffdioxid und Wasserstoff werden dann bei hoher Temperatur in reaktives Synthesegas verwandelt und in einem mikrostrukturierten, chemischen Reaktor in flüssige Treibstoffe umgesetzt. Der Reaktor als Herzstück des Ganzen wurde am KIT entwickelt und von Ineratec zu einer marktreifen Kompaktanlage ausgebaut. So wird der komplette Prozess von Photovoltaik und Kohlenstoffdioxid aus der Luft bis zur Kraftstoffsynthese abgebildet und beweist die technische Machbarkeit.

Das KIT, Ineratec und VTT vertiefen ihre Zusammenarbeit gemeinsam im Rahmen der beiden prominenten nationalen Forschungsverbünde „Energy Lab 2.0“ und „Neo-Carbon Energy“ für die Erforschung und Entwicklung innovativer Energiesysteme, die auf erneuerbaren Energien basieren, bei neuen Speichertechnologien sowie bei der Umwandlung von erneuerbarem Strom in chemische Energieträger. Die dezentrale Herstellung hochwertiger synthetischer Kraftstoffe aus Luft und erneuerbarem Strom untersuchen das KIT und Inerateec zusammen mit weiteren Projektpartnern auch in dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Kopernikus-Projekt „Power-to-X“.

Die Power-to-Liquid-Pilotanlage steht seit Sommer 2017 auf dem Campus der LUT und ist an das dortige Solarkraftwerk angeschlossen. Das Projekt Soletair läuft noch bis Mitte 2018 und wird von der Finnischen Finanzierungsagentur für Technik und Innovation (Tekes) mit einer Million Euro gefördert. Informationen, die während des Projektes gesammelt werden, werden für die Kommerzialisierung der Technologie genutzt. Dadurch ergeben sich für Unternehmen neue Geschäftsmodelle, wie etwa hinsichtlich der effizienteren Verwertung von lokalen Überschüssen an erneuerbarem Strom, Wärmenutzungskonzepte, der stofflichen Nutzung von Kohlenstoffdioxid oder der dezentralen Synthese chemischer Energieträger und Zwischenprodukte.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 44803156)