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Chlorchemie vor dem Aus? Keine Zeit zu verlieren: Endgültiges Aus für Quecksilber in der Chlorchemie

| Autor / Redakteur: Åke Eriksson* / Dominik Stephan

Die Zeit läuft ab: In Europa sind die Tage des Amalgamverfahrens in der Chlorproduktion gezählt, und so läuft die Suche nach Alternativen auf Hochtouren – Auch wenn die Frist bis zum Eintritt des Verbots der Quecksilberzellentechnologie in der EU bis Dezember 2017 noch in weiter Ferne zu liegen scheint, bleibt Chlorherstellern, die sich noch nicht mit der Umstellung oder Einstellung des Verfahrens beschäftigt haben, nur noch wenig Zeit. Trotz der Tatsache, dass die neuen Regularien einen schweren Schlag für einen sowieso schon geschwächten Industriezweig bedeuten, ist es für Produzenten deshalb unerlässlich jetzt nach neuen und kosteneffizienten Lösungen zu suchen.

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(Quelle: Eurochlor, Grafik: PROCESS)

Quecksilber ist Geschichte – oder wird es bald sein. Aufgrund jüngster regulatorischer Änderungen steht das Thema ganz oben auf der Tagesordnung der Chemie, die die Quecksilberzellentechnologie für die Chlorproduktion einsetzt: Im letzten Jahr veröffentlichte die Europäische Kommission überarbeitete BVT-Schlussfolgerungen, die die Freisetzung von Schadstoffen beschränken. Daraus geht eindeutig hervor, dass das Quecksilber- oder Amalgamverfahren bis Dezember 2017 eingestellt werden muss.

Das endgültige Aus für die Technologie ist daher eine unverrückbare Tatsache. Nach der Veröffentlichung der Schlussfolgerungen beginnen örtliche Regulierungsbehörden mit der Prüfung erteilter Genehmigungen, um sicherzustellen, dass alle Anlagen innerhalb der nächsten drei Jahre die neuen Bedingungen erfüllen. Verlängerungen gesetzter Fristen sind theoretisch möglich, werden jedoch nur schwer zu rechtfertigen sein – und ein Nichteinhalten hätte hohe Geldstrafen zur Folge.

Deswegen hat Europas Chlorchemie einen schweren Stand

In einer Zeit, in der sich die europäische Industrie ohnehin schwer tut, wird die Umstellung der Produktionsprozesse eine große Herausforderung. Die Kosten, die der Abbau alter und das Errichten von neuen Anlagen bedeutet, werden für manche Firmen kaum zu stemmen sein. Industrie-Insider wie Golder Associates konnten sich bei Stilllegungen von Chlor­alkali-Produktionslinien in Europa, Australien und in den USA aus erster Hand ein Bild von den Außerbetriebnahme- und Umstellungsprozessen machen.

Projekte dieser Art können sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Doch lässt sich der Prozess beschleunigen, indem auf fundierte Erfahrungen zurückgegriffen wird. Typischerweise dauert die Außerbetriebnahme eines Prozesszellen-Saals zwischen drei und fünf Jahren. Die Einrichtung der neuen Membrantechnologie erfordert mindestens weitere zwei Jahre. Die beiden Prozesse können jedoch in Teilen zeitgleich stattfinden.

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Altanlagensanierung mit Überraschungen

Die Sanierung des Erdreichs und des Grundwassers nimmt zusätzlich Jahre in Anspruch, da Quecksilber-Verfahren häufig erhebliche Verunreinigungen nach sich ziehen. Metallisches Quecksilber ist nicht nur eine der mobilsten Sub­stanzen in der Umwelt, sondern auch eine der schwersten bekannten Flüssigkeiten. Ohne natürliche Barrieren dringt die metallische Substanz tief in den Boden: So stellte Golder Associates bei der Arbeit an einem Projekt in Schweden fest, dass das Quecksilber bis in eine Tiefe von über 100 Metern in die Gesteinsmatrix eingedrungen war.

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