Bag-in-Bottle-System Keimfreie Verpackung von Arzneimitteln selbst nach dem Öffnen durch neues Bag-in-Bottle-System

Autor / Redakteur: Gabriele Rzepka / Anke Geipel-Kern

Arzneimittel oder Kosmetika sicher aufzubewahren ist selbstverständlich. Aber wie vermeidet man, dass das offene Medikament oder die Creme verkeimt? Eine neues Bag-in-Bottle-System von Gaplast wirkt als Sauerstoffbarriere. So verpackte Produkte kommen ohne den Zusatz von Konservierungsstoffen aus.

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Das System ist auf den ersten Blick bestechend einfach: Ein fester Außenbehälter ist mit einem flexiblen Innenbeutel ausgestattet, in dem sich das Produkt befindet. Eine Airless-Pumpe sorgt für die luftdichte Entnahme des Inhaltsstoffes. Durch Löcher in der Behälteraußenwand strömt Luft in den Zwischenraum nach, ohne jedoch mit dem Produkt in Kontakt zu kommen. Die Tücke liegt aber auch hier im Detail. „Zu Beginn unserer Entwicklung hat sich der Innenbeutel unkontrolliert zusammengefaltet und hat das Entnahmeventil verstopft.

Darüber hinaus ließ er sich nicht vollständig entleeren“, erinnert sich Roland Kneer, Inhaber und Geschäftsführer von Gaplast. Diese Kinderkrankheiten sind längst überwunden. Das System funktioniert einwandfrei, in jeder Behälterposition. Verfeinert und verbessert erschließen sich immer mehr Anwendungsbereiche, denn was der Pharmaindustrie recht ist, ist der Kosmetikbranche nur billig.

Alles unter Kontrolle

Wie sieht es aber im Innern der luftfreien Verpackung aus? Der gesamte Behälter entsteht im Coextrusions-Blasformverfahren. Verschiedene thermoplastische Kunststoffe liegen durch die Coextrusion in definierten Schichten übereinander und bilden einen Schlauch. Beim Blasformen entsteht daraus der Behälter, die Kontaktflächen des Schlauches verschweißen, so dass ein hermetisch dichter Boden entsteht. Die feste Außenwand des Behälters, bestehend aus PP oder PET, ist jedoch nicht untrennbar mit der Innenschicht verbunden.

Der Innenbeutel aus dem Ethylen-Säure-Copolymer Surlyn von DuPont lässt sich aufgrund einer chemischen Unverträglichkeit leicht von der Behälterwand ablösen. Durch die Quetschnaht ist er quer über den Boden mit dem Behälter fixiert. Im rechten Winkel dazu sind im Boden oder auf der Behälteroberseite zwei Belüftungslöcher angebracht. Das Ergebnis: Der Innenbeutel faltet sich kontrolliert in axialer Richtung zusammen. Der Beutelinhalt liegt ständig am Ventil an – die Ausbringmenge bleibt bis zum Schluss gleich und der Behälter entleert sich nahezu restlos.

Bag-in-Bottle-System besteht aus bis zu sechs Kunststoffschichten

Durch das Herstellverfahren lässt sich das Verpackungsmaterial an die Bedürfnisse des abzufüllenden Produktes anpassen. Aus bis zu sechs Kunststoffschichten kann der Behälter bestehen. Neben der Sauerstoffbarriere von außen nach innen lassen sich auch Barrieren in umgekehrter Richtung denken. Aromatische Verbindungen oder ätherische Öle fordern einen Werkstoff, der diese nicht durch die Kunststoffwand des Innenbeutels nach außen diffundieren lässt.

Je nach Produkteigenschaften erfolgt die Zusammenstellung der Kunststoffschichten. Surlyn ist aufgrund seiner hohen Dehnbarkeit, Sauerstoffundurchlässigkeit und chemischen Unverträglichkeit mit PP oder PET immer dabei. Diese Technik haben inzwischen die Kosmetikkonzerne entdeckt. Gleich ob Make up, Cremes oder Lotions, Keime möchte auch hier kein Kunde auf seinem Körper verteilen. Die heilenden oder pflegenden Inhaltsstoffe sollen dagegen so lang wie möglich frisch bleiben. Für das Airless-System mit Barriereschutz bietet sich ein breites Einsatzgebiet.

Systeme mit zwei einzelnen Flachen in einem Außenbehälter, mit einer einstellbaren Pumpe oder einer im Mischungsverhältnis eins zu eins, sind ebenfalls auf dem Markt. Zwei unterschiedliche Produkte mischen sich auf diese Weise erst im Moment der Entnahme.

Die Gebindegrößen sind vielfältig: Angefangen bei 2,5 ml geht es bis zu einem Liter. Ebenfalls flexibel ist die Gestaltungsform. Von edlen Designermodellen für Kosmetika reicht das Spektrum über funktionale Behälter für Pharmazeutika bis hin zu Tottles, weiche Flaschen, die durch Druck über ein Ventil das Produkt ausbringen und danach wieder in ihre Ausgangsform zurückgehen.

Weitere Produktentwicklungen aus dem Hause Gaplast

Das Unternehmen hat sich viel vorgenommen. Mit vielen neuen Produkten will es auf der Interpack im nächsten Jahr aufwarten. Besonders am Herzen liegt Kneer eine Gelpumpe: „Bei Spray- und Tropfenpumpen gibt es einen guten und preislich attraktiven europäischen Markt. Gelpumpen dagegen sind zu teuer. Die holen wir aus China, was mir jedes Mal Bauchschmerzen bereitet.“ Deshalb entwickelt das Unternehmen gerade seine eigene Gelpumpe. Die Qualität ist so kontrollierbar, aber was ist mit den Kosten?

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Kneer entgegnet selbstbewusst: „Unsere Pumpe wird preislich zu den chinesischen Produkten wettbewerbsfähig sein.“ Zur Interpack wird es sich zeigen. Dort soll auch eine zusammendrückbare Kombination aus Flasche und Tube mit einer Airless-Ventilausbringung präsentiert werden. Dieses System ist für Wundwaschmittel geeignet. Schnell lassen sich große Mengen verteilen, ohne Keime oder Luft in die Flasche zu saugen.

Um dem Kunden zu kommunizieren, warum sein pharmazeutisches oder kosmetisches Produkt nach dem Öffnen länger haltbar ist, möchte das Familienunternehmen künftig seine Verpackungen mit einem Label versehen. Denn auch der Endverbraucher soll wissen, dass die verlängerte PAO (Period after opening) nicht an der Unmenge an Konservierungsstoffen liegt. Im Gegenteil, die PAO verlängert sich aufgrund der Verpackungstechnik – nicht durch den Zusatz von Konservierungsstoffen.

Die Autorin ist freie Mitarbeiterin bei PharmaTEC

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