Accenture-Studie Industrielle Dekarbonisierung: Bis 2030 könnte sie jährlich mehr als 200 Milliarden Euro generieren

Redakteur: Alexander Stark

Die Dekarbonisierung europäischer Unternehmen der Schwerindustrie hat das Potenzial, bis 2030 jährlich mehr als 200 Milliarden Euro an Nettowert zu generieren. Voraussetzung dafür ist die koordinierte Zusammenarbeit des öffentlichen und des privaten Sektors. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie „Energizing Industry“ des Beratungsunternehmens Accenture.

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Der jährliche Nettowert der industriellen Dekarbonisierung könnte sich bis 2030 mehr als verdoppeln.
Der jährliche Nettowert der industriellen Dekarbonisierung könnte sich bis 2030 mehr als verdoppeln.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Kronberg – Zukunftsprognosen für die Preisentwicklung von Kohlenstoffmissionen und Ökostrom bleiben ungewiss. Dennoch zeigt die Studie von Accenture ein erhebliches Potenzial auf: Der jährliche Nettowert der industriellen Dekarbonisierung könnte sich zwischen 2020 und 2030 mehr als verdoppeln – von rund 100 auf knapp über 200 Milliarden Euro pro Jahr. Eine Analyse bestehender und neuer Technologien von Accenture kommt zu dem Ergebnis, dass sich diese Zahl zwischen 2030 und 2040 stabilisieren wird. Gleichzeitig schreitet die Entwicklung neuer innovativer Technologien voran, die im Laufe der Zeit einen weiteren Wertzuwachs ermöglichen. Die meisten transformativen Lösungen, darunter Technologien zur Elektrifizierung sowie zur CO2-Abscheidung und -Speicherung, sind verglichen mit unbehandelt Erdgas finanziell unattraktiv. Das veranlasst viele Unternehmen dazu, sich auf Effizienzsteigerungen in ihren industriellen Prozessen zu konzentrieren.

Der aktuellen Studie zufolge ergreifen Unternehmen bereits Maßnahmen: 40 % der Investitionen in den letzten fünf Jahren waren mit der Dekarbonisierung verbunden. Diese umfassten Investitionen in erneuerbare Energien, Wasserstoff, intelligente Cloud-Technologien und Energieversorgung. Dennoch zeigt eine Auswertung aller globaler Patentanmeldungen, die im Zusammenhang mit Kohlenstoff stehen, einen Negativtrend: Die Entwicklung neuer Technologien oder Lösungen zur Eindämmung des Klimawandels verlangsamt sich seit 2013. Vielmehr richten sich neue Patente zunehmend auf Kostenvorteile und Skalierung – ein Anzeichen für technologische Reife.

Nichtsdestotrotz lassen die Ergebnisse der Studie darauf schließen, dass europäische Industrieunternehmen auch weiterhin neue Geschäftsmodelle ausbauen. Chemieunternehmen etwa tätigen hohe Investitionen in 3D-Druck, Biokraftstoffe, Wasserstoff und Batterietechnologie. Energieunternehmen konzentrieren sich intensiv auf Plattform-Ökosysteme, Cloud-Technologien und erneuerbare Energien und Unternehmen aus den Sektoren Bergbau, Metalle und Baustoffe investieren stärker in die Energieversorgung und Chemikalien, beispielsweise in Wasserstoff.

Laut der Studie hat Wasserstoff großes Potenzial, die Emissionen in der Schwerindustrie deutlich zu reduzieren, da er herkömmliche Kraftstoffe teilweise ersetzen kann. Prognosen zufolge wird der Nettogesamtwert der Implementierung von Wasserstoff zwischen 2020 und 2040 von etwa 20 auf 100 Milliarden Euro jährlich ansteigen. Eine Umstellung auf Erdgas würde hingegen einem abnehmenden Trend folgen und von elf Milliarden Euro Gesamtnettowert im Jahr 2020 auf sechs Milliarden Euro im Jahr 2040 sinken.

Die befragten Führungskräfte aus der Schwerindustrie gaben an, sich angemessen vorbereitet zu fühlen, um den komplexen Wandel voranzutreiben. Gleichwohl eine schnellere Dekarbonisierung der Industrie nur in Zusammenarbeit mit den Regierungsverantwortlichen möglich ist. Ohne konsequente Maßnahmen des öffentlichen Sektors sind die Industrien einem Wettbewerbsrisiko ausgesetzt. Daher werden Innovation und Zusammenarbeit zwischen den Sektoren laut Accenture entscheidend sein. Nur gemeinsam lasse sich ein zusätzlicher Mehrwert aus der industriellen Dekarbonisierung ziehen. Das Beratungsunternehmen schlägt einige gezielte Maßnahmen vor, die die europäische Industrie ergreifen sollte.

  • Konzentration darauf die Effizienz zu steigern und neue Geschäftsmodelle zu identifizieren, zum Beispiel durch Benchmarking mit der Konkurrenz und führenden Unternehmen der Branche
  • Einführung neuer Technologien, umfassendere Maßnahmen zur Preisgestaltung für Kohlenstoff, gemeinsame Investitionen und Allianzen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg; sowie eine bessere Vorauswahl der Lieferanten auf Basis ihres CO2-Fußabdrucks
  • Förderung einer innovativen Unternehmenskultur, die es erfolgreichen Akteuren ermöglicht, neue Chancen schneller als ihre Konkurrenz zu nutzen

Zusätzlich können laut Accenture gezielte Maßnahmen des Öffentlichen Sektors in den folgenden Bereichen dazu beitragen, einen erfolgreichen industriellen Übergang zu einer emissionsfreien Wirtschaft zu ermöglichen:

  • Implementierung von Rahmenbedingungen, die sicherstellen, dass Unternehmen die versteckten Kosten von Kohlenstoff gänzlich überblicken
  • Festlegung eines konkreten und zuverlässigen Mechanismus für den CO2-Preis einschließlich eines erheblichen Grundpreises, der im Laufe der Zeit zuverlässig ansteigt, um technologische Innovationen und Investitionen zu fördern
  • Förderung der Wasserstoffwirtschaft sowohl auf der Angebots- als auch der Nachfrageseite durch eine Reihe von Maßnahmen, einschließlich Quoten und Steuervergünstigungen

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