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Prozessautomatisierung

Honeywell-Anwendertreffen mehr als nur eine Innovationsschau in der Prozessautomatisierung

| Redakteur: Gerd Kielburger

Traditionell lädt Honeywell Process Solutions im Herbst zur großen EMEA Anwender-Konferenz ein. Auch im vergangenen November folgten rund 400 Teilnehmer der Einladung, um sich über Innovationen in der Prozessautomatisierung zu informieren und Erfahrungen auszutauschen.

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Rund 400 Teilnehmer folgten der Einladung zur Anwender-Konferenz von Honeywell Process Solutions.
Rund 400 Teilnehmer folgten der Einladung zur Anwender-Konferenz von Honeywell Process Solutions.
( Archiv: Vogel Business Media )

Sicherheit, Zuverlässigkeit und Effizienz – hinter diesen zentralen Schlagwörtern verbirgt sich nicht nur die Herausforderung der Prozessindustrie, sondern auch das Motto der Honeywell EMEA-Anwender-Konferenz, die vom 5. bis 8. November vergangenen Jahres in der Mozartstadt Salzburg stattfand: ‚Solutions at Work‘ mit dem allgegenwärtigen Ziel der Performance-Verbesserung. Kein banales Thema, denn nach einer jüngeren Untersuchung der Marktanalysten von ARC werden bei weniger als 30 Prozent aller Automatisierungsprojekte weltweit die technischen Fähigkeiten der modernen Prozessinstrumentierung voll ausgenutzt. Derartige Zahlen verdeutlichen, wie viel Optimierungspotenzial nach wie vor in den unterschiedlichsten Produktionsanlagen der Prozessindustrie steckt und spornen Prozessautomatisierer wie HPS zu weiterem Engagement an.

Wie bereits in den Vorjahren, so war auch diesmal das Vortragsprogramm durch das von Anwendern dominierte ‚Steering Commitee‘ reichlich mit Vorträgen zu technologischen Weiterentwicklungen, aber auch branchenspezifischen Fragestellungen sowie Roundtable-Diskussionen gespickt und straff durchorganisiert. Wer nur trockene Fachmaterie oder akademischen Dialog erwartete, wurde erneut durch einen mit neuester Technologie voll gepackten Demo-Raum positiv überrascht. Hier konnten alle wichtigen Honeywell-Produkte und Systeme in Augenschein genommen werden. Ergänzend präsentierten sich Honeywell-Partnerunternehmen wie Barco, MTL, Pepperl+Fuchs, Turck, Flowserv und Intergraph mit ihren Produkten.

Von Alarm-Management bis Wireless

Zu den großen Themenblöcken der viertägigen Veranstaltung zählten diesmal erneut das nach wie vor für Anwender leidige Thema Alarm-Management, aber auch Performance Management, Wireless-Technologien, Process Engineering und Design sowie Simulationstools sowie das Release der Controller Plattform Experion R 300 standen auf der Agenda. In allen Fällen bietet HPS jeweils eigene neue bzw. erweiterte Produkte oder Systeme an. Vor allem beim Hype-Thema Wireless sieht sich das Honeywell-Management als derzeit wichtigster Komplettanbieter, wenngleich die Prozessindustrie insgesamt erst am Anfang der Entwicklung steht. „Wireless-Technologien werden die Zukunft der Prozessindustrie radikal verändern, vergleichbar mit den Veränderungen, die durch Prozessleitsysteme herbeigeführt wurden“, äußerte sich Jean-Marie Alliet, Director Sales Support EMEA, gegenüber PROCESS.

Wie ernst man es beim Wireless-Thema bei HPS meint, zeigt das mittlerweile umfassende Produktportfolio des Anbieters (PROCESS berichtete in Ausgabe 1-2007, S. 28/29). Nur wenige Wochen nach dem Anwender-Event folgte bereits die Information, dass Honeywell in Zusammenarbeit mit SKF, dem Weltmarktführer bei Wälz- und Kugellagern, das OneWireless Equipment Health Monitoring (EHM) einführt. Dadurch erweitert Honeywell sein Angebot industrieller funkbasierter Lösungen erneut. OneWireless EHM übermittelt drahtlos umfassende spektrale Informationen vom Feld in die Messwarte, einschließlich Schwingungsamplitude und relevanter Betriebsparameter. Durch die verringerten Wartungskosten verbessere sich das Betriebsergebnis, so die Argumentation.

OneWireless EHM sei daher eine leistungsfähige Alternative zur manuellen Inspektion, die in vielen industriellen Anlagen angewandt wird, um den Zustand rotierender Instrumente wie Pumpen, Kompressoren und Motoren zu überwachen. Die kompakte, Acht-Kanal (4X Vibration, 4X 4-20 mA) Überwachungseinheit kommuniziert über das universelle OneWireless Mesh-Netzwerk von Honeywell. Es sammelt Daten über Beschleunigung, Geschwindigkeit, Temperatur sowie zum Zustand von Lagern und übermittelt diese an Bedien- und Wartungspersonal, um sie über die Situation in der Anlage auf dem Laufenden zu halten. „Verdrahtete Instrumentierungen bieten effektive Möglichkeiten zur Zustandsüberwachung. Jedoch können die Kosten für die Einrichtungen und deren Installation sehr hoch sein.

Die wenigen drahtlosen Alternativen sind hinsichtlich ihrer Funktionalität und den gelieferten Informationen sehr begrenzt“, erklärt Jeff Becker, Global Wireless Business Director bei HPS. OneWireless EHM bietet alle Möglichkeiten, um Informationen über den Zustand von Einrichtungen zu erfassen und zu analysieren. Es enthält Komponenten zur Datenerfassung, die Software zur Verwaltung der Datenbasis sowie eine Unterstützung bei der Installation. Die Software ermittelt mögliche Lagerungsdefekte, fehlerhafte Anbringung, Pumpenkavitation sowie die Abnutzung von Laufrädern und generiert auf dieser Basis Hinweise, die in die Datenkonfiguration des Leitsystems oder der Asset Management-Plattform eingehen können. Darüber hinaus kann das System in weniger als vier Stunden in ein vorinstalliertes OneWireless Netz installiert und in die Honeywell-Leittechnik integriert werden. Zusätzlich zu den Einzelkomponenten bietet Honeywell ein Starter Kit an, das je nach individuellen Bedürfnissen alle notwendigen Elemente für eine drahtlose Überwachung von vier bis acht Anlageneinrichtungen enthält.

Enraf-Übernahme verbreitert Horizont

Großen Raum des Events nahm auch das neue Produktportfolio des 260 Millionen-Zukaufs der Enraf Holding B.V. ein. „In der gesamten Lieferkette der Energieerzeugung profitieren sowohl die Kunden von Enraf als auch von Honeywell Process Solutions von dieser Übernahme“, erklärte Jack Bolick, Präsident von Honeywell Process Solutions per Videobotschaft. „Dank der Integration der Enraf-Produkte können wir umfangreichere Lösungen anbieten, mit denen die Installations-, Betriebs- und Entwicklungskosten verringert und die Leistungsfähigkeit unserer Kunden verbessert werden. Die Übernahme bietet zusätzlich Wachstumschancen innerhalb unseres bereits vorhandenen Kundenstammes sowie in neuen Bereichen wie Bio-Kraftstoff, Gasverflüssigungsstationen und in der Petrochemie.“ Das Produktangebot von Enraf für Messeinrichtungen, Bestandsmanagement, die Zugabe von Additiven und Applikationen für den Schutz bei Flüssigkeitstransfers ergänzen Honeywells umfassendes Portfolio für die Prozessführung, Prozesssicherheit, Anlagenverfügbarkeit und bei weiterführenden Applikationen in Raffinerien, Öl-, Gas- und Petrochemischen Unternehmen. Der Erwerb stärkt die Position von HPS in der Wertschöpfungskette der wachstumsstarken Öl- und Gasindustrie und erweitert das Portfolio um Lösungen zur Automatisierung und zum Bestandsmanagement in Tanklägern, Verteilerstationen und bei der Gasverflüssigung.

Wachstum durch Kooperation im Segment Durchfluss

Nicht unerwartet wurde auch die Markteinführung neuer, leistungsstarker Durchflussmessgeräte mit der VersaFlow-Produktlinie thematisiert. Bereits im Juni vergangenen Jahres hatte Honeywell bekannt gegeben, dass man Krohne Messtechnik mit der Fertigung der Messgeräte unter Beachtung der eigenen Qualitäts-, Leistungs- und Zuverlässigkeitsstandards beauftragt hat. Honeywell übernimmt dagegen Verkauf und Service der Produkte. Die Produktlinie umfasst elektromagnetische, Coriolis-, Ultraschall- und Vortex-Durchflussmessgeräte.

VersaFlow steht für die längst überfällige strategische Erweiterung des Feldgeräte-Portfolios von Honeywell. Das Unternehmen möchte eigenen Angaben zufolge damit ein deutliches Zeichen im Markt für Durchflussmessgeräte setzen. „Unsere Kunden erwarten von uns verschiedenste Prozessmessgeräte, die kompatibel zu unserer Automationsplattform sind“, erklärt John Bollick die Strategie. Ziel sei es, sich zum One-Stop-Shop für Prozessautomatisierung zu entwickeln. Kooperationen mit anderen Marktplayern scheinen dabei ein wohlbedachtes Wachstumsrezept. Durch die Kombination der Erfahrung von Krohne mit den weltweiten Serviceleistungen von Honeywell möchte man zukünftig die Kundenerwartungen erfüllen: Feldgeräte der Ebene 1 und Systemlösungen aus einer Hand. Honeywell habe sich für Krohne entschieden, weil das Unternehmen weltweit für Qualität stehe und von einer mehr als 80-jährigen Erfahrung in der Entwicklung und Herstellung von Durchflussmessgeräten profitiert, so ein Firmensprecher. Die VersaFlow-Messgeräte von Honeywell wurden entwickelt, um genaue und zuverlässige Messungen im Rahmen anspruchsvoller Anwendungen in verschiedensten Industriezweigen zu ermöglichen:

Das elektromagnetische VersaFlow-Durchflussmessgerät ist ein universell einsetzbarer Messumformer, der für eine ganze Reihe von Messaufgaben und Anwendungen geeignet ist. Es arbeitet extrem zuverlässig, auch wenn der Messstoff schnell wechselt, der pH-Wert sich ändert, die Durchflussmenge stark variiert oder große Mengen von Feststoffen enthalten sind.

Das VersaFlow-Ultraschall-Durchflussmessgerät wurde für zuverlässige Messungen von Flüssigkeiten entwickelt, unabhängig von der elektrischen Leitfähigkeit, der Viskosität, der Temperatur, der Dichte und dem Druck. Das Gerät misst in drei verschiedenen Richtungen und liefert dadurch Ergebnisse unabhängig vom Fließprofil.

Das VersaFlow-Vortex-Durchflussmessgerät ist das nach eigenen Angaben einzige Gerät mit 2-Leiter-Technologie und integrierter Druck- und Temperaturkompensation. Es ermittelt zuverlässig den Betriebs-, Normvolumen- und Massedurchfluss.

Fazit des Anwendertreffens in Salzburg: ein durchweg gelungenes Event, bei dem der persönliche Erfahrungsaustausch der internationalen Anwender untereinander und mit dem Anbieter nicht zu kurz kam. Das kommende EMEA-Treffen findet vom 27. bis 30. Oktober 2008 in Berlin statt.

Applikationsstory: Rationalisiert, reduziert, verbessert

Kurz vor Weihnachten gab Honeywell bekannt, dass man die leittechnische Installation der Kronos-Anlage in Leverkusen auf den neuesten Stand bringen und dadurch die Produktivität des Betriebes erhöhen und die Betriebskosten senken wird. Kronos ist einer der weltweit größten Hersteller von Titandi-oxidpigmenten, die in Farben, Kunststoffen, Papier und Konsumgütern verwendet werden. Das Projekt, das bereits im September 2007 startete, stellt die bestehenden Honeywell Prozessleitsysteme auf das neue Honeywell Experion Process Knowledge System (PKS) um. Die Aktualisierung beinhaltet nach Aussage von Reinhard Adam, Geschäftsführer bei Honeywell in Deutschland, auch Komponenten wie den Field Device Manager oder Elemente des Alarm Managements und des Lifecycle Managements. Außerdem sind Schulungen für die Anwender sowie technische Unterstützung enthalten. Der Digital Video Manager von Honeywell wird als Teil eines separaten Projektes installiert. Die neue Technologie bietet zahlreiche Vorteile wie beispielsweise den erweiterten Zugriff auf eine Vielzahl prozesskritischer Informationen, die dem Nutzer eine optimale Entscheidungsfindung ermöglichen und darüber hinaus die Produktivität und die Wirtschaftlichkeit in der Anlage erhöhen. Michael Brassels, Direktor für Process & Engineering bei Kronos: „Darüber hinaus trägt das migrierte System zu einer flexibleren Produktion und geringeren Betriebskosten bei. Die Verbesserungen ermöglichen uns, Energie und Arbeitskräfte effizienter einzusetzen.“

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