Rohstoffversorgung

Hohe Importabhängigkeit aufgrund kritischer Rohstoffversorgung

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Besondere Sorgen dürften deutschen Rohstoffeinkäufern mögliche Unterbrechungen der Rohstoff-Supply-Chain bereiten. Denn obwohl Deutschland auf eine lange Tradition als Rohstoffförderer zurückblicken kann, müssen heute die Metallrohstoffe importiert werden. Wurde Eisenerz Anfang der 1960er-Jahre noch zu gut einem Drittel aus heimischer Erde in die heimischen Hochöfen befördert, ist man inzwischen gänzlich auf Einfuhren angewiesen. Generell liegt die Importquote bei Metallrohstoffen bei 100 %, wie aus der VBW-Studie „Rohstoffsituation der bayerischen Wirtschaft“ hervorgeht. Eine nennenswerte Förderung in Deutschland, so das Fazit, besteht nicht mehr – und genau das macht verwundbar.

Angesichts der Tatsache, „dass der Besitz von Metallen und die Fähigkeit, damit umzugehen, immer ein strategischer Vorteil für ganze Gesellschaften war“, wie Bifa-Chef Rommel betonte, hätte eine längere oder dauerhafte Unterbrechung der Lieferkette für ein Industrieland wie die Bundesrepublik gravierende Folgen. „Moderne Industrieprodukte ohne Metalle“, so Rommel, „sind schlicht undenkbar.“ Deshalb liegt das Risiko für die Rohstoff verarbeitende Industrie in Deutschland nicht nur in der Preisentwicklung, sondern auch in der langfristigen Versorgung mit metallischen Rohstoffen.

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Monopolisierung birgt Gefahren

Neben der Frage der Geologie sind in diesem Zusammenhang die Markt- und Regulierungsbedingungen von Bedeutung sowie die hohe Konzentration auf der Anbieterseite. So beläuft sich der Marktanteil Chinas bei Seltenen Erden auf rund 90 %. Und das ist nicht ohne, denn Seltene Erden sind Metalle, die in einer Vielzahl von Hightech-Produkten wie Halbleitern, Elektromotoren, Automatisierungssystemen oder Flugzeugtriebwerken zum Einsatz kommen und die nicht zuletzt für die Energiewende in Deutschland von elementarer Bedeutung sind (Batterien, E-Autos).

Dabei gibt es keineswegs nur in China Lagerstätten für Seltene Erden, sondern auch in anderen Ländern wie den USA. Allerdings ist die Gewinnung dieser Materialien eine Kostenfrage, denn sie kommen meist nur als „Beifang“ anderer Metalle vor. „China hat eben die dafür erforderlichen Anlagen“, so Dr. Siegfried Kreibe vom Bifa-Umweltinstitut, „die sich dort auch wirtschaftlich betreiben lassen.“ Außerdem sind die Umweltbelastungen im Seltene-Erden-Bereich enorm – in China aber bis dato kein großes Thema. Der Aufbau solcher Anlagen in anderen Teilen der Welt wäre möglich, jedoch sehr kostspielig. „Dafür bedarf es eines langen Atems, den die wenigsten Investoren haben“, weiß Bifa-Mann Kreibe.

Politische Risiken schwer handhabbar

Besonders heikel sind im Rohstoffkontext aber die politischen Risiken, „da man zwar relativ gut mit Preis- und Marktrisiken umgehen kann, hingegen eher schlecht mit politischen Risiken“, wie IW-Experte Bardt erläuterte. So wird eine Region als „Risikoland“ bezeichnet, wenn die wirtschaftliche oder politische Lage derart instabil ist, dass mit Förderrückgängen oder Lieferausfällen durch Unruhen oder Investitionsengpässe zu rechnen ist. In solchen Ländern werden Rohstoffe obendrein schnell zu „Konfliktmineralien“. Verarbeitern, die keine Transparenz über ihre Lieferketten haben, drohen Reputationsrisiken, wie Friedel Hütz-Adams vom Südwind-Institut für Ökonomie und Ökologie beim „Talk im Technikum“ nachdrücklich betonte. Dabei geht es um mehr als um einen Ansehensverlust in der Öffentlichkeit.

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