Suchen

Abwassertransport Geregelte und kostengünstige Abwasserreinigung durch Pumpendruckleitungen

| Autor / Redakteur: Maik Wötzel / Dr. Jörg Kempf

Die klassische Form des Abwassertransports ist der Freispiegelkanal, der sich seit über 160 Jahren bewährt hat. Immer häufiger werden jedoch als Alternative Pumpendruckleitungen eingesetzt. Erfahren Sie an einem Praxisbeispiel, warum und wann sich diese Lösung lohnen kann.

Firmen zum Thema

Blick in eine Grundfos-Liftstation Typ PE 08.40E
Blick in eine Grundfos-Liftstation Typ PE 08.40E
(Bild: Grundfos)

Bei der Druckentwässerung fördern kleinere Hauspumpstationen das Abwasser einzelner Häuser oder Häusergruppen in ein Druckrohrnetz. Die Fließvorgänge werden dabei meist von Druckluftspülstationen geregelt oder unterstützt. Bei mangelndem Gefälle, ungünstigen Untergrundverhältnissen und/oder hohem Grundwasserstand ist die Druckentwässerung klar im Vorteil. Das geschlossene, dichte Rohrsystem verhindert die Kontaminierung des Grundwassers. Darüber hinaus ist eine sichere, weil geregelte Abwasserreinigung durch die nächstgelegene Kläranlage sichergestellt.

Event-Tipp der Redaktion Uner den Motto „Damit Ihre Pumpe sicher und zuverlässig läuft: Experten-Tipps für den Umgang mit feststoffhaltigen und anderen schwierigen Fördermedien“ veranstaltet PROCESS bereits das 14. Pumpen-Forum. Im Vordergrund der Veranstaltung stehen konkrete Anwendungsfälle und -probleme aus dem Berufsalltag unserer Teilnehmer. Weitere Informationen zum Programm und zur Anmeldung finden Sie auf unserer Event-Seite.

Da bei der Abwasserentsorgung vor allem in ländlichen Gebieten mehr als 80 % der Kosten auf die Kanalisation entfallen, ist hier zudem das größte Einsparpotenzial. Kleiner dimensionierte Leitungsquerschnitte (siehe Europanorm EN 1671) sind wesentlich kostengünstiger zu errichten als ein Freispiegelkanal.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 7 Bildern

Bei Druckrohrleitungen spielen zwei wesentliche Komponenten eine entscheidende Rolle: die eingesetzte Pumpentechnik und die Druckluftspülstationen. Im Folgenden wird ein Beispiel aus der Praxis beschrieben.

Der Markt Legau liegt in der Region Donau Iller südlich von Memmingen. Er besteht aus den Ortsteilen Legau und Maria Steinbach sowie zahlreichen Streusiedlungen und Einzelgehöften. Das gesamte Gebiet ist stark landwirtschaftlich geprägt. Die beiden angesprochenen Ortsteile sind seit vielen Jahren an die öffentliche Abwasserkanalisation mit Ableitung und fachgerechter Behandlung in der Kläranlage der VG (Verwaltungsgemeinschaft) Illerwinkel angeschlossen. Die Siedlungen im Außenbereich waren bis zum Jahr 2015 für die Abwasserbehandlung eigenverantwortlich zuständig.

Um eine geregelte Abwasserreinigung für die privaten und gewerblichen Grundstücke südlich von Legau zu erreichen und gleichzeitig den Schutz des in der Nähe gelegenen Trinkwasser-Gewinnungsgebietes zu verbessern, wurde nach einer Optimierungsmöglichkeit der Abwasserbehandlung gesucht. Nach Abwägen aller vorliegenden Fakten entschloss sich die Gemeindevertretung zur Verlegung einer Druckrohrleitung.

Dabei wurde das vorhandene Trennsystem beibehalten. Das anfallende Oberflächenwasser wird in die bereits vorhandenen Systeme eingeleitet. Das häusliche und gewerbliche Schmutzwasser wird hingegen gesammelt und über Abwasserpumpschächte und eine Druckleitung ins öffentliche Kanalnetz abgeleitet. Die vorhandene Kläranlage der VG Illerwinkel ist in der Lage die zusätzlichen Abwassermengen problemlos aufzunehmen.

Die Planung sah vor, die Trasse für die Druckleitung generell an vorhanden Straßen und Wege auszurichten. Die unterschiedlichen Leitungsdurchmesser von DA50 bis DA90 ergaben sich in Abhängigkeit der angeschlossenen Einwohner. Die Baumaßnahmen wurden 2015 durchgeführt, die letzten Anschlussarbeiten Mitte 2016 abgeschlossen.

(ID:44215484)