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Weitere Wettbewerbsauflagen

Geht Linde/Praxair-Fusion die Luft aus?

| Redakteur: Alexander Stark

Die geplante Fusion von Praxair und Linde droht an den Auflagen der Wettbewerbsbehörden zu scheitern. Offenbar verlangt die US-Kartellbehörde FTC den Verkauf von weiteren Unternehmensteilen in einem Umfang, der die von den Unternehmen vereinbarte Umsatzobergrenze von 3,7 Milliarden Euro überschreiten würde.

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Die Fusion zwischen Linde und Praxair könnte durch Auflagen der FTC auf der Zielgeraden scheitern.
Die Fusion zwischen Linde und Praxair könnte durch Auflagen der FTC auf der Zielgeraden scheitern.
(Bild: Storage tanks for gas by Linde group, Spuihaven, Schiedam, Rotterdam / Storage tanks for gas by Linde group, Spuihaven, Schiedam, Rotterdam / Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 / BY-SA 4.0)

Pullach – Anfang dieser Woche hat die europäische Kartellbehörde dem Zusammenschluss der beiden Unternehmen noch unter Auflagen zugestimmt. Dazu gehörte, dass Praxair sein gesamtes Gasgeschäft in Europa verkaufen sollte. Im Juli hatte das amerikanische Unternehmen deshalb bereits angekündigt, die europäische Gassparte an den japanischen Konzern Taiyo Nippon Sanso verkaufen zu wollen, um den kartellrechtlichen Bedenken entgegen zu kommen. Fünf Milliarden Doller vereinbarten die beiden Unternehmen als Kaufpreis für das Gasgeschäft. Mit Taiyo sollte nach dem Verschwinden von Praxair neben Linde, Air Liquide und Air Products ein vierter Anbieter in Europa für ausgeglichene Wettbewerbsbedingungen in Europa sorgen.

Nun scheint die amerikanischen Kontrollbehörde FTC aber noch weitergehende Auflagen an die Fusionspartner zu stellen und damit das gemeinsam vereinbarte Umsatzvolumen der zu veräußernden Unternehmensteile zu überschreiten. Linde und Praxair hatten vereinbart, dass Veräußerung von Geschäftsteilen nicht über 3,7 Milliarden Euro Jahresumsatz liegen darf. Gemäß Business Combination Agreement müssten sowohl Linde als auch Praxair Veräußerungszusagen oberhalb einer solchen Grenze zustimmen, ließen die Unternehmen wissen. In einer Ad-hoc-Meldung erklärte Linde am Mittwoch, dass auf Basis weiterer Rückmeldungen von Wettbewerbsbehörden nunmehr davon auszugehen sei, dass die umsatzbezogene Obergrenze für Veräußerungszusagen überschritten werde.

Die Zeit drängt

Anfang August teilte Linde mit, dass in Gesprächen mit verschiedenen Wettbewerbsbehörden sich weitere Hinweise darauf ergeben hätten, dass eine fusionskontrollrechtliche Freigabe des Zusammenschlusses mit höheren Anforderungen verbunden sein könnte, als bisher erwartet. Die FTC hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Erwartungen im Hinblick auf zusätzliche Veräußerungszusagen und die betreffenden Erwerber geäußert, die für eine kontrollrechtliche Freigabe als erforderlich angesehen werden. Nach der Analyse dieser Erwartungen scheint Linde nun zu befürchten, dass die Umsatzobergrenze für verkaufte Geschäftsbereiche gerissen wird.

Die Fusion steht auch unter erheblichem Zeitdruck. Denn aus börsenrechtlichen Gründen muss sie bis zum 24. Oktober 2018 abgeschlossen sein. Dennoch scheint man bei Linde und Praxair noch optimistisch zu sein, die Fusion in trockene Tücher bringen zu können. Die konstruktiven Gespräche miteinander sollen fortgesetzt werden und man diskutiere mit den Wettbewerbsbehörden, wie deren Anforderungen erfüllt werden können, gab Linde bekannt. Die Gespräche mit der FTC über die erforderlichen Veräußerungszusagen würden mit dem Ziel fortgesetzt, ein für die Beteiligten akzeptables Ergebnis zu erreichen.

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