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50 Jahre Baypren-Produktion Frischzellenkur für den Bayprenbetrieb in Dormagen

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

Der Chloropren-Kautschuk-Betrieb in Dormagen hat mittlerweile 50 Jahre auf dem Buckel. Doch die Verfahrenstechniker des Spezialchemiekonzerns Lanxess verpassen der Anlage alle paar Jahre eine Frischzellenkur. Schließlich ist Synthesekautschuk einer der Verkaufsschlager des Unternehmens.

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Lanxess produziert am Standort Dormagen Chloropren-Kautschuk der Marke Baypren. Dieser wird unter anderem im Automobilsektor zur Herstellung von Scheibenwischern, Schläuchen, Riemen, Dichtungen und Luftfedern eingesetzt.
Lanxess produziert am Standort Dormagen Chloropren-Kautschuk der Marke Baypren. Dieser wird unter anderem im Automobilsektor zur Herstellung von Scheibenwischern, Schläuchen, Riemen, Dichtungen und Luftfedern eingesetzt.
(Bild: Lanxess)

Dormagen – Der Baypren-Betrieb gehört zu den traditionsreichen Produktionsstätten im Dormagener Chemiepark. Hier wird seit 50 Jahren synthetischer Chloropren-Kautschuk auf der Basis des Rohstoffs Butadien hergestellt – der einzige Kautschuk-Betrieb mit kontinuierlicher Polymerisationstechnik.

Kontinuierlicher Ausbau des Betriebs

Seit ihrem Bestehen wird die Anlage kontinuierlich verbessert und ausgebaut. Erst im vergangenen Jahr hat Lanxess rund 18 Millionen Euro in eine neue Produktionsstraße investiert. Dort kommt die neuartige, selbst entwickelte und zur Marktreife gebrachte, „Dry Finishing“-Produktionstechnologie zum Einsatz. Sie ermöglicht es, die Anzahl der Produktionsschritte zu reduzieren und den Synthesekautschuk ressourcenschonender herzustellen. Unter anderem erfolgt die Entwässerung des Kautschuks in einem speziellen Extrusionsapparat. In der Folge wird deutlich weniger Wasser benötigt – und damit auch weniger Abwasser produziert. Zudem entfällt der Einsatz von Erdgas, der bislang notwendig war, um den Kautschuk zu trocknen. Dadurch entsteht weniger Abluft.

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Gleichzeitig hat der Spezialchemie-Konzern sein Produktportfolio am Standort Dormagen im vergangenen Jahr um zwei neue Varianten des Hochleistungs-Synthesekautschuks ergänzt. Seit der jüngsten Erweiterung produziert die Anlage rund zehn Prozent mehr im Jahr und erreicht eine Produktionskapazität von 75000 Tonnen pro Jahr.

Ein langer Weg bis nach Dormagen

Alles begann in den USA. Als die US-Firma Dupont 1932 den ersten Chloropren-Kautschuk unter dem Namen Duprene auf den Markt brachte, war es noch ein weiter Weg bis zur Produktion in Deutschland. Chloropren-Kautschuk ist weicher und elastischer, aber auch ölfester und gasdichter als andere Kautschuke. Außerdem wird er ohne Schwefel vulkanisiert. Allerdings war er für den in Deutschland vorgesehenen Einsatz in Reifen nicht geeignet, wie Tests Mitte der 1930er-Jahre erwiesen.

Erst 1953 arbeiteten Bayer-Chemiker wieder an dem Projekt Chloropren-Kautschuk. 1955 wurde das erste Versuchsprodukt nach dem Acetylen-Verfahren hergestellt. Im April 1957 begann die Produktion am Standort Leverkusen unter dem Markennamen Perbunan C (C für Chloropren), dem heutigen Baypren, mit einer Kapazität von 2400 Tonnen pro Jahr.

Die Nachfrage nach synthetischem Kautschuk stieg rasch, so dass immer mehr Kautschuktypen auf den Markt kamen und die Kapazitäten stetig ausgebaut wurden. Von 1965 bis 1968 wurde die Chloropren-Kautschuk-Produktion stufenweise nach Dormagen verlegt, 1965 begann die Herstellung in dem bis heute produzierenden Betrieb. Drei Jahre später wurde die CR-Produktion in Dormagen gebündelt.

Im selben Jahr wurde der Verkaufsschlager schließlich in Baypren umbenannt, um ihn besser vom Nitrilkautschuk abzugrenzen, der unter dem Namen Perbunan N vertrieben wird. Seit 1975 produziert der Baypren-Betrieb den Chloropren-Kautschuk ausschließlich auf Butadien-Basis, die eine deutlich einfachere und sichere Herstellung erlaubt. Der Traditions-Betrieb gehört seit 2004 zu Lanxess.

Polychloropren-Festkautschuke der Marke Baypren werden unter anderem im Automobilsektor für die Herstellung von Scheibenwischern, Schläuchen, Riemen, Dichtungen, Bälgen, Isolierschäumen und Luftfedern eingesetzt. Zudem sorgen sie dafür, dass aus Schwimmkörpern von Schlauchbooten keine Luft entweicht, und sie schützen in Wassersportanzügen vor Unterkühlung sowie vor Verletzungen. Weltweit ist fast jeder zweite dieser Schutzanzüge aus dem Material hergestellt. Die Hochleistungs-Synthesekautschuke aus dem Betrieb sind vielseitig einsetzbar und zeichnen sich durch ihre Witterungs-, Öl- und Hitzebeständigkeit sowie durch ihre Gasundurchlässigkeit aus.

Darüber hinaus wird Chloropren-Kautschuk auch als ein wichtiger Rohstoff für Klebstoffe oder aber für Latexanwendungen, beispielsweise für die Produktion von Gummihandschuhen im Tauchverfahren, eingesetzt.

Zentrum für synthetische Hochleistungskautschuke

Dormagen ist mit rund 1000 Mitarbeitern der drittgrößte Produktionsstandort von Lanxess in Deutschland und einer der wichtigsten für synthetische Kautschuke weltweit. Allein im Baypren-Betrieb, der zum Geschäftsbereich High Performance Elastomers (HPE) gehört, arbeiten rund 250 Mitarbeiter. HPE gehört zum Segment Performance Polymers, das im Geschäftsjahr 2014 einen Umsatz von rund 4,1 Milliarden Euro erzielte.

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