Energiemanagement Energiemanagement-System zur weiteren Effizienzsteigerung in der Faserproduktion

Autor / Redakteur: Dipl.-Ing. Rudolf Traxler und Dipl.-Inf. (FH) Carsten Schmidt / Dr. Jörg Kempf

Lenzing, ein weltweit agierender Hersteller von Cellulosefasern, hat im Zuge seiner Energiesparpolitik in eine Energiemanagementsoftware investiert, um eine Vielzahl von Daten unterschiedlicher Energieflüsse systematisch auszuwerten. Das Ziel: den Effizienzgrad aller Prozesse von der Energieerzeugung bis zu den einzelnen Produktionsprozessen noch weiter auszureizen.

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Die Zellulosefaserproduktion ist sehr energieintensiv, weshalb bei der Energieerzeugung effizienten Prozessen sehr viel Aufmerksamkeit gewidmet wird. (Bild: Siemens)
Die Zellulosefaserproduktion ist sehr energieintensiv, weshalb bei der Energieerzeugung effizienten Prozessen sehr viel Aufmerksamkeit gewidmet wird. (Bild: Siemens)

Mit einem Umsatz von über 1,2 Milliarden Euro und einem Exportanteil von über 90 Prozent gehört die Lenzing-Gruppe mit Sitz im österreichischen Lenzing zu den Innovations- und Technologieführern in der Faserherstellung aus Zellulose. Diese ist derart energieintensiv, dass das Unternehmen seine Energieversorgung selbst übernimmt und den Energieverbrauch seit Jahrzehnten optimiert.

Mit rund 3600 GWh pro Jahr versorgt die Business Unit Energy (LAG) die Produktion mit Wärme und Strom. Allein der Strombedarf liegt bei ca. 648 GWh/a. Dabei konnte der Anteil der fossilen Brennstoffe von 1995 bis 2009 systematisch von 35 auf 13,5 Prozent reduziert werden. Stattdessen nutzt man dort biogene Brennstoffe, Rinde bzw. Sägespäne, Reststoffe und Klärschlamm sowie Lauge als Energiequelle.

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Einsparpotenzial mit der „Lupe“ suchen

„Durch die jahrzehntelange Optimierung unserer Energieversorgung ist nahezu jedes Verbesserungspotenzial ausgeschöpft“, erklärt Dipl.-Ing. Gottfried Rosenauer, Vice President der LAG, und ergänzt: „Nun arbeiten wir systematisch daran, einen noch detaillierteren Einblick in die Produktionsabläufe zu bekommen und so die letzten paar Prozent an Energieeinsparpotenzial zu nutzen.“

Aus diesem Grund wurde ein Energiemanagement-System auf der Basis von B.Data von Siemens installiert. Dieses gibt es als Option für das Visualisierungssystem WinCC von Siemens, aber auch als Stand-alone-Lösung, wofür sich die Verantwortlichen in Österreich entschieden haben.

Hiermit werden die Energieströme Strom, Dampf, Wasser, Heißwasser, Druckluft, Kälte, Schutzgas und Vakuum mengenmäßig erfasst und den Prozessen und Anlagen zugeordnet. Das Ziel ist, die Verbrauchsmengen, die schon lange erfasst werden, künftig den einzelnen Produktionsprozessen gezielt zuordnen zu können.

Rund 2200 Variablen werden dafür im Werk Lenzing standardisiert eingelesen. „Rund 95 Prozent der Daten gelangen über ein vorhandenes Echtzeit-Datenerfassungssystem automatisch ins B.Data, lediglich fünf Prozent der Werte erfordern eine manuelle Eingabe“, berichtet Ing. Karl Eder, Leiter der Abteilung Abrechnung und Optimierung der Lenzing Energie.

Während bisher eigene Energiemanagement-Lösungen, basierend auf Tabellen und Listen, genutzt wurden, um die monatliche Energiebilanzierung vornehmen zu können, lassen sich nun sämtliche Messstellen in Echtzeit (15-Minuten-Raster) beobachten und auswerten.

„Eine solche Online-Übersicht des Energieverbrauchs bringt uns in die glückliche Lage, den für Optimierungen wichtigen Aspekt „Zeit“ mit zu berücksichtigen“, berichtet Wolfgang Hemetsberger, Energiespezialist in der Abteilung Energieoptimierung & Qualitätsmanagement.

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