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Folgen durch PFOA-Freisetzung Dupont-Ankläger Bilott erhält „Alternativen Nobelpreis“

| Redakteur: Wolfgang Ernhofer

Er hat das Chemieunternehmen Dupont verklagt, jetzt wird sein Engagement für Mensch und Natur ausgezeichnet: Der amerikanische Anwalt Robert Bilott wird mit dem Ehrenpreis des Right Livelihood Award gewürdigt. Nach vielen Jahren hat er bewiesen, dass Dupont mutwillig Perfluoroctansäure (PFOA) in einen Bach eingeleitet hat und im Boden versickern ließ. Die Substanz hat den Anwohnern, Tieren und der Umwelt massiven Schaden zugefügt.

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Jahrelang leitete Dupont PFOA in Gewässer ein, mit gravierenden Auswirkungen auf Natur, Tiere und Menschen. (Symbolbild)
Jahrelang leitete Dupont PFOA in Gewässer ein, mit gravierenden Auswirkungen auf Natur, Tiere und Menschen. (Symbolbild)
(Bild: CC0 / CC0 )

Würzburg – Die Geschichte klingt ein bisschen wie die, der Rechtsanwaltsgehilfin Erin Brockovich: Ein Konzern nimmt Schäden an Mensch und Natur billigend in Kauf und wird durch aufwendige Recherchearbeit zur Rechenschaft gezogen. Während Brockovich zusammen mit dem Rechtsanwalt Ed Masry erfolgreich das Unternehmen Pacific Gas and Electric (PG&E) verklagt hat, gelang Robert Bilott ein ähnlicher Erfolg in einem ähnlichen Fall. Der Anwalt konnte einen bedeutenden Sieg für Umweltrecht erkämpfen. Als Lohn erhält der Amerikaner den Ehrenpreis des Right Livelihood Award – welcher oftmals als „Alternativer Nobelpreis“ bezeichnet wird, obwohl keine Verbindung zwischen den Auszeichnungen besteht.

Der US-Chemiekonzern Dupont hat in Parkersburg, West Virginia, jahrelang PFOA in einen Bach eingeleitet und ungeschützt auf einer Brachfläche deponiert. Mit schwerwiegenden Konsequenzen: Nutzvieh und Wildtiere wurden krank und starben. Nachdem PFOA auch ins Grundwasser gelangte, erkrankten ebenso überdurchschnittlich viele Menschen in der Region an Krebs.

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Anwalt für Chemieunternehmen wechselt die Seite

Bilott, der als Umweltanwalt normalerweise Unternehmen – darunter auch Chemieunternehmen – vertrat kommt 1999 zufällig durch einen alten Bekannten an den Fall. Die von Dupont eingeleitete PFOA verwendete der Chemiekonzern als Emulgator bei der Teflonherstellung. Die Substanz kann vom Körper nicht abgebaut werden, reichert sich im Organismus an, schädigt Organe und ist krebserregend.

Der Anwalt konnte u.a. durch eine siebenjährige Toxikologische Studie die gesundheitsgefährdenden Folgen und den Zusammenhang mit Krebserkrankungen nachweisen. Vorige Studien zu den Gesundheitsgefahren von PFOA wurden größtenteils von der Chemiebranche erstellt oder beauftragt. Mögliche Gesundheitsgefahren wurden unter Verschluss gehalten.

Mittlerweile wurden Produktion und Verwendung von PFOA eingestellt. Dupont musste rund 560 Millionen Euro an etwa 3500 Geschädigte zahlen. Bilott erhielt den Right Livelihood Award für das Aufdecken jahrzehntelanger chemischer Verschmutzung, Gerechtigkeit für die Opfer und für die Schaffung eines Präzedenzfalls zur Regulierung von gefährlichen Substanzen (original: This year’s honorary award goes to Robert Bilott (USA) “for exposing a decades-long history of chemical pollution, winning long-sought justice for the victims, and setting a precedent for effective regulation on hazardous substances.”)

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