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Exklusiv-Interview: Industriewasser 4.0

Die Chemieproduktion wird immer digitaler – und die industrielle Wasserwirtschaft?

| Autor / Redakteur: Hans-Jürgen Bittermann / Dr. Jörg Kempf

Dr. Thomas Track, Dechema: „Die Entwicklung einer vernetzten industriellen Wasserwirtschaft im Sinne von Industriewasser 4.0 ist zwingend erforderlich.“
Dr. Thomas Track, Dechema: „Die Entwicklung einer vernetzten industriellen Wasserwirtschaft im Sinne von Industriewasser 4.0 ist zwingend erforderlich.“ (Bild: Dechema)

Industriewasser ist als Kühl- oder Lösemittel, Reagens oder Produktanteil ein integraler Bestandteil der Prozesse. Was bedeuten die steigende Flexibilisierung, Digitalisierung und Vernetzung in der Produktion im Zuge von Industrie 4.0 für das Industriewasser? Das Dechema-Papier „Industriewasser 4.0“ gibt Antworten auf diese Frage. PROCESS sprach dazu mit Dr. Thomas Track, Leiter Wassertechnologie und Themensprecher „Wasser“ bei der Dechema.

PROCESS: Herr Dr. Track, was waren der Hintergrund und die Motivation, dieses Positionspapier zu erarbeiten?

Track: Die Dechema mit ihrer engen Verknüpfung zur Prozessindustrie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Digitalisierung. Schon 2014 haben wir in unserem Processnet-Positionspapier zu „Trends und Perspektiven in der industriellen Wassertechnik“ die Notwendigkeit und die Herausforderungen einer engeren Vernetzung von industrieller Wasserwirtschaft, Produktion und weiteren Akteuren wie der kommunalen (Ab-)Wasserwirtschaft und dem Wasserressourcenmanagement formuliert. Heute erfordert die steigende Flexibilisierung, Digitalisierung und Vernetzung in der Produktion im Zuge von Industrie 4.0, beispielsweise durch die Entwicklung hin zu kleineren Losgrößen oder zur Erzeugung personalisierter Produkte, auch die Flexibilisierung und Digitalisierung der industriellen Wasserwirtschaft. Aus unserem Verständnis ist daher die Entwicklung einer vernetzten industriellen Wasserwirtschaft im Sinne von Industriewasser 4.0 zwingend erforderlich. Wir sehen dies auch als einen weiteren Entwicklungsschritt hin zu einem digital optimierten, integrierten industriellen Wassermanagement.

PROCESS: Wie ist der Stand der Dinge bei der Digitalisierung der industriellen Wasserwirtschaft?

Track: Wasser ist ein entscheidender Produktionsfaktor für die Industrie. Während die Digitalisierung in der industriellen Produktion und der Prozessindustrie schnell fortschreitet, hat der Digitalisierungsgrad in der industriellen Wasserwirtschaft noch kein vergleichbares Niveau erreicht. Einzelne Elemente der Digitalisierung werden beispielsweise in den Bereichen Inbetriebnahme, Steuerung und Wartung von Anlagen bereits genutzt. Allerdings fehlt bislang eine vollständige digitale Integration über den gesamten Lebenszyklus von industriellen Wasserbehandlungsanlagen hinweg.

PROCESS: Welche Möglichkeiten einer Verzahnung mit der Digitalisierung der industriellen Produktion sehen Sie? Welche Potenziale für Wirtschaftlichkeit und Ressourcenschonung ergeben sich daraus?

Track: Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung in der Industrie ist auch die industrielle Wassertechnik durch die enge Verbindung des Wassermanagements mit der Produktion gefordert. Für die industrielle Wassertechnik gilt es dabei zum einen, die zunehmende Flexibilisierung in der Produktion durch die effiziente Bereitstellung passender Wasserqualitäten zu unterstützen. Zum anderen muss natürlich die Abwasserbehandlung mit einer größeren Bandbreite in der Charakteristik der Prozessabwässer umgehen können. Die digitale Vernetzung beider Bereiche bietet einen Gewinn an Reaktionszeit und Informationstiefe. Beides ist unverzichtbar für eine wirtschaftliche, ressourcenschonende industrielle Wasserwirtschaft.

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