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Hypos-Forum Deutschland will führend bei Grünem Wasserstoff werden

Redakteur: MA Alexander Stark

Am 03. und 04. November 2020 trafen sich die Hypos-Mitglieder und Gäste zum 6. Hypos-Forum, um über die nächsten Schritte zur Anwendung und Skalierung von Technologien rund um Grünen Wasserstoff zu diskutieren.

Der Hypos e.V., Veranstalter des jährlichen Wasserstoffsymposiums, verfolgt mit mehr als 125 Akteuren aus Wissenschaft und Wirtschaft das Ziel, eine Grüne Wasserstoffwirtschaft zu etablieren. (Symbolbild)
Der Hypos e.V., Veranstalter des jährlichen Wasserstoffsymposiums, verfolgt mit mehr als 125 Akteuren aus Wissenschaft und Wirtschaft das Ziel, eine Grüne Wasserstoffwirtschaft zu etablieren. (Symbolbild)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Leipzig – Mit der Nationalen Wasserstoffstrategie will Deutschland zum weltweiten Leitmarkt für Grünen Wasserstoff werden. Das sagte der Wasserstoffbeauftragte des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Dr. Stefan Kaufmann, in seiner Keynote zum Auftakt des 6. Hypos-Forums. Nach seinen Worten besteht in Grünem Wasserstoff eine einmalige Chance, einen globalen Zukunftsmarkt mitzugestalten. Doch die Konkurrenz etwa in Japan oder China schlafe nicht. Kaufmann betonte, heute komme jeder fünfte Elektrolyseur aus Deutschland ein Marktanteil, den man auch in Zukunft mindestens halten wolle. Auch der stellvertretende Vorsitzende des Nationalen Wasserstoffrats Prof. Dr. Robert Schlögl vom Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft mahnte, dass es zum Erschließen von Exportchancen nicht nur Projekte wie etwa Elektrolysetechnologien im Megawattmaßstab erfordere, sondern die Etablierung von radikal verbesserten, hochautomatisierten Produktionstechnologien für Elektrolyseure. Daher solle sich Deutschland nicht so sehr am 5-Gigawatt-Ziel für Elektrolysekapazität bis 2030 orientieren: „Wir brauchen eher 500 Gigawatt.“

Dr. Joachim Wicke, Vorstandsvorsitzender des Hypos e.V., schließt sich Schlögl an und betont, Deutschland dürfe seine wissenschaftliche und technologische Vorreiterrolle bei Wasserstofftechnologien nicht, wie einst bei der Photovoltaikindustrie, verspielen. Hierzu sei ein systemisches Vorgehen notwendig, ergänzte Schlögl. Neben der raschen Skalierung müsse Deutschland die neuen Technologien mit dem Energiesystem verknüpfen. Der Forscher warnte davor, zu viel auf die Farbenlehre zu achten. Vielmehr müssten möglichst rasch pragmatische Lösungen heute so entwickelt und in die Anwendung gebracht werden, dass die Minimierung des CO2-Fußabdrucks mitgedacht werde. Im Vordergrund müsse jetzt aber die rasche Skalierung stehen.

Der Hypos e.V., Veranstalter des jährlichen Wasserstoffsymposiums, verfolgt mit mehr als 125 Akteuren aus Wissenschaft und Wirtschaft das Ziel, eine Grüne Wasserstoffwirtschaft zu etablieren. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig und sein Amtskollege Prof. Dr. Armin Willingmann aus Sachsen-Anhalt verdeutlichten die Chancen für Mitteldeutschland und sagten Rückendeckung bei der weiteren Schaffung der passenden Rahmenbedingungen zu.

Für den Schritt in die Umsetzung bedarf es nicht nur der Vernetzung der Akteure in Mitteldeutschland. Auch die internationale Perspektive spielt eine entscheidende Rolle. Im hochkarätigen Podiumsgespräch boten u.a. die Hypos-Mitglieder Badr Ikken, Direktor von Iresen aus Marokko, und Stephan König, Geschäftsführer Air Products, Einblicke in aktuelle Projekte und zukünftige Vorhaben. Dr. Bernd Wiemann thematisierte in seinem Beitrag zum Ende des zweiten Konferenztages Erfahrungen und Herausforderungen beim Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft im Oman.

Neben den übergreifenden Themen stellten Expert*innen auch zahlreiche Innovationen und Fortschritte aus den Hypos-Forschungsprojekten vor. 150 Gäste erhielten Einblicke über die gesamte Wertschöpfungskette von der Erzeugung, dem Transport & Speicherung sowie Anwendung. Patrick Becker, Mitnez Gas, stellte das Wasserstoffdorf im Chemiepark in Bitterfeld-Wolfen vor. Seit Mai 2019 erprobt hier ein Projektverbund den Transport von 100 % Wasserstoff im Verteilnetz. Nach über einem Jahr Betriebszeit stellen die Akteure fest, dass die genutzten Komponenten geeignet sind und der Transport in hochdichten Kunststoffrohrleitungen sicher ist.

Simone Kaiser vom Fraunhofer Cerri stellte in ihrem Beitrag die Frage nach der Akzeptanz von Wasserstofftechnologien. Im dazugehörigen Projekt H2-Chancendialog empfiehlt sie dringend allen Akteuren, mehr Informationen und Wissen zum Thema Grüner Wasserstoff zu vermitteln. Zwar kennen 85 % der Deutschen Wasserstoff. Lediglich bei 21 % ist aber auch der Grüne Wasserstoff bekannt. Hier gilt es, mehr Partizipationsmöglichkeiten zu initiieren und umzusetzen.

Bis zum 7. Hypos-Forum 2021 steht laut Dr. Joachim Wicke neben dem generellen Übergang von der Forschung zur Umsetzung vor allem die weitere Einforderung passender Rahmenbedingungen im Vordergrund. Beispielsweise müssten die formulierten Quoten im aktuelle Referentenentwurf des BMU zur nationalen Umsetzung der Renewable Energy Directive II ambitionierter sein, um die Klimaschutzziele zu erreichen.

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