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Geschäftsjahr 2019 Covestro mit rückläufigem Konzernumsatz im Jahr 2019

| Redakteur: Alexander Stark

Covestro hat im Geschäftsjahr 2019 in einem herausfordernden Marktumfeld seine Ziele nach eigenen Worten erreicht. Die abgesetzten Mengen im Kerngeschäft stiegen zwar um 2,0 % im Vergleich zum Vorjahr. Doch aufgrund anhaltend niedriger Verkaufspreise ist der Konzernumsatz um 15,1 % auf rund 12,4 Milliarden Euro gesunken.

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2019 hat Covestro mit 910 Millionen Euro (Vorjahr: 707 Millionen Euro) die höchsten Gesamtinvestitionen in der Unternehmenshistorie getätigt.
2019 hat Covestro mit 910 Millionen Euro (Vorjahr: 707 Millionen Euro) die höchsten Gesamtinvestitionen in der Unternehmenshistorie getätigt.
(Bild: Covestro)

Leverkusen – Das Jahr 2019 war für Covestro geprägt durch eine Reihe geopolitischer und gesamtwirtschaftlicher Unsicherheiten. Die Nachfrage nach den Materialien sei dennoch intakt, so der Vorstandsvorsitzende Dr. Markus Steilemann. Auch 2020 rechnet Steilemann mit großen Herausforderungen. Er sieht aber nach wie vor den langfristigen Bedarf an High-Tech-Kunststoffen für eine nachhaltigere Entwicklung über verschiedenste Schlüsseltechnologien hinweg. Aus diesem Grund will das Unternehmen sein Geschäft konsequent in Richtung Kreislaufwirtschaft ausrichten.

Covestro hat im Geschäftsjahr 2019 ein globales strategisches Programm zur Verankerung von Kreislaufwirtschaft in allen Unternehmensbereichen aufgesetzt. Insbesondere strebt das Unternehmen an, alternative Rohstoffe zu nutzen, innovatives Recycling zu entwickeln sowie breite Kooperationen und neue Geschäftsmodelle zu etablieren.

Effizienz soll Handlungsfähigkeit sichern

Auch wenn das operative Ergebnis des Geschäftsjahres 2019 aufgrund des anhaltenden Preisdrucks wie erwartet unter den Rekordwerten aus den Vorjahren liegt, konnte das Unternehmen auch in diesem Umfeld seine selbst gesteckten Ziele erreicht, verlautbarte Finanzvorstand Dr. Thomas Toepfer.

So ging das Ebitda in der Folge um 49,9 % auf rund  Milliarden Euro erwartungsgemäß zurück. Das Konzernergebnis erreichte 552 Millionen Euro (–69,7 %), der Free Operating Cash Flow (FOCF) lag bei 473 Millionen Euro (–71,7 %). Auf dieser Basis plant Covestro eine Dividende auf Vorjahresniveau in Höhe von 2,40 Euro je Aktie auszuschütten.

Um im aktuellen Marktumfeld erfolgreich sein, will sich Covestro noch effizienter aufstellen, Projekte priorisieren und Investitionen hinterfragen. Das soll die notwendige finanzielle Flexibilität bewahren, so Toepfer.

Angesichts der anhaltend herausfordernden Aussichten für 2020 hat der Konzern die Umsetzung des bereits im Oktober 2018 gestarteten, mehrjährigen Effektivitäts- und Effizienzprogramms noch einmal beschleunigt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat das Unternehmen so bereits rund 150 Millionen Euro eingespart. Für das Jahr 2020 strebt das Unternehmen ergebniswirksame Einsparungen in Höhe von 250 Millionen Euro an, bis Ende 2021 soll das kumulierte Einsparvolumen bei 350 Millionen Euro pro Jahr liegen. Darüber hinaus wurden verschiedene kurzfristige Maßnahmen ergriffen wie ein noch effizienteres Kostenmanagement und die erneute Überprüfung aller bestehenden und geplanten Investitionen. Hierdurch sollen im laufenden Geschäftsjahr zusätzlich rund 200 Millionen Euro eingespart werden. Neben der kontinuierlichen Verbesserung der kommerziellen Schlagkraft liegt der Fokus 2020 somit auch weiterhin auf der Steigerung der Effizienz.

Fokus auf langfristigen Erfolg

2019 hat Covestro mit 910 Millionen Euro (Vorjahr: 707 Millionen Euro) die höchsten Gesamtinvestitionen in der Unternehmenshistorie getätigt. Die Steuerung von Investitionsprojekten erfolgt dabei konsequent mit Fokus auf Effizienz und einen bestmöglichen Kapitaleinsatz. Aufgrund des anhaltend herausfordernden Marktumfelds hat der Konzern im Januar 2020 bekanntgegeben, das MDI-Investitionsprojekt im US-amerikanischen Baytown für einen Zeitraum von 18 bis 24 Monaten zu pausieren.

Von den langfristig vielversprechenden Wachstumsaussichten für MDI zeigt sich der Konzern dennoch weiter voll überzeugt. Wie geplant, ist die neue MDI-Anlage am Standort Brunsbüttel im ersten Quartal 2020 gestartet. Die dortige Produktionskapazität verdoppelt sich dadurch auf 400.000 Tonnen pro Jahr. Damit steigt Brunsbüttel in die Top 3 der europaweit größten MDI-Produktionsstandorte auf und sichert die führende Position von Covestro in diesem Marktsegment.

Buchtipp „Heat Transfer Technique“

Das etablierte Standardwerk „Heat Transfer Technique“ vermittelt nicht nur ausführlich die Grundlagen der Wärmeträgertechnik, sondern stellt auch aktuelle Technologien und Verfahren, Vorschriften und Standards vor. Thematisch wird das Buch durch eine umfangreiche Stoffdatensammlung sowie durch eine Vielzahl an Anwendungsberichten aus der Praxis abgerundet.

Prognose für das Geschäftsjahr 2020: Marktumfeld anhaltend herausfordernd

Covestro rechnet für das Gesamtjahr 2020 mit einem Mengenwachstum im Kerngeschäft im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Beim FOCF erwartet der Konzern einen Wert zwischen 0 und 400 Millionen Euro und einen ROCE zwischen 2 % und 7 %. Für das Ebitda erwartet Covestro einen Wert zwischen 1,0 und 1,5 Milliarden Euro im Gesamtjahr zu erreichen. Das Ebitda im ersten Quartal soll zwischen 200 und 280 Millionen Euro liegen.

Zusätzlich sind die finanziellen Auswirkungen des Corona-Virus auf das aktuelle Geschäftsjahr 2020 derzeit noch nicht vollumfänglich abzusehen.

Positives Mengenwachstum bei Polyurethanes und Polycarbonates

Im Segment Polyurethanes stiegen die abgesetzten Mengen im Kerngeschäft um 2,3 % gegenüber dem Vorjahr. Eine positive Entwicklung der Nachfrage in der Möbel- und Bauindustrie sowie in der Elektro-, Elektronik- und Haushaltsgeräteindustrie konnte die schwächere Nachfrage, vor allem aus der Automobilindustrie, mehr als ausgleichen. Wesentlich getrieben von der negativen Entwicklung der durchschnittlichen Verkaufspreise aufgrund eines höheren Wettbewerbsdrucks sank der Umsatz um 21,5 % auf 5779 Millionen Euro. Das niedrige Preisniveau führte trotz gesunkener Rohstoffpreise zu deutlich rückläufigen Margen. Das Ebitda ging in der Folge um 63,2 % auf 648 Millionen Euro zurück.

Im Geschäftsjahr 2019 konnten die Absatzmengen im Kerngeschäft von Polycarbonates vor allem durch eine stärkere Nachfrage aus der Elektro-, Elektronik- und Haushaltsgeräteindustrie sowie der Bauindustrie um 2,7 % im Vorjahresvergleich gesteigert werden. Der Umsatz verringerte sich um 14,3 % auf 3473 Millionen Euro, das Ebitda sank um 48,3 % auf 536 Millionen Euro. Ursächlich für die Rückgänge war ebenfalls ein im Vergleich zum Vorjahr gesunkenes Verkaufspreisniveau in Folge eines erhöhten Wettbewerbsdrucks. Darüber hinaus wirkte sich der Verkauf des US-amerikanischen Platten-Geschäfts im dritten Quartal 2018 mit 2,2 % negativ auf den Umsatz im Geschäftsjahr 2019 aus.

Die abgesetzten Mengen im Kerngeschäft von Coatings, Adhesives, Specialties sanken im Gesamtjahr 2019 um 1,0 % im Vergleich zum Vorjahr. Grund dafür ist vor allem eine schwächere Nachfrage nach Lackvorprodukten aus der Automobilindustrie. Der Umsatz von Coatings, Adhesives, Specialties blieb mit 2369 Millionen Euro stabil auf Vorjahresniveau (Vorjahr: 2361 Millionen Euro). Das Ebitda erhöhte sich um 1,1 % auf 469 Millionen Euro. Rückläufige Margen, bedingt durch niedrigere Verkaufspreise, sowie gesunkene Absatzmengen hatten einen negativen Effekt auf das Ergebnis, während sich Wechselkurseffekte und der Portfolioeffekt aus dem sukzessiven Anteilserwerb der japanischen DIC Covestro Polymer ergebniserhöhend auswirkten.

Intensiver Wettbewerb prägte auch viertes Quartal 2019

Im vierten Quartal 2019 stiegen die abgesetzten Mengen im Kerngeschäft um 3,8 %. Der Konzernumsatz sank um 12,5 % im Vergleich zum Vorjahresquartal. Dies ist hauptsächlich auf die geringeren Verkaufspreise durch einen erhöhten Wettbewerbsdruck in allen Segmenten zurückzuführen. Der Ebitda beläuft sich somit auf 278 Millionen Euro (–5,1 %), bei einem Konzernergebnis von 37 Mio. Euro (–53,2 %) im vierten Quartal. Der FOCF sank um 9,1 % im Vergleich zum Vorjahr auf 330 Millionen Euro.

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