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Eurochlor 2014 Chlorfrei in die Zukunft? Eurochlor zwischen Bangen und Hoffen

| Autor / Redakteur: Dominik Stephan* / Dominik Stephan

Europas Chlorchemie am Scheideweg – Internationale Konkurrenz, geringe Margen und hohe Energiekosten setzen der Branche zu. Jetzt fordert eine EU-Richtlinie ein vorzeitiges Ende des traditionellen Amalgamverfahrens. Wir haben auf der Euro Chlor Technology Conference 2014, dem Treffpunkt der europäischen Chlorchemie im spanischen Madrid, genauer hingehört, wie es mit der Branche weitergeht.

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(Bild: Pressefoto BASF)

Haben Sie heute schon ein Produkt der Chlorchemie gebraucht? Ganz sicher nicht? Wie sieht es aus mit Schuhsohlen? Autoreifen? Funktionskleidung aus Kunstfaser?

Chlor ist überall. Die Chemikalie ist wesentlicher Grundstoff für eine Vielzahl von Materialien und wichtige Zutat für chemische Reaktionen. Auch die meisten Arzneien werden mithilfe von Chlor hergestellt. Damit ist klar: Auch in Zukunft wird das Element nichts von seiner Bedeutung verlieren.

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Angesichts dieser Aussichten sollten bei den Chlorproduzenten eigentlich die Korken knallen – doch Feierlaune wollte sich auf der Euro Chlor Technology Conference 2014 Anfang April im spanischen Madrid nicht einstellen.

Wenig Grund zum Feiern für Europas Chlorchemie

„Wir sind besorgt, dass der Anteil industrieller Fertigung am BIP der EU nur bei etwa 15 % liegt. Das sind für uns alle schlechte Nachrichten“, erklärte Euro Chlor Chairman Alistair Steel. Die Chlorchemie-Arbeitsgruppe des europäischen Branchenverbands Cefic vertritt 97 % aller Chlorproduzenten der EU- und EFTA-Staaten.

Ohne Industrie kein Plastik, keine Chemieprodukte, keine Arznei. Und keine Nachfrage nach Chlor: Nach einem turbulenten Jahr 2011 sank die EU-Chlorpoduktion 2012 um 2,4 % auf 9.701.000 Tonnen. Schlechte Nachrichten aus der PVC-Branche, traditionell einer der Hauptabnehmer für Chlor, trüben die Stimmung zusätzlich. Neben der schwachen Nachfrage schlagen besonders die Energiekosten der Branche auf den Magen. Da Chlor in einer elektrochemischen Reaktion hergestellt wird, entfallen 45-60 % der Kosten auf die Stromrechnung. Regionale Unterschiede und stetig steigende Preise verzerren nach Ansicht von Insidern den Wettbewerb.

Insgesamt 36 Firmen balgen sich in Europa um den kleiner werdenden Kuchen. Chlor wird produziert, wo es verbraucht wird. Und das heißt häufig dezentral und im kleinen Maßstab. Ist diese zergliederte Marktstruktur noch zeitgemäß?

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