Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr Umfrage: Chemie- und Pharmabranche sieht Standort Deutschland weiter unter Druck

Quelle: VAA/ Dechema 3 min Lesedauer

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Hohe Energiepreise, lähmende Bürokratie und fehlende industriepolitische Impulse belasten den Chemie- und Pharmastandort Deutschland weiter. Eine Umfrage von VAA und Dechema zeigt: Fach- und Führungskräfte sehen die Wettbewerbsfähigkeit der Branche gefährdet und warnen vor dem Verlust hochqualifizierter Arbeitsplätze.

Umfrage von VAA und Dechema: Fach- und Führungskräfte der Chemie- und Pharmaindustrie sehen vor allem hohe Energiepreise und Bürokratie als größte Risiken für den Standort Deutschland.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Umfrage von VAA und Dechema: Fach- und Führungskräfte der Chemie- und Pharmaindustrie sehen vor allem hohe Energiepreise und Bürokratie als größte Risiken für den Standort Deutschland.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Fach- und Führungskräfte der Chemie- und Pharmaindustrie sind unzufrieden mit dem Wirtschaftsstandort Deutschland. Das industriepolitische Umfeld der Branche lässt an vielen Stellen weiterhin zu wünschen übrig, zeigt eine Umfrage der Branchenorganisationen VAA und Dechema. Besonders drastisch: Geht die Energiekrise in Folge der Iran-Krise weiter, droht der Industrie ein weiteres Jahr ohne Perspektive. Es fehlt ein ausreichender Beitrag zur Sicherung der hochqualifizierten Arbeitsplätze.

Der größte Schmerzpunkt der Fach- und Führungskräfte unter 18 abgefragten Standortfaktoren sind die Energiepreise. Direkt dahinter folgt Bürokratie als Hemmnis für Wachstum und Innovation. Brisant: Damit decken sich die aktuellen Ergebnisse mit denen aus dem Jahr 2025. „Industriepolitisch ist ein Jahr verloren gegangen”, sagt Christoph Gürtler, 2. Vorsitzender des VAA und Aufsichtsratsmitglied bei Covestro. „Wir laufen Gefahr, hochqualifizierte, für die deutsche Resilienz wichtige Arbeitsplätze in Deutschland nicht mehr sichern zu können. Daher brauchen wir endlich eine Standort- und Wirtschaftspolitik, die nicht weiter kleckert, sondern klotzt.”

Ein Rückschlag für den aufkeimenden Wirtschaftsaufschwung – die Auftragseingänge deutscher Unternehmen stiegen in den vergangenen Monaten – ist die Iran-Krise, die nach der Erhebung ausbrach. Insbesondere die energieintensive Chemiebranche wird hart getroffen durch die rasant gestiegenen Energiepreise. Das belastet schon jetzt das Wirtschaftswachstum in Deutschland moderat, wie unter anderem das DIW in Berlin bekanntgab. „Damit die ohnehin gebeutelte Chemieindustrie nicht gänzlich den Boden unter den Füßen verliert, darf es keine industriepolitischen Denkverbote geben“, erklärt Stephan Gilow, Hauptgeschäftsführer des VAA. „Wir müssen die Energiepreisbelastung verringern, Halbmaßnahmen reichen nicht mehr! Die Ausweitung des Industriestrompreises auf 80 % oder steuerliche Sonderabschreibungen wären das dringend benötigte Zeichen für unseren Standort.“

Viel Schatten, aber auch Licht

Wenngleich die Lage weiterhin düster erscheint, hat die Umfrage in den Unternehmen und Forschungseinrichtungen der chemisch-pharmazeutischen Industrie auch Verbesserungen zu Tage gefördert. Leicht im Aufwind, verglichen mit dem vergangenen Jahr, sehen die Fach- und Führungskräfte die Verkehrs- und Digitalinfrastruktur sowie die Verfügbarkeit von Fachkräften. Die vorhandene Produktionsinfrastruktur und das Ausbildungsniveau der Fachkräfte wurden erneut als wichtige Standortfaktoren positiv bewertet.

Mit Blick auf die insgesamt sehr durchwachsenen Ergebnisse der Umfrage mahnt Christoph Gürtler: „Arbeitsplätze, die in der deutschen Chemieindustrie verloren gehen, werden sich nur sehr schwer wieder zurückholen lassen. Die Bundesregierung muss beim Reformtempo zulegen, um eine weitere Deindustrialisierung unseres Standortes zu verhindern und hochqualifizierte Beschäftigung zu sichern – für Kolleginnen und Kollegen im Beruf, aber auch für diejenigen, die aus unseren Universitäten nachfolgen”.

Ausbildung in MINT-Fächer als größte Stärke

Stärken und Schwächen sehen die Umfrageteilnehmenden bei der Positionierung der deutschen Chemie- und Pharmabranche im internationalen Wettbewerb: Während die Ausbildung im MINT-Bereich von fast 60 % der Befragten als im Vergleich sehr gut oder eher gut bewertet wird, sind es im Hinblick auf die Erneuerungsfähigkeit nur 14 %.

„Unsere größte Stärke sind die exzellent ausgebildeten und kreativen Köpfe in unserem Land. In ihnen steckt die Innovationskraft, die wir für die Erneuerung des Standorts brauchen. Damit sie sich entfalten kann, müssen jedoch die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden“, Dechema-Geschäftsführer Dr. Andreas Förster erklärt: „Die Umfrage ist deshalb kein Grund zur Resignation, sondern ein klarer Auftrag: Jetzt gilt es, die Voraussetzungen zu schaffen, damit technologische Lösungen entstehen, die unsere Wettbewerbsfähigkeit sichern. Darin liegt der Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft.“

Durchgeführt wurde die Umfrage zum Chemie- und Pharmastandort Deutschland zwischen Dezember 2025 und Februar 2026 unter Mitgliedern des VAA und der Dechema, die als Fach- und Führungskräfte in Unternehmen und Forschungseinrichtungen der Chemie- und Pharmabranche tätig sind.

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