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Kosmetikprodukte Biowachspartikel als Alternative zu Mikroplastik

| Redakteur: Dipl.-Medienwirt (FH) Matthias Back

Mikroplastik ist im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. Abrasionspartikel in der Zahnpasta sind nur ein Beispiel für die unterschiedlichsten Anwendungen von Mikroplastik in der Kosmetikindustrie. Doch das Material steht seit einiger Zeit in der Kritik, da es sich in der Umwelt ansammelt und häufig Schadstoffe aufnimmt, die über Umwege auch in den menschlichen Körper gelangen können.

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Der Weg von primärem und sekundärem Mikroplastik in unserer Nahrungskette.
Der Weg von primärem und sekundärem Mikroplastik in unserer Nahrungskette.
(Bild: Fraunhofer UMSICHT/Matthias Holländer)

Oberhausen – Als Mikroplastik werden kleine Plastikteilchen bezeichnet, die zwischen fünf Mikrometer und maximal fünf Millimeter groß sind. Sie begegnen uns in unserem täglichen Leben in den verschiedensten Kosmetikprodukten – vom Duschgel über Gesichtscreme bis zur Zahnpasta. Dabei werden die Gefahren, die von Mikroplastik ausgehen, seit längerem diskutiert: Über das Abwasser gelangt es in die Umwelt, wo sich an den Teilchen Schadstoffe, etwa Insektizide wie beispielsweise Dichlordiphenyltrichlorethan DDT, anlagern.

Wird das Mikroplastik von Muscheln, Krebsen und anderen Meeresbewohnern gefressen, werden die Schadstoffe vom Tier aufgenommen, wo sie Entzündungen und Krankheiten hervorrufen können. Letztlich geraten die Schadstoffe so auch wieder in unsere Nahrungskette. Mikroplastik wurde schon in Honig, Trinkwasser und Bier nachgewiesen.

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Mikroplastik in Kosmetik muss nicht sein

Mikroplastik gelangt auf zwei Wegen in die Umwelt: Zum einen zerfallen größere Plastikgegenstände wie Tüten oder Flaschen durch Sonneneinstrahlung und mechanische Einwirkungen. Das Mikroplastik entsteht also erst mit der Zeit, weswegen es auch als „sekundäres Mikroplastik“ bezeichnet wird. Eine andere Quelle sind Produkte, in denen von vornherein Mikroplastik enthalten ist. Hier spricht man von „primärem Mikroplastik“. Die für den Peeling-Effekt in Zahnpasta, Duschgels etc. verwendeten Kleinst-Plastikpartikel aus Polyethylen PE oder Polypropylen PP werden über das Abwasser in die Meere gespült, da sie in Kläranlagen nur schwer herausgefiltert werden können.

Gegen Mikroplastik, das bei der Zersetzung von größeren Kunststoffteilen entsteht, kann zum jetzigen Zeitpunkt nur wenig unternommen werden. »Mikroplastik in Kosmetikprodukten muss jedoch nicht sein«, so der Wissenschaftler Dr. Sebastian Pörschke, der bei Fraunhofer Umsicht zum Thema Biowachspulver und dessen Anwendungsmöglichkeiten forscht, und fügt hinzu: „Hier könnten auch alternative Werkstoffe eingesetzt werden. Sand und Nussschalen zum Beispiel oder Salze. Sand und Nussschalen wirken jedoch sehr abrasiv in den Verarbeitungsanlagen und lassen diese schnell verschleißen; und Salze sind wasserlöslich, weshalb sie nicht für alle Produkte geeignet sind.“

An einer besonders vielversprechenden Alternative auf Basis von Biowachsen wird zurzeit bei Fraunhofer Umsicht gearbeitet. Bienenwachs, Karnaubawachs oder Candelillawachs sind nachwachsende Rohstoffe und – im Gegensatz zu Kunststoffen und Biokunststoffen – in Wasser relativ schnell biologisch abbaubar. Wir nehmen solche Wachse übrigens als Bestandteil vieler Lebensmittel, beispielsweise in Form von Überzügen von Süßigkeiten, nahezu täglich auf.

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