Holz ersetzt Erdöl Bioraffinerie in Leuna: 550 Millionen Euro für nachhaltige Chemikalien aus Buchenholz

Redakteur: MA Alexander Stark

Erneuerbaren Biochemikalien wird eine rosige Zukunft prognostiziert. Buchenholz könnte dabei als lokale Rohstoffquelle erdölbasierte Produkte ersetzen. In den Bau einer Bioraffinerie, die solche Biochemikalien herstellen soll, investiert der finnische Konzern UPM bis 2022 rund 550 Millionen Euro.

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UPM will 550 Millionen Euro in die Bioraffinerie in Leuna investieren.
UPM will 550 Millionen Euro in die Bioraffinerie in Leuna investieren.
(Bild: UPM)

Leuna – Nach zehnjähriger Forschung und Planung hat der Bau der Bioraffinerie von UPM in Leuna begonnen. Ab 2022 sollen dann 220.000 Tonnen Chemikalien pro Jahr hergestellt werden. Die Bioraffinerie produziert Biochemikalien aus Buchenholz, die fossile Rohstoffe unter anderem in der Herstellung von Chemikalien, Textilien und Verpackungsmaterialien ersetzen. Mithilfe der Produkte sollen Kunden den Anteil an erneuerbaren Rohstoffen in ihren Produkten deutlich steigern können. Die Ökoeffizienz wird sich durch eine Lebenszyklusanalyse (engl. LCA) auch quantitativ belegt lassen.

Viele technische Verfahren werden zum ersten Mal im industriellen Maßstab angewendet. Eine Vielzahl einzelner Prozessschritte wird auf intelligente Art und Weise maximal integriert, mit dem Ziel den Verbrauch von Energie und Rohstoffen, sowie Emissionen zu minimieren. In der Bioraffinerie werden aus der Biomasse bio-Monoethylenglykol (MEG), bio-Monopropylenglykol (MPG), erneuerbare funktionelle Füllstoffe und industrielle Zucker hergestellt.

Aus bio-Monoethylenglykol werden unter anderem Polyestertextilien, PET-Flaschen, Verpackungsmaterialien und Frostschutzmittel erzeugt. Der weltweite Markt für Bio-Monoethylenglykol umfasst circa 30 Millionen Tonnen im Jahr und die Nachfrage wächst jährlich um eine Million Tonnen. Das ist laut Christian Hübsch, Leiter des Ligningesschäfts bei UPM Biochemicals, einer der am schnellsten wachsenden Bereiche in der petrochemischen Industrie.

Bio-Monopropylenglykol wird zum Beispiel in Verbundstoffen, Arzneimitteln, Kosmetika und Waschmitteln eingesetzt. Derzeit werden diese Produkte fast vollständig auf Basis von fossilen Rohstoffen - Öl, Erdgas und Kohle hergestellt. Die Lignin-basierten erneuerbaren, funktionlen Füllstoffe werden in Gummiprodukten und Kunststoffen eingesetzt. Sie stellen eine nachhaltige Alternative für Industrieruß und Fällungskieselsäure dar, deren weltweiter Markt insgesamt über 15 Millionen Tonnen umfasst. Mit den erneuerbaren, funktionellen Füllstoffen will der Hersteller der Automobilindustrie nachhaltige Lösungen für alle Kunststoff- und Gummiteile im Auto bieten. Die Leichtigkeit des Stoffes ist insbesondere in der Produktion von Elektroautos ein Trumpf, wo nach Möglichkeiten gesucht wird das Gewicht der schweren Akkus durch leichtere Werkstoffe auszugleichen.

UPM verlagert den Schwerpunkt von der traditionellen Papierherstellung auf neue Branchen. Die Bioraffinerie, die seit fünf Jahren in Finnland in Betrieb ist, erzeugt Biokraftstoffe aus Holz. Nun werden Biochemikalien sowie Lösungen der Biomedizin in die Produktion aufgenommen. „Das bio MEG und bio MPG unserer Bioraffinerie unterscheidet sich chemisch und physikalisch nicht von den aktuell petrochemisch erzeugten Glycolen, d.h. sie können von der Industrie in den bestehenden Prozessen und Recyclingverfahren eingesetzt werden. Sie unterstützen daneben perfekt die Ziele der EU, den Anteil von erneuerbaren Rohstoffen bei der Herstellung von Kunststoffen zu steigern“, sagt Hübsch. Das Unternehmen erwartet, dass die Biochemikalien ein Kostenniveau erreichen, das den fossilen Alternativen entspricht.

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