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Inverto-Studie

Bei Rohstoffen drohen durch Handelskriege Mehrkosten und Versorgungsengpässe

| Redakteur: Alexander Stark

Weil Rohstoffe immer Preisschwankungen unterliegen, ist Finanz-Hedging ein sinnvolles Mittel, um ungeplanten Steigerungen vorzubeugen.
Weil Rohstoffe immer Preisschwankungen unterliegen, ist Finanz-Hedging ein sinnvolles Mittel, um ungeplanten Steigerungen vorzubeugen. (Bild: Pixabay / CC0)

Protektionismus und Handelskonflikte wirken sich immer stärker auf den weltweiten Handel aus. Einkäufer befürchten nicht nur, dass Rohstoffe teurer werden, sondern auch, dass sie künftig nicht mehr die benötigten Mengen für ihr Unternehmen beschaffen können. Das ergibt eine Studie der auf Einkauf und Supply Chain Management spezialisierten Unternehmensberatung Inverto, an der über 110 Einkaufsverantwortliche teilnahmen.

Köln – Fast 90 % der Studienteilnehmer erwarten, dass sich die aktuellen Auseinandersetzungen zu echten Handelskriegen ausweiten. Allerdings gehen sie davon aus, dass nicht die ganze Welt gleichermaßen betroffen sein wird, sondern nur bestimmte Materialien oder aber einzelne Länder. Doch auch angesichts begrenzter Konflikte rechnen gut 80 % der Befragten mit Preissteigerungen für Rohstoffe und knapp 60 % befürchten Versorgungsengpässe. Einkäufer für Eisen und Stahl, Aluminium sowie Kupfer nehmen die Risiken am stärksten wahr.

Branchenübergreifend sehen die Studienteilnehmer den Kontaktaufbau zu neuen Lieferanten in alternativen Beschaffungsmärkten (60 %), die Prüfung alternativer Rohstoffe (49 %) oder die Absicherung der Bezugspreise durch langfristige Verträge (42 %) als die besten Lösungen, um sich gegen Preisanstiege abzusichern. Tatsächlich genutzt werden diese Mittel aber nur in weitaus geringerem Umfang: 44 % suchen neue Lieferanten, 26 % testen neue Materialien, 35 % verhandeln Verträge mit langer Laufzeit. Da auch Lieferanten mit steigenden Preisen rechnen, haben sich bei zwei Dritteln der Befragten die Laufzeiten von Preisgarantien verringert.

Weil Rohstoffe immer Preisschwankungen unterliegen, ist Finanz-Hedging ein sinnvolles Mittel, um ungeplanten Steigerungen vorzubeugen. Jedoch verwenden nur 23 % der befragten Unternehmen dieses Instrument. Die Mehrheit der Studienteilnehmer zeigt sich skeptisch: Fast ein Drittel hält Hedging für Spekulation, 27 % scheuen den Aufwand, 44 % sind der Meinung, für die von ihnen benötigten Rohstoffe gebe es keine Möglichkeit für Hedging. Tatsächlich stehen aber für über 90 % der Rohstoffe, die von den Befragten als relevant für das eigene Unternehmen angegeben wurden, geeignete Hedging-Instrumente zur Verfügung. Gerade in den aktuell unsicheren Zeiten könnte Hedging für mehr Sicherheit beim Rohstoffeinkauf sorgen.

Herausforderungen im Rohstoffeinkauf haben sich stark gewandelt

Im Vergleich zu den Vorjahren haben sich die Risiken, mit denen sich Entscheider konfrontiert sehen, stark verändert. So nennen nur 19 % dieses Jahr rückläufige Absatzmengen als Gefahr für ihr Unternehmen – 2016 befürchteten dies noch 44 % der Studienteilnehmer. Demgegenüber sorgten sich vor zwei Jahren nur 18 % der Befragten, dass sie die benötigten Rohstoffe nicht beschaffen könnten, während es heute fast 60 % sind. Steigende Preise und Versorgungssicherheit dominieren die Geschäftstätigkeit der befragten Akteure 2018. Hier zeigt sich, wie massiv Protektionismus und schwelende Konflikte bereits in das Wirtschaftsleben eingreifen.

Möglicher Handelskrieg belastet die Rohstoffmärkte

Rohstoffpreise August 2018

Möglicher Handelskrieg belastet die Rohstoffmärkte

07.08.18 - Trotz der eskalierenden Diskussionen um einen Handelskrieg, den der US-Präsident immer wieder anfeuert, blieben die Weltrohstoffpreise im Monatsmittel des Juli 2018 sowohl auf Basis von Dollar wie auch in Inlandswährung gerechnet stabil. In der zweiten Monatshälfte notierten vor allem Metalle schwächer. Insgesamt stehen bei einer unveränderten Drohung um immer neue Strafzölle auf immer mehr Warengruppe die Rohstoffpreise auch zukünftig unter Druck, der auch durch den Ausstieg von investiven Anlegern verstärkt wird. lesen

Über die Rohstoffstudie

Inverto befragte im Zeitraum von Juni bis August über 110 Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie England. Mehr als die Hälfte von ihnen ist in Unternehmen mit über 1.000 Beschäftigten tätig, und zwar hauptsächlich im produzierenden Gewerbe, im Maschinenbau oder in der Prozessindustrie. Fast zwei Drittel der Befragten sind als Einkaufsverantwortliche oder strategische Einkäufer beschäftigt, 17 % als Geschäftsführer oder Vorstände. Inverto realisiert die Rohstoffstudie jährlich seit 2010. Ein E-Book mit den ausführlichen Ergebnissen sowie Handlungsempfehlungen finden Sie hier

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