Worldwide China Indien

Kläranlagen

Anthropogene Spurenstoffe treiben Betriebskosten in die Höhe

| Autor / Redakteur: Dipl.-Ing. Hans-Jürgen Bittermann / Tobias Hüser

Studiengangsleiter Marco Rupprich (links) und Projektleiter Thomas Obholzer im Testlabor des MCI Management Center Innsbruck: Das neu entwickelte Verfahren nutzt die Ionisationstechnik zur Elimination von Spurenstoffen.
Bildergalerie: 2 Bilder
Studiengangsleiter Marco Rupprich (links) und Projektleiter Thomas Obholzer im Testlabor des MCI Management Center Innsbruck: Das neu entwickelte Verfahren nutzt die Ionisationstechnik zur Elimination von Spurenstoffen. (Bild: MCI Management Center Innsbruck)

Wer sucht, der wird finden: Die stetig genauere Analytik weist im Wasser noch geringste Konzentrationen von anthropogenen organischen Spurenstoffen nach – eine Herausforderung für den Gesetzgeber ebenso wie für die Technik. Klar ist bereits: Die notwendige vierte Reinigungsstufe in Kläranlagen wird teuer.

Anthropogene Spurenstoffe wie Hormone, Arzneimittel, Kosmetika, Pflanzenschutzmittel sowie industrielle Grund- und Veredelungsstoffe gelangen über Produktionsanlagen, den Menschen selbst oder die Landwirtschaft ins Abwasser und schließlich über Kläranlagenabläufe in die Oberflächengewässer. Selbst in tief liegenden Grundwässern werden sie angetroffen.

Ehe man sich der Frage widmet, wie solche Stoffe vom Trinkwasser abgetrennt werden können, muss verstärkt kommuniziert werden: Vermeiden ist erheblich effizienter als Separieren. Vermeidungsstrategien und Anwendungsbeschränkungen bestimmter Stoffe (besonders in der Landwirtschaft!) sind deshalb so wichtig wie lokale Behandlungs- und Rückhaltungsmaßnahmen: Beispielsweise eine Vorbehandlung im Teilstrom, bevor das Abwasser eines Krankenhauses einer zentralen Reinigung zugeführt wird. Klar ist aber auch: In der industrialisierten Welt ist ein kompletter Verzicht auf anthropogene Stoffe nicht denkbar.

Mess-, aber keine Grenzwerte

Mit der modernen Analytik gelingt es zwar heute, auch geringste Spuren vieler Stoffe zu detektieren; bislang existieren jedoch nur für die wenigsten dieser Stoffe Bewertungen, die deren Wirkung auf die Umwelt bzw. die Gesundheit des Menschen abschätzen lassen. Durch das Auffinden dieser Stoffe in messbaren Konzentrationen werde – so die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) in einem Positionspapier – häufig der (falsche) Eindruck vermittelt, dass diese Stoffe in früheren Zeiten nicht vorhanden waren. Allerdings nehmen auch die Entwicklung neuer Stoffe und deren Anwendung zu.

Die toxikologischen Bewertungen beschränken sich bislang auf chemische Einzelstoffe. Eine Betrachtung von Stoffen und Stoffgemischen, die sich im Organismus anreichern oder in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken können, fehlt. Dazu kommt noch das mangelnde Wissen über Transformationsprodukte, die sich beispielsweise unter dem Einfluss von chemisch-physikalischen Trennverfahren ergeben. Kurz: Wir tappen noch vielfach im Dunkeln.

Risiko-Management

Wichtig ist es deshalb, die Risiken klarer zu machen. Die vom BMFT geförderten Projekte „RiSKWa“ und „TransRisk“ widmen sich der Charakterisierung, Kommunikation und Minimierung von Risiken, die von anthropogenen Spurenstoffen und Krankheitserregern im Wasserkreislauf ausgehen.

Das im November 2011 gestartete Projekt „TransRisk“ richtet den Blick besonders auf Transformationsprodukte, die durch oxidativen Abbau aus Spurenstoffen hervorgehen. Das daraus entstehende Risiko wird genauer analysiert und in ein handlungsorientiertes Risikomanagement-Konzept integriert. Weitere Schwerpunkte sind neu aufkommende Krankheitserreger und antibiotika-resistente Keime. Hier werden neue Nachweismethoden entwickelt, um die Verbreitung dieser Bakterien besser zu verstehen und geeignete Maßnahmen einleiten zu können.

Ergänzendes zum Thema
 
Projekte und Forschungsvorhaben: Wer macht wo was?

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 42305556 / Prozessmesstechnik)