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Wasser/Abwasser Wohin mit dem Klärschlamm? Verbände machen gegen Polymer-Verbot mobil

| Redakteur: Dominik Stephan

Glaubt man dem BDEW, steht die deutsche Wasserwirtschaft vor einem Entsorgungsproblem bei Klärschlamm: Das geplante Verbot synthetischer Polymere würde massive Kostensteigerungen bedeuten, da Klärschlämme nicht mehr ohne weiteres als Dünger genutzt werden könnten, so der Branchenverband.

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(Bild: Wolkenkratzer / BY-SA 3.0)

Berlin – Nach der aktuellen Gesetzeslage würde es ab Januar 2017 nicht mehr erlaubt sein, Klärschlamm mit so genannten synthetischen Polymeren, auf Felder und Äcker auszubringen, erklärte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Hintergrund ist ein Passus in der Düngemittelverordnung, der den Einsatz so genannter synthetischer Polymere nur noch bis zum 31. Dezember 2016 erlaubt.

Klärschlamm, der bei der Abwasserentsorgung anfällt, kann, sofern er bestimmte Qualitätskriterien erfüllt, unter anderem als Dünger in der Landwirtschaft verwendet werden. Zur Eindickung von Klärschlamm werden bisher so genannte synthetische Polymere benötigt.

Alternative Klärschlammverwertung: Kapazitäten fehlen

"Bleiben die geplanten gesetzlichen Vorgaben zum Verbot synthetischer Polymere bestehen, würde die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung bereits ab 2017 vor dem Aus stehen - damit müssten kurzfristig 687.000 Tonnen Trockenmasse pro Jahr verbrannt werden", sagte Jörg Simon, BDEW-Vizepräsident Wasser/Abwasser heute in Berlin.

Es sei auch aufgrund fehlender geeigneter Verbrennungskapazitäten jedoch völlig unklar, was mit diesen zusätzlichen Mengen geschehen solle. "Die Entsorger wären de facto in vielen Fällen von einem Entsorgungsnotstand betroffen", kritisierte Simon.

Mehrkosten in Höhe von 180% erwartet

Das Verbot bedeute zudem immense Kostensteigerungen: "Kurz- und mittelfristig ist der Zubau zusätzlicher Verbrennungskapazitäten nicht möglich. Wird die geltende Rechtslage nicht entschärft, müssen in Zukunft zusätzliche Kapazitäten zu Verbrennung errichtet werden. Dies würde die Klärschlammentsorgungskosten bei denjenigen Abwasserentsorgern, deren Klärschlamm zum Teil landwirtschaftlich verwertet wird, um etwa 180 Prozent verteuern. Diese Kosten müssten dann zum Teil auf die von den Verbrauchern zu zahlenden Abwassergebühren umgelegt werden, befürchtet der Verband.

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