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Wasserfilter

Wie Kokosnüsse und Nanopartikel für sauberes Trinkwasser sorgen

| Redakteur: Tobias Hüser

Bernhard Bischof und Christian Göbbert (v.l.), Geschäftsführer von Nanostone Water, mit einem Filterelement. Das Unternehmen mit Sitz in Halberstadt entwickelt und produziert keramische Nanotechnologie-Wasserfilter.
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Bernhard Bischof und Christian Göbbert (v.l.), Geschäftsführer von Nanostone Water, mit einem Filterelement. Das Unternehmen mit Sitz in Halberstadt entwickelt und produziert keramische Nanotechnologie-Wasserfilter. (Bild: IMG Sachsen-Anhalt / Dana Toschner)

Sauberes Wasser für alle – diesem Ziel haben sich zwei Unternehmen aus Sachsen-Anhalt verschrieben: Carbonit Filtertechnik und Nanostone Water setzen auf intelligente Materialien, um beste Trinkwasserqualität für Verbraucher und Industrie zu gewährleisten. Dabei geht jede der Firmen ihren ganz eigenen Weg – mit Kokosnüssen und Nanopartikeln.

Magdeburg – Kokosnüsse wachsen zwar nicht auf dem Firmengelände Carbonit Filtertechnik in Dambeck, trotzdem fußt der Erfolg des Unternehmens tatsächlich auf der Kokosnuss. Denn die Trinkwasserfilter, die hier hergestellt werden, basieren auf nachwachsenden Rohstoffen. „Der Grundstoff für unsere Aktivkohlefilter sind tatsächlich Kokosnussschalen“, erläutert Holger Bubke, technischer Leiter des Unternehmens. „Sie werden unter Luftabschluss verbrannt, die dabei entstehende Aktivkohle wird mit einem speziellen Binder aus der Medizintechnik vermischt und anschließend unter Druck gebacken. Man nennt diesen Vorgang sintern.“

Aktivkohle ist ein Material, das durch seine poröse Struktur und die extrem große innere Oberfläche chemische Verbindungen und Moleküle binden kann. „Die Intelligenz des Materials besteht darin, dass es in der Lage ist, gezielt Schadstoffe aus dem Wasser zu entfernen, wobei aber gelöste Stoffe wie Mineralien, Salze und Spurenelemente, die unser Körper braucht, erhalten bleiben“ sagt Bubke. Der mittlerweile verstorbene Firmengründer Sturmi Westerbarkey hat 1997 auf einem ehemaligen LPG-Areal den Grundstein für das Unternehmen gelegt, indem er die internationalen Patentrechte zur Herstellung von gesinterten Aktivkohle-Blockfiltern erwarb.

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Auch, wenn der Patentschutz inzwischen abgelaufen ist, steht Carbonit Filtertechnik auf gesunden Füßen: Das Unternehmen zählt nach eigenen Angaben zu den Marktführern der Filtertechnik in Deutschland und Europa. „International wächst der Absatz von Carbonit-Systemen in der Medizintechnik, der Pharma- und Getränkeindustrie, in der mobilen Wasserversorgung auf Schiffen, in Zügen, Flugzeugen oder Wohnmobilen sowie nicht zuletzt in privaten Haushalten und neuerdings auch im Automobilbau“, erklärt Peter Westerbarkey die Einsatzbereiche. „Gutachten renommierter Institute belegen die gründliche und chemiefreie Entnahme unerwünschter Stoffe durch unsere Filter.“

Für frisches Wasser aus dem Hahn

Schwermetalle wie Kupfer und Blei, aber auch Chlor, Medikamentenrückstände, Pestizide sowie Mikroorganismen, Kalk- und Rostpartikel und viele andere Stoffe, die man nicht im Trinkwasser haben möchte, bleiben im Filter zurück, dessen Patrone in bestimmten Intervallen ausgetauscht wird. Obwohl Deutschland eine strenge Trinkwasserverordnung hat, setzen immer mehr Haushalte diese zusätzlichen Filter ein. „Viele Menschen legen Wert auf die bestmögliche Reinheit ihres Trinkwassers. Nicht alle unerwünschten Stoffe werden in Kläranlagen und Wasserwerken herausgefiltert, es wird übrigens nur ein Bruchteil der im Wasser möglicherweise enthaltenen Stoffe überhaupt geprüft. Das Wasser altert auf seinem Weg zur Entnahmestelle durch Stagnation und den Transport in Leitungsnetzen“, erläutert Bubke.

Während Carbonit hauptsächlich Trinkwasserfilter für den Hausgebrauch herstellt und diese über Handelspartner vertreibt, geht es in Halberstadt bei der Nanostone Water um Großtechnik für die Industrie. Weil konventionelle Wasseraufbereitungsverfahren bei kleinsten Teilchen, wie Rückständen von Arzneimitteln oder Chemikalien, an ihre Grenzen stoßen, ist hier Nanotechnologie gefragt. Eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung arbeitet an Membranen, in die Nanopartikel eingebaut sind. „Die Poren unserer keramischen Filter sind so klein, dass sie nicht nur feste Stoffe, sondern selbst Viren und Bakterien sicher zurückhalten“, sagt Chemiker Christian Göbbert, der zusammen mit Bernhard Bischof und Burghard von Westerholt das Führungstrio des Unternehmens bildet. „Alles, was chemisch nicht im Wasser gebunden ist, holen wir da raus.“

Nano-Trinkwasserfilter auf dem Weg um die Welt

Nach einer mehrjährigen Entwicklungs- und Pilotierungsphase erlangten die nanobeschichteten keramischen Filter im vergangenen Jahr Marktreife. „Wir sehen unsere Absatzmärkte vor allem in China und Nordamerika“, erläutert Bernhard Bischof. „In den USA zum Beispiel ist sauberes Trinkwasser keine Selbstverständlichkeit. Es gibt vielerorts marode Leitungen, und es ist üblich, das Wasser zu chloren, um die Keime abzutöten.“ Der chinesische Markt sei attraktiv, weil er sich schnell bewege. „Die asiatischen Kunden sind an der Technologie von morgen interessiert, da spüren wir eine große Offenheit.“

Als international ausgerichtetes Unternehmen, in dem auch mal Ingenieure der amerikanischen Mutterfirma zu Gast sind, agiert Nanostone Water auf den Märkten dieser Welt. Das macht die Firma für gut ausgebildeten Nachwuchs interessant – auch, wenn die nächste Großstadt eine knappe Autostunde entfernt ist. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Mitarbeiter vor allem darauf schauen, ob es ein dynamisches Klima im Unternehmen gibt. Wir punkten bei jungen Fachkräften, weil wir kein großer, schwerfälliger Tanker sind, sondern ein junges, frisches Unternehmen mit der Atmosphäre und Innovationskraft eines Start-Ups“, sagt Bischof, der nicht ohne Stolz von der Unternehmensentwicklung berichtet. Als er 2012 in Halberstadt begann, verloren sich die 17 Mitarbeiter fast in der Werkhalle, heute beschäftigt Nanostone Water 140 Mitarbeiter.

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