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Digitalisierung in der Prozessindustrie

Wenn der Motor sagt, wie’s ihm geht – so treibt ABB die Digitalisierung voran

| Autor: Gerd Kielburger

Digitalisierung und Industrie 4.0 sind auch dank der Massenmedien inzwischen in aller Munde. Die Bundeskanzlerin titulierte das Thema im Sommer gar als Schicksalsfrage für ganze Industriebranchen in Deutschland. Doch wie kommt man von Schlagworten zu Lösungen? Bei ABB reichen die Ideen vom Gesundheitsarmband für Elektromotoren über intelligentes Alarm Management bis zu Augmented-Reality-Einsätze bei Leitsystemen.

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Die erstmals zur Hannover Messe 2016 präsentierte „Smart Sensing“-Lösung von ABB erlaubt die Ferndiagnose (Remote-Condition-Monitoring) von Niederspannungs-Elektromotoren durch das „Internet of Things, Services and People“.
Die erstmals zur Hannover Messe 2016 präsentierte „Smart Sensing“-Lösung von ABB erlaubt die Ferndiagnose (Remote-Condition-Monitoring) von Niederspannungs-Elektromotoren durch das „Internet of Things, Services and People“.
(Bild: ABB)

Software drives technology: Das hört man inzwischen an jeder Ecke – beim Elektrofachhandel für die heimischen Geräte genauso wie beim international operierenden Prozessautomatisierer oder Messtechnik-Spezialisten. Die Digitalisierung und die Einführung neuer, softwarebasierter Dienste und Dienstleistungen werden bei der Weiterentwicklung der Industrie eine entscheidende Rolle spielen und in vielen Fällen – so die Prognosen – zu Umwälzungen führen. Zu den wichtigsten Triebkräften gehören neben einer höheren Verfügbarkeit von Daten, die allgegenwärtige Konnektivität zwischen Maschine und Mensch sowie das exponentielle Wachstum der Rechenleistung.

Bereits jetzt sind beispielsweise mehr als die Hälfte aller Produkte des Automatisierungskonzerns ABB softwarebasiert. An seinem Forschungs- und Entwicklungsstandort in Ladenburg bei Mannheim erhielt PROCESS Einblicke, wie man schon jetzt – und in naher Zukunft – die Anwender in den Prozessindustrien unterstützen kann bzw. will.

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Hardware wird Commodity

Seit der erstmaligen Erwähnung der vierten industriellen Revolution auf der Hannover Messe 2011 ist viel passiert. Vor allem Standardisierungs-Initiativen haben Hochkonjunktur. Ob Plattform „Industrie 4.0“, Initiativen der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech), viele Arbeitsgruppen zur Entwicklung der Grundkonzepte und Architekturmodelle für die vierte industrielle Revolution bis zur aktiven Unterstützung regionaler Initiativen wie dem Mannheimer Netzwerk Smart Production und nicht zuletzt das Industrial Internet Consortium (IIC) in den USA – wer bei dem Thema maßgeblich mitgestalten will, muss wie ABB überall dabei sein. „Die Entwicklung der Technologien für das Internet of Things, Services and People (kurz IoTSP), wie man Industrie 4.0 bei ABB nennt, ist bereits weit fortgeschritten“, weiß Dr. Jan-Henning Fabian, Leiter des ABB-Forschungszentrums in Ladenburg bei Mannheim zu berichten.

Für Fabian und sein rund 100-köpfiges Forschungs- und Entwicklungsteam ist die Digitalisierung in der Bevölkerung längst angekommen und laut einer Studie der Unternehmensberatung Price Waterhouse Coopers (PWC) sollen in Deutschland jährlich bald 3,3 % Effizienzsteigerungen, 2,6 % Kosteneinsparungen und rund 30 Milliarden Euro zusätzlicher Umsatz generiert werden. Deshalb würden sich zukünftige Entwicklungen auf neue Geschäftsmodelle und Organisationsformen fokussieren müssen, um das volle Potenzial von Industrie 4.0 auszuschöpfen. Auch deshalb gibt es bei ABB in Ladenburg längst keinen Unterschied mehr zwischen Hard- und Software-Entwicklung. „Im Gegenteil“, sagt Dr.-Ing. Martin Krüger Projektleiter bei ABB für Data Analytics, „Hardware wird immer mehr zur Commodity.“

Einer der Grundgedanken von Internet 4.0 ist es, dass alle Dinge im industriellen Umfeld miteinander vernetzt werden. Dies hat zur Folge, dass wesentlich mehr Daten generiert und potenziell zur wert­steigernden Auswertung nutzbar sein werden. Jedoch gibt es bereits heutzutage viele Daten in industriellen Betrieben, wie beispielsweise in Leit-, Produktionsplanungs- oder ERP-Systemen. Aus ABB-Sicht kann es nicht der Ansatz sein, alle diese Daten planlos miteinander zu koppeln und dadurch auf eine plötzliche wertschöpfende Einsicht zu hoffen. Vertrauen in der Kunden-Herstellerbeziehung spielt dabei eine große Rolle.

Daher verfolge man bei ABB auch den Ansatz, mit dem Kunden zusammen zuerst mögliche Pro­bleme zu identifizieren, dann zu untersuchen, ob zur Lösung der Probleme bereits genügend Daten vorliegen, um dann durch die Kopplung des Domänenwissens mit dem Analysenwissen eine wertschöpfende Lösung zu entwickeln, erklärt Krüger. Doch das Geschäft mit datenbasierten Diensten stellt Hersteller wie Anwender manchmal vor völlig neue Herausforderungen, so etwa wenn man Capex und Opex in einem SAP-System gleichermaßen verbuchen möchte.

Für diesen Ansatz gibt es bereits diverse erfolgreiche Beispiele von digitalen, daten-basierten Diensten von ABB, z.B. den Smart Sensor, das intelligente Alarm Management oder neue Bedienmöglichkeiten von Leitsystemen.

Ein Beispiel ist ein intelligenter Sensor für Niederspannungsmotoren. Mehr auf der nächsten Seite ...

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Gerd Kielburger

Gerd Kielburger

Chefredakteur PROCESS