Ausblick Welche Trends bewegen die Chemie- und Kunststoffbranche 2018?

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Tobias Hüser

Was sind die wichtigsten Trends der Chemie- und Kunststoff-Industrie im Jahr 2018? Stephan Hundertmark von der Unternehmensberatung Wieselhuber & Partner wagt eine Prognose – Digitalisierung, Recycling und das Produktimage treiben die Unternehmen laut dem Branchenexperten im kommenden Jahr an.

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Die Unternehmensberatung Wieselhuber & Partner gingen der Frage nach, was die wichtigsten Trends der Chemie- und Kunststoffindustrie in 2018 sind.
Die Unternehmensberatung Wieselhuber & Partner gingen der Frage nach, was die wichtigsten Trends der Chemie- und Kunststoffindustrie in 2018 sind.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

München – Chemische Produkte aus der Grundstoff- wie auch aus der Feinchemie bieten nur selten inhärente Möglichkeiten zur Digitalisierung. Die anlagen- und kapitalintensive Wertschöpfungskette hingegen schon. Entsprechend sind Chemieunternehmen vielfach schon weiter als andere Branchen unter dem Schlagwort Industrie 4.0. Die sensorische Überwachung von Prozessen und Aggregaten ist flächendeckend Standard.

Daher muss es der Anspruch eines jeden Unternehmers sein, diese Daten in größerem Maßstab als für „predictive maintenance“ zu nutzen. Wenn die Daten schon zeigen, wann welche Prozesse mit welchem Material- und Energieeinsatz und welchem Aggregate-Verschleiß gefahren wurden, ist ein Einstieg in die smarte Vermarktung von teuren Leerkapazitäten bis hin zu Betreibermodellen eigentlich nicht weit. Ein Eldorado für innovative Regelbrecher.

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Sortenreines stoffliches Recycling vs. komplexe Composites

Ob „The new plastics economy“ beim World Economic Forum in Davos, der „Strategy on plastics in the circular conomy” der Europäischen Kommission oder der Verschärfung des „Kreislaufwirtschaftsgesetzes“ in Deutschland: Neben der Vermeidung von Kunststoffabfällen steht das stoffliche Recycling auch 2018 ganz oben auf der umweltpolitischen Agenda. Auf Industrieseite bieten neuartige Kunststoffcomposites, wie z.B. mehrschichtige funktionale Verbundfolien oder faserverstärkte Halbzeuge die Möglichkeit, bestehende Lösungen zu substituieren und in neuen Anwendungen zu wachsen – gerade für die deutschen Innovationsführer auf der Material- und Verarbeiterseite.

Beim stofflichen Recycling kollidieren allerdings meist die politischen Anforderungen und technischen Möglichkeiten für ein kosteneffizientes und sortenreines Aufbereiten von Composites. Damit droht vielen Innovationen das Ende in einer Sackgasse, wenn in der Produktentstehung nicht bereits das „end of life“ berücksichtigt wird.

Image und Wirklichkeit

Nur in wenigen Branchen klafft zwischen Image und Wirklichkeit eine so große Lücke wie in der Kunststoffindustrie. Zudem leider nicht in der von Marketingabteilungen gewünschten Richtung, sondern zum Nachteil der Industrie. Was gerade im Deutschen oft abwerten mit „Plastik“ überschrieben wird, ist meist vollgestopft mit ingenieur- und naturwissenschaftlicher Kunst bzw. Kunststoff. Die positive Gestaltung vieler Megatrends wie Urbanisierung, Leichtbau und Ressourcenschonung, neue Mobilität, sowie neue Technologien und Werkstoffe ist ohne Kunststoffprodukte als ein wesentlicher Treiber und „Enabler“ nicht möglich.

Der selbstgesteckte Anspruch muss also sein, den wichtigen Innovationsbeitrag der Branche in vielfältigsten Anwendungen und neuen Geschäftsmodellen breit zu vermarkten und zu positionieren. Zur Schließung der Marketing-Lücke bleibt dann einzig der Appell: Tue Gutes und sprich darüber.

* Dr. Stephan Hundertmark ist Senior Manager bei Dr. Wieselhuber & Partner

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