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Industrie 4.0 in der Chemie VDI-Umfrage Industrie 4.0 : Verfahrenstechnik muss Zukunftstechnologie selbst mitgestalten

| Redakteur: Dominik Stephan

Industrie 4.0 ist bereits heute Wirklichkeit – auf diese einfache Formel lassen sich die Ergebnisse einer Umfrage des VDI zusammenfassen. Noch allerdings empfinden sich die meisten Fachleute als Betroffene dieses Wandels – dabei wäre es höchste Zeit, die neue industrielle Revolution aktiv mitzugestalten.

Industrie 4.0 lebt: "Bei mehr als drei Viertel der Ingeniure ist das Thema angekommen", erklärte GVC-Vorsitzende Dr.-Ing. Claas-Jürgen Klasen.
Industrie 4.0 lebt: "Bei mehr als drei Viertel der Ingeniure ist das Thema angekommen", erklärte GVC-Vorsitzende Dr.-Ing. Claas-Jürgen Klasen.
(Bild: VDI)

Es war eine gute Nachricht: Industrie 4.0 hat das Labor verlassen und die Betriebe erreicht. Bereits drei Viertel der Mitglieder der VDI-Gesellschaft Verfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen (VDI-GVC) haben in ihrer täglichen Arbeit einen Bezug zu Industrie 4.0, erklärte der GVC-Vorsitzende Dr.-Ing. Claas-Jürgen Klasen bei der Vorstellung der Zahlen auf der Processnet-Jahrestagung in Aachen. Und er hatte gleich noch eine gute Nachricht im Petto: Etwa ebenso viele Verfahrensingenieure sehen in der neuen Stufe der industriellen Revolution eine Chance für ihr Unternehmen. Mehr Anlagen, flexiblere Produktion und digitalisierte Prozesssteuerung werden den Geschäftserfolg positiv beeinflussen. Die Angst vor Arbeitsplatzverlust ist unter den Befragten mit unter 20% relativ gering.

Allerdings empfinden sich die Befragten eher als „Betroffene“ dieses Wandels als ihn aktiv voranzutreiben: Lediglich 9,1 % bezeichnen sich in diesem Zusammenhang als Mitgestalter. Auch bei der Umsetzung der Digitalisierung sieht der VCI noch Luft nach oben: Im internationalen Vergleich sei die deutsche Prozessindustrie nur mäßig fortgeschritten.

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Auch sei die Branche erst dabei das volle Potenzial von Industrie 4.0 zu entdecken: „Bisher begreifen viele das Thema aus der manchmal etwas konservativen Sicht eines Ingenieurs vor allem als Effizienzsteigerung“, betonte Clasen. Entsprechend würden Vernetzungs- und Digitalisierungskonzepte vor allem in der Produktion ausgerollt. Dabei läge in der Integration über die gesamte Wertschöpfungskette ein gewaltiges Potenzial.

Vom Betroffenen zum Macher

"Für eine erfolgreiche Umsetzung von Industrie 4.0 fehlt es in Deutschland an geeigneten Management-Strukturen, angepassten Geschäftsprozessen sowie Fachkompetenzen in den Betrieben“, erklärt Klasen in Aachen. „Nur jeder Dritte fühlt sich ausreichend in Hinblick auf die digitale Transformation vorbereitet.“

Konsequenterweise sehen die Befragten im Zusammenhang mit Industrie 4.0 einen höheren Qualifizierungsbedarf. Dennoch ist die Bereitschaft zu Fort- und Weiterbildung in der chemischen Industrie und Prozessindustrie seit jeher stark ausgeprägt und lässt die Experten nicht zurückschrecken. Sie wünschen sich mehr Angebote zu lebenslangem Lernen. „Die Ergebnisse unterstreichen nach unserer ersten Umfrage 2014 erneut die positive und innovative Stimmung in unserer Branche“, betonte der GVC-Vorsitzende.

„Für eine erfolgreiche Umsetzung von Industrie 4.0 fehlt es in Deutschland an geeigneten Management-Strukturen, angepassten Geschäftsprozessen sowie Fachkompetenzen in den Betrieben“ - Claas-Jürgen Klasen
„Für eine erfolgreiche Umsetzung von Industrie 4.0 fehlt es in Deutschland an geeigneten Management-Strukturen, angepassten Geschäftsprozessen sowie Fachkompetenzen in den Betrieben“ - Claas-Jürgen Klasen
(Bild: PROCESS)

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