VDI-Studie Künstliche Intelligenz: 80 % der Ingenieure sehen hohen Qualifizierungsbedarf

Quelle: VDI 3 min Lesedauer

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Der Umbau von Industrie und Arbeitswelt erhöht den Druck auf Unternehmen und Beschäftigte, fachliche Kompetenzen gezielt weiterzuentwickeln. Eine aktuelle VDI-Studie zeigt, dass Qualifizierung und Re-Skilling dabei zu entscheidenden Voraussetzungen werden, um Fachkräfte für neue Aufgaben zu gewinnen und die Wettbewerbsfähigkeit technischer Branchen zu sichern.

KI beschleunigt den Wandel: Eine VDI-Studie zeigt massiven Re-Skilling-Bedarf in Ingenieurberufen.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
KI beschleunigt den Wandel: Eine VDI-Studie zeigt massiven Re-Skilling-Bedarf in Ingenieurberufen.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Deutschland steht vor einer strukturellen Paradoxie: Während in einzelnen Industriezweigen Stellen abgebaut werden, fehlen in anderen Bereichen Ingenieurinnen und Ingenieure. Technologische Sprünge – insbesondere getrieben durch Künstliche Intelligenz – verändern Kompetenzprofile rasant. Gleichzeitig verschärfen demografischer Wandel und internationaler Wettbewerbsdruck den Fachkräftemangel.

Eine aktuelle Studie des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) sieht in Qualifizierung und Re-Skilling einen zentralen Hebel, um dem beruflichen Wandel in technischen Berufen zu begegnen und dem Fachkräftemangel entgegenzusteuern.

Rund 80 %der befragten Ingenieure geben alters- und branchenunabhängig an, ihre Kompetenzen in den kommenden drei Jahren erweitern zu müssen, um beruflich erfolgreich zu bleiben. Knapp zwei Drittel sehen einen hohen oder sehr hohen Re-Skilling-Bedarf in ihrer Branche. 71 % zeigen ein hohes oder sehr hohes Interesse an entsprechenden Weiterbildungsangeboten. Rund ein Viertel der Befragten bewerten die Zukunftsfähigkeit ihrer Branche bzw. Ihres Unternehmens als kritisch, insbesondere in Teilen der Chemie-, Metall- und Fahrzeugindustrie.

In den kommenden zehn Jahren werden rund 315.000 Ingenieur- und IT-Fachkräfte altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Gleichzeitig sind bereits heute über 100.000 Stellen im Ingenieur- und IT-Bereich unbesetzt. Geplante Investitionen erhöhen den Bedarf zusätzlich, etwa in Infrastruktur, Verteidigung und Zukunftstechnologien.

Die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen ist laut den Ergebnissen vorhanden. Doch gezielte Qualifizierung und Re-Skilling scheitern häufig an strukturellen Rahmenbedingungen, Transparenz und zeitlichen Ressourcen. Die Studie analysiert diese Zusammenhänge entlang des im VDI entwickelten 5-Ebenen-Modells, das Transformationsprozesse systematisch entlang von gesellschaftlichen, regulatorischen, ökonomischen, individuellen und technologischen Faktoren einordnet.

KI ist stärkster Treiber

Als wichtigsten Auslöser für den steigenden Weiterbildungsbedarf nennen die Befragten den technologischen Fortschritt im Bereich Künstlicher Intelligenz (KI) und Automatisierung (87 %). Dahinter folgen Wettbewerbsdruck (57 %) sowie regulatorische Anforderungen (41 %). Gleichzeitig bewerten 45 % der Befragten die Geschäftsmodelle ihrer Branche als zukunftsfähig oder überaus zukunftsfähig. Besonders optimistisch zeigen sich Ingenieurinnen und Ingenieure in Luft- und Raumfahrt, Energieversorgung, Elektrotechnik und im Bauwesen.

Kritischer fällt die Einschätzung in Teilen der Chemie-, Metall- und Fahrzeugindustrie aus. Vor allem diese Branchen sind seit geraumer Zeit von Wettbewerbsdruck verbunden mit Stellenabbau betroffen.

Mittelstand zwischen Innovationsdruck und Ressourcenengpässen

Gerade kleine und mittlere Unternehmen stehen vor besonderen Herausforderungen. Fehlende Zeit im Arbeitsalltag, hohe Kosten sowie eine komplexe Förderlandschaft erschweren systematische Qualifizierung.

Wie Qualifizierung und Re-Skilling in der Praxis aussehen können, zeigt Jens Hieronymus, CEO der Mechatronic Medical Engineers, der an der Studie mitwirkte. Re-Skilling ist bei Mechatronic vom Management gewollt. „Wir haben unseren Recruiting Prozess durch Re-Skilling aufgewertet und suchen gezielt darüber nach neuen Mitarbeitenden, auch wenn ihre Qualifikation noch nicht zu 100 % passt. Durch Re-Skilling erhalten Sie die nötige Qualifikation, so dass sie gut in unserem Unternehmen in einem veränderten Aufgabengebiet eingesetzt werden können“, gibt er an. „Re-Skilling ist für uns ein strategisches Instrument, um Innovation und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Wir qualifizieren gezielt weiter und eröffnen unseren Mitarbeitenden neue Einsatzfelder“, sagt er.

Die Studienautoren kommen zum Schluss, dass Qualifizierung und Re-Skilling nur gelingen können, wenn gesellschaftliches Mindset, regulatorische Rahmenbedingungen, wirtschaftliche Realitäten in Unternehmen, individuelle Lernbereitschaft und technologische Dynamik ineinandergreifen. „Ohne eine breit angelegte Qualifizierungsoffensive wird Deutschland seine Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit nicht sichern können“, heißt es.

Die Studie „Bereit für Innovationen – Gezielte Qualifizierung als Grundlage für neues Wachstum in Deutschland“ basiert auf einer Online-Befragung von mehr als 1350 Ingenieurinnen und Ingenieuren, Experteninterviews sowie einer interdisziplinären Paneldiskussion.

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