Hannover Messe/Interkama Rund 5000 Aussteller erwarten zur diesjährigen Hannover Messe Besucher aus aller Welt

Autor / Redakteur: Dipl.-Ing. Sabine Mühlenkamp / Dr. Jörg Kempf

Ohne Zweifel beherrscht das Thema Energie die diesjährige Hannover Messe, sei es bei der Vorstellung neuer Energiesparmotoren, bei der Pipeline-Technologie für die sichere Versorgung mit Gas und Öl oder beim Einsatz von Automatisierung für effiziente Prozesse. Aber auch über diese Themen hinaus gibt es interessante Produkte und neue Dienstleistungskonzepte zu entdecken.

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( Bild: Deutsche Messe )

Thema Nummer Eins in diesem Jahr in Hannover sind ganz klar neue Energiesparkonzepte für die Industrie. Schließlich helfen diese nicht nur der Umwelt, sondern verschaffen auch Wettbewerbsvorteile. So könnten bis zu 90 Prozent der Lebenszykluskosten einzelner Komponenten wie Elektromotoren vermieden und bis zu 70 Prozent Einsparungen bei Nebenanlagen wie Pumpen, Lüftern, Druckluft und Kälteanlagen mit moderner Technik erzielt werden.

„Auch im Bereich Energiesparmotoren liegen erhebliche Einsparpotenziale. Eine flächendeckende Einführung von Energiesparmotoren der höchsten Effizienzklasse EFF 1 im Bereich der Standardanwendungen würde noch einmal ein Einsparpotenzial von 5,5 Milliarden Kilowattstunden oder 440 Millionen Euro Stromkosten bringen“, zählt Werner Blaß, Geschäftsführer des Fachbereichs Elektrische Antriebe im ZVEI, das Potenzial auf und ergänzt: „Würden die wirtschaftlichen Einsparpotenziale der elektrischen Antriebstechnik mit der heute verfügbaren Technologie voll ausgeschöpft, würde das die Umwelt allein in Deutschland um jährlich 17 Millionen Tonnen Kohlendioxid entlasten.“

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Besucher können sich auf der HannoverMesse interaktiv an verschiedenen Anlagen informieren, wo gespart werden kann. Dabei wird ein kompletter Produktionsprozess gezeigt. Displays und Terminals errechnen Einsparpotenziale oder kalkulieren neu eingegebene Anforderungen vor Ort. Energieexperten des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) und des ZVEI – Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. stehen am Info-Point bereit und verweisen auf entsprechende Aussteller, die dann im Detail weiterhelfen können.

Transport steht vor großem Boom

Nicht nur das Thema Energieeffizienz sondern auch die Versorgung mit Energie wird für alle Branchen, insbesondere aber für die Prozessindustrie zum entscheidenden Faktor. „Für zukünftige Generationen werden Transportfragen und damit vor allem der Transport von Öl, Gas und Wasser über Pipelines eine zentrale Rolle spielen“, verweist Dr. Klaus Ritter, Geschäftsführer beim European Institute for Information and Technology Transfer in Environmental Protection (EITEP), auf die Notwendigkeit der vielen aktuellen Pipelineprojekte hin: Der Transport von Öl, Gas, Wasser und anderer Produkte steht weltweit vor einem großen Boom. „Wir befinden uns erst am Anfang einer Entwicklung, die sich bereits jetzt durch den weltweiten Mangel an Planungs- und Baukapazitäten bemerkbar macht. Allein für die kommenden fünf Jahre wird mit einem Bedarf an 50 000 Kilometer neu zu verlegenden Pipelines gerechnet“, so der Pipeline-Experte.

Die Deutsche Messe Hannover hat diese sich abzeichnende Entwicklung bereits 2006 zum Anlass genommen, um eine neue Leitmesse – die Pipeline Technology – einzuführen. Erstmals findet in diesem Jahr mitten in der Ausstellung in Halle 27 die dritte Pipeline Technology Conference vom 21. bis zum 23. April für Teilnehmer aus mehr als 30 Nationen statt. Dabei geht es um Probleme und Lösungen von Pipeline-Projekten, die Beschleunigung von Planungs- und Bauprozessen sowie den Betrieb und die Unterhaltung. Um das Kompetenzzentrum herum gruppieren sich vier Ausstellungsbereiche zu den Themen „Konstruktion und Bau“, „Betrieb und Wartung“, „Exploration und Produktion“ und „Liquefied Natural Gas“.

Wachstum bei der Automatisierung

Das Thema Energie sorgt selbst in der Automatisierungstechnik für neuen Schwung. So werden derzeit verstärkt bisher unwirtschaftliche Öl- und Gasvorkommen erschlossen. Daher steht nach Angaben des ZVEI der petrochemische Markt (Erdöl- und Erdgasgewinnung sowie die Mineralölverarbeitung) mit rund einem Viertel des Weltmarktes für die Automatisierung an vorderster Stelle. Benötigt wird die Automatisierungstechnik für Pipelines, effiziente Raffinerien oder Flüssiggasterminals. Der Nahe Osten gilt daher als Wachstumsregion in der Prozessautomatisierung.

Bei Kraftwerken und in der klassischen Chemieindustrie stehen nach wie vor die Modernisierung und Effizienzsteigerung von Altanlagen im Vordergrund, insbesondere in den USA und in Europa. Hier gilt es, Rohstoff- und Energieverbräuche sowie Ausschussware zu reduzieren, die Ausbeute zu erhöhen und die Produktion nach vorgegebenen Produkteigenschaften zu steuern. Und dies gelingt nur, wenn man in der Lage ist, die Prozesse exakt zu regeln und die Stillstandzeiten zu reduzieren. Die Automatisierungstechnik bietet das Werkzeug für eine optimale Energie- und Rohstoffausnutzung und damit die Basis für eine effiziente Anlagenausnutzung und Steigerung der Ausbeute.

Gute wirtschaftliche Aussichten also für die Aussteller der Interkama, bei der Themen wie Aktorik, Analysemesstechnik, Engineering und Services, funktionale Sicherheit, Mess- und Regeltechnik, Wireless Automation und Asset Management im Vordergrund stehen. Nach Angaben des Fachverbandes Automation im ZVEI wird für 2007 mit einem Wachstum von zehn bis elf Prozent für die elektrische Prozessautomation gerechnet. Eine weitere Umsatzsteigerung von sieben bis acht Prozent wird für 2008 erwartet.

Neue Themenschwerpunkte

Inhaltlich wird sich die Messe an die Bedürfnisse der Fachbesucher anpassen. So soll der Bereich Wireless Automation mit über 50 Ausstellern deutlich ausgebaut und mit dem Umzug in die Hallen 6 und 7 besser an die Interkama angebunden werden. Ebenso soll dies mit dem Thema Micro Technology in Halle 6 geschehen. „Mit den neuen Themenschwerpunkten der Prozessautomation sollen die Besucher aus der verfahrenstechnischen Industrie noch stärker angesprochen werden“, unterstreicht Dr. Gunther Kegel, Präsident der Interkama+ und Geschäftsführer von Pepperl+Fuchs in Mannheim. Einen ersten Erfolg verspricht das Konzept: So wird aufgrund der hohen Nachfrage die Interkama+ um eine Halle erweitert.

„Eine solche Resonanz spricht für Vertrauen und gute Erfahrungen“, so Kegel, ergänzt jedoch: „Vordringlichste Aufgabe bleibt allerdings, auch die großen internationalen Hersteller der Prozessleittechnik möglichst vollständig wieder als Aussteller zu gewinnen. Ein Wettbewerb der Lösungen ist für den Besucher nur dann spannend und informativ, wenn sich alle wesentlichen Anbieter diesem Wettbewerb stellen und ihre Produkte und Lösungen auf der Interkama präsentieren.“

Premiere: Interkama+ Lounge

Zur Zeit wird an neuen langfristigen Konzepten wie dem „World User Club“ gearbeitet, um im Umfeld der Interkama ab 2009 neue Anreize für Aussteller und Besucher gleichermaßen zu bieten. In diesem Jahr wird zunächst statt der Plenumsvorträge erstmalig eine „Interkama+ Lounge“ eingerichtet. Hier sollen täglich von 12 bis 14 Uhr Talkrunden zu den brisantesten Themen, etwa Wireless Automation, Energieeffizienz, Online Prozessanalyse, Feldgeräteintegration und Asset Management, angeboten werden. Anwender und Spezialisten werden in der 2. Etage der Halle 7 ausreichend Gelegenheit haben, um sich über die neuesten Innovationen und Applikationsfragen unterschiedlicher Technologien auszutauschen. Die Namur beteiligt sich an diesen Diskussionen und wird dabei die Interessen der Anwender deutlich machen.

Die Autorin ist redaktionelle Mitarbeiterin bei PROCESS.

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