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Rohstoffpreis-Entwicklung Rohstoffe und Chemieprodukte werden auf breiter Front teurer

| Redakteur: Marion Wiesmann

Auch im Juni sind die Weltrohstoffpreise weiter nach oben geklettert. Hatten Analysten bisher noch eine Entspannung erwartet, scheint jetzt ein kurzfristiger Anstieg der Rohölpreise auf 150 Dollar pro Barrel möglich. Die Chemieunternehmen reagieren mit massiven Preisanpassungen.

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Seit Jahresbeginn haben die Preise für Rohöl und das für die Chemie wichtigstes Derivat Naphta massiv angezogen. (Quelle: VCI, destatis)
Seit Jahresbeginn haben die Preise für Rohöl und das für die Chemie wichtigstes Derivat Naphta massiv angezogen. (Quelle: VCI, destatis)
( Archiv: Vogel Business Media )

Düsseldorf – Wie aus der aktuellen Rohstoffpreis-Information der Deutschen Industriebank (IKB) hervorgeht, ist der Preisindex für Rohstoffe im Juni um sechs Prozent gestiegen. Die Entwicklung war aufgrund des stabilen Wechselkurses in Dollar und Euro nahezu identisch.

Preistrends für Öl und Gas

Preistreiber sind nach wie vor die Energierohstoffe. Neben den geopolitischen Unruhen (Nigeria, Iran) nennen die Analysten der IKB den schwachen Dollar und die Flucht in Rohstoffwerte als Hauptursachen für den Preisanstieg. Die angekündigte Erhöhung der Fördermengen durch Saudi-Arabien haben die Märkte nicht beeindruckt. Laut IKB werde der Ölpreis trotz moderater Verbrauchszuwächse derzeit noch „hoch geredet“. So könnte die Barriere von 150 Dollar pro Barrel (159 Liter) bereits in den kommenden Tagen angetestet werden. Ölexperten der US-Investmentbank Goldman Sachs halten laut n-tv sogar einen zwischenzeitlichen Sprung bis auf 200 Dollar für möglich. Noch vor wenigen Wochen sahen die Prognosen besser aus (vgl. Rohstoffpreis-Information Mai). Durschnittspreise um die 120 Dollar sind für die IKB jedoch in weite Ferne gerückt, nennenswerte Enspannungen werden erst für 2009 prognostiziert. Viele Experten sprechen von einer Spekulationsblase und erwarten einen plötzlichen Preisabfall. Die bereits stark schwankenden Kurse könnten ein Vorzeichen dafür sein. Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank sagte gegenüber n-tv: „Die Blase wird platzen und der US-Ölpreis wieder unter die Marke von 100 Dollar fallen.“

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Temporäre Preisausschläge befürchtet

Während die USA ihre Rohölvorräte im Juni deutlich verringert hat, wurden die Lagerbestände an Raffinadeprodukten etwas aufgestockt. Vor Beginn der Feriensaison haben sich die Benzinvorräte sogar geringfügig erhöht und übertreffen die Vorjahresbestände leicht. Bei Propan hingegen unterschreiten diese den Vorjahresbestand um rund sechs Prozent. Innerhalb der übrigen Destillate stiegen die hochschwefelhaltigen Sorten stark an. Die wesentlich wichtigeren Sorten mit geringem Schwefelgehalt erhöhten sich ebenfalls gegenüber Mai 2008 und übertreffen wieder den Vorjahresstand. Die insgesamt gesunkenen Rohölvorräte erhöhen die Gefahr temporärer Preisausschläge.

Preise für Kunststoffe ziehen weiterhin an

Laut Berechnungen des VCI lagen die Preise für Chemikalien im ersten Halbjahr 2008 um 3,5 Prozent höher als ein Jahr zuvor, besonders die Kunststoffpreise zogen an, wie die IKB-Analyse zeigt: Im Juni kam es zu einem starken Anstieg der Propylenpreise am Spotmarkt von rund 50 Euro pro Tonne. Auch die Kontraktpreise der Monomere zogen kräftig an. Im Zuge dessen erhöhten sich die Preise für Polypropylen leicht. Diese liegen jedoch immer noch unter ihren bisherigen Höchstständen. Vor dem Hintergrund von Lieferschwierigkeiten mehrerer Anlagen und weiterer Vormaterialpreisanstiege dürften die Preise im 3. Quartal nochmals anziehen, ebenso die Benzolpreise. Die Kontraktpreise liegen deutlich über den Spotnotierungen. Diese wurden aufgrund einer guten Caprolactam-Versorgung nicht voll an die Polyamid-6-Hersteller weitergereicht.

Ein Blick auf die konkreten Preisanpassungen einiger großer Chemiekonzerne lassen vermuten, dass über die gesamte Branche weitere Preisanpassungen erfolgen werden:

  • Der US-Konzern Dow hat im Juli nach einer bereits erfolgen Preiserhöhung im Juni von bis zu 20 Prozent eine erneute Preiserhöhung von 25 Prozent angekündigt.
  • Ciba hat die Preise im Juni im gesamten Portfolio um bis zu 20 Prozent erhöht.
  • BASF hat in den vergangenen Wochen auf breiter Front Preisanpassungen vorgenommen, betroffen sind unter anderem Acetylen-basierte Spezialitäten, Polymer-Spezialitäten, technische Kunststoffe und Carbonate.
  • Bayer MaterialScience hat zum 16. Juni die Verkaufspreise für Polycarbonate sowie polymeres und monomeres Diphenylmethan-Diisocyanat (MDI) erhöht
  • Auch DuPont Engineering Polymers erhöht seine Kunststoffpreise zum 15. Juli.

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