Meilenstein Sicherheitstechnik

wird präsentiert von

HIMA

Arbeitssicherheit bei Silos Rettung Verschütteter aus Schüttgütern in Silos

Autor / Redakteur: Johann Trenkler / Wolfgang Geisler

Immer wieder werden in Unfallberichten die verzweifelten Anstrengungen um in Silos verschüttete Personen geschildert. Diese Berichte haben bei der Südzucker AG Überlegungen über notwendige und erforderliche Hilfsmittel angestoßen.

Firmen zum Thema

Das Besondere an der Konstruktion ist die Schubverbindung der einzelnen Bleche. (Bild: Südzucker)
Das Besondere an der Konstruktion ist die Schubverbindung der einzelnen Bleche. (Bild: Südzucker)

Immer wieder wurden in Unfallberichten die verzweifelten Anstrengungen geschildert, um Personen, die mehr oder weniger stark in pulver- oder granulatförmigem Material verschüttet waren, gegen ein weiteres Nachfließen des Schüttguts zu sichern. Häufig wurde bei solchen Unfällen versucht, mittels provisorisch zusammen gebauter Hilfskonstruktionen aus Schaltafeln, Blechplatten oder was auch gerade verfügbar war, Hilfe zu leisten.

Zwar muss es nach wie vor oberstes Ziel sein, auch die teilweise Verschüttung eines Mitarbeiters gänzlich zu verhindern, vollkommen ausgeschlossen werden kann sie jedoch keinesfalls.

Bildergalerie

Auch im Rahmen der von der Berufsgenossenschaft vorgeschriebenen Silorettungsübungen wurde deutlich, dass zusätzlich zu den bereits vorhandenen Gerätschaften noch weitere Hilfsmittel zur Befreiung von Verschütteten hilfreich und notwendig wären. Ein Rettungseinsatz könnte durch speziell auf die Gegebenheiten angepasste, geeignete Gerätschaften einerseits deutlich vereinfacht, vor allem aber auch stark beschleunigt werden, so die Überzeugung der mit dieser Thematik befassten Arbeitsgruppe.

Grundidee

Erste Überlegungen und Empfehlungen vorhandener Arbeitskreise gingen in Richtung „Schutzrohre“ oder „Schutzrohrhälften“. Unter den örtlichen Gegebenheiten unserer Silos wurden bei solchen Hilfsmitteln jedoch enorme Schwierigkeiten bei der Einbringung durch die teilweisen sehr engen Zugangsöffnungen an den Silos gesehen.

Konkrete Nachfragen, auch bei anderen Zuckerfabriken, führten zu keinen greifbaren Erkenntnissen. Erfahrungen mit solchen Abschottungen lagen noch nicht vor.

Aufgrund der vorangegangenen Diskussionen wurden folgende Anforderungen an die Neukonstruktion gestellt:

  • schnelle Verfügbarkeit im Bedarfsfall, fester Standort;
  • Robustheit;
  • leichte Handhabung;
  • Hygieneanforderungen zum Einsatz für Übungszwecke (kein Holz und leicht zu reinigen);
  • über alle Einstiegsöffnungen und in alle Silos einzubringen;
  • hohe Stabilität bei geringem Gewicht;
  • in vertikaler Richtung leichte Verschiebbarkeit der Elemente untereinander, um das Nachschieben der Einzelelemente zu ermöglichen;
  • Berücksichtigung verschiedener Einsatzmöglichkeiten: lineare Abschottung gegen nachfließende Schüttgüter; Ringförmiger Schutz eines Verschütteten zum örtlich sehr begrenzten Schutz.

Praktische Umsetzung

Für die im Grunde einfache Konstruktion wurden 0,5 cm dicke Aluminiumblech mit den Abmessungen 45 cm x 100 cm gewählt.

Das Besondere an der Konstruktion ist die Schubverbindung der einzelnen Bleche. Jedes Blech besitzt auf der einen Seite eine runde Verdickung (Rohr) und auf der anderen Seite eine ¾-kreisförmige Halterung (geschlitztes Rohr). In diese Haltung kann die runde Verdickung eines anderen Bleches eingeschoben werden und letztlich ein Gliederband aus Blechen gebildet werden.

Da die Verbindungen oben und unten offen sind und auch sonst reichlich Spiel vorgesehen ist kommt es nicht zu dem befürchteten Verklemmen der Bleche bei der Handhabung im Schüttgut.

Die Art der Gelenkausbildung ermöglicht eine Drehung der Bleche in einem Winkel von 90° bis 145°. So ist auch die Herstellung eines geschlossenen Fünfecks mit einem Innenkreisdurchmesser von 60 cm möglich.

Ergebnis

Bei mehreren Übungen wurde die praktische Handhabung der Rettungsbleche erprobt und hat sich auch bewährt. Im Rahmen der Übungsmöglichkeiten erscheint die Kons-truktion sehr gut geeignet, unter verschiedenen Einsatzbedingungen das Nachfließen von Materialien während der Bergung von Verschütteten zu verhindern. Sie ist einfach aufgebaut und kann schnell eingesetzt werden. Durch die spezielle Verbindungsart wird eine zuverlässige Abdichtung der einzelnen Elemente gegeneinander erreicht. Dennoch können die Bleche auch im Schüttgut in horizontaler Richtung gegeneinander verschoben werden. Dadurch kann die gesamte Einheit an ein unterschiedliches Niveau des Schüttgutes angepasst werden. Auch feste Brocken im Schüttgut, bauliche Gegebenheiten oder im Extremfall abstehende Arme oder Beine eines Verschütteten können so berücksichtigt werden.

Auch wenn man von der Funktionsfähigkeit und der Funktionalität der Rettungsbleche überzeugt ist, sollte das Hauptaugenmerk darauf gerichtet sein, dass sie gar nicht erst gebraucht werden.

* Johann Trenkler, Südzucker AG

(ID:30696700)